Weißstorchschutz: Abschied auf Raten?

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23. März 2010, 11:27 Uhr

Prignitz/Potsdam | Auch, wenn das Potsdamer Agrarministerium "intensive Gespräche und Kontakte mit der Region und mit dem Nachbarressort Umwelt" einräumt und das brandenburgische Umweltministerium seinerseits sagt, dass "die notwendigen Maßnahmen über den Vertragsnaturschutz geregelt werden können": Die Aktivisten für den Vogelschutz in der Elbtalaue drehen sich im Kreis. Am vergangenen Donnerstag berichtete der "Prignitzer", dass der Schutz des Weißstorches ohne Fördermittel verpufft. Im storchenreichsten Landkreis Deutschlands sinkt die Population der Großvögel tendenziell. Insbesondere um Rühstädt, wo die relativ stabile Adebar-Kolonie seit Jahrzehnten die Besucher zu Zehntausenden anlockt, pochen die Verantwortlichen auf den Vertragsnaturschutz für Landwirtschaftsunternehmen, wie er in den 1990er Jahren praktiziert wurde. Die kleinflächige Mahd von Grünland sei damals mit 153 Euro pro Hektar unterstützt worden, rechnet Dirk Glaeser, Geschäftsführer der Agrarproduktivgenossenschaft (APG) Abbendorf, vor. Die Summe reduzierte sich bis 2006 auf 110 Euro. "Anschließend gab es das Programm so gar nicht mehr", kritisiert Glaeser die dann einsetzende Bürokratisierung. Landwirte könnten zwar unter den aktuellen Bedingungen mit 75 Euro pro Hektar unterstützt werden. "Aber der Aufwand für Dokumentation, Kontrolle und Logistik ist so groß, dass die 75 Euro indiskutabel sind", sagt der Landwirt.

Mit einem Gutachten und eigenen Vorschlägen zum Schutz der Weißstorchpopulation wandte sich die Gemeinde Rühstädt im vergangenen Sommer an das brandenburgische Umweltministerium, seinerzeit noch eine Einheit mit dem Agrarministerium. Nach den Landtagswahlen wurden die Ressorts in zwei Ministerien aufgesplittet, was die Sache für die Akteure vor Ort - darunter auch das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg und die Nabu-Weißstorchbetreuer - verkomplizierte. Auf das Gutachten folgte im November eine Zusammenkunft in der Prignitz, anschließend ein zweiter Entwurf mit Schutzvorschlägen, erarbeitet unter Federführung des Biosphärenreservats. "Seit Ende Januar jedoch ruht wieder still der See", resümiert Glaeser. Er räumt ein, dass die Landesministerien - wie sie es ja auch in ihren eigenen Antworten an die "Prignitzer"-Redaktion mitteilten - durchaus interessiert seien an der Lösung des Problems, das nicht nur den Schutz des Weißstorches, sondern auch seltener Wiesenbrüter betrifft. Aber: Selbst wenn mit der neuen EU-Förderperiode ab 2013 wieder mehr Geld fließen sollte, seien die Landwirte in der Elbtalaue schon so weit von der kleinflächigen, naturschutzgerechten Mahd entfernt, dass man das Rad nicht so ohne weiteres zurückdrehen könne, so Glaeser.

"Rühstädt wird eine Insel bleiben", meint dessen Bürgermeister Jürgen Herper. Er wartet auf kein Landesprogramm mehr, setzt statt dessen auf eine gute Kooperation und eigene Ideen vor Ort.

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