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Lokales

24. Oktober 2017 | 09:50 Uhr

Wassersportler contra Wasservögel

vom

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erstellt am 01.Sep.2010 | 07:15 Uhr

Wismar | Mit einem roten Motorsegler fährt Ranger Ulrich Eichel mehrmals pro Woche die Wismarbucht ab. Sein Job ist es, die hier lebenden Wasservögel vor uneinsichtigen Wassersportlern zu schützen. Denn in dem FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) dürfen die Sportler nur in ganz bestimmten Gebieten unterwegs sein. Darauf haben sich alle Wassersportvereine der Region, Angler, Fischer und Naturschützer freiwillig geeinigt. Doch längst nicht alle Wassersportler halten sich daran, sagt Ulrich Eichel: "Ein großes Problem sind die Kite- und die Windsurfer, die sich sehr wenig an die Regeln halten. Vor 14 Tagen, drei Wochen waren es acht Kitesurfer, die durch das Gebiet gefegt sind. Und ich habe versucht, mit ihnen zu sprechen, aber sie haben sehr wenig Verständnis aufgebracht."

Viele Surfer halten sich in den Flachwasser- und Uferbereichen auf. Diese Gebiete sind aber auch für Enten und ihren Nachwuchs besonders wichtig. Denn die Jungen, die noch nicht fliegen können, finden in den Salzwiesen etwas zu fressen. Zum Beispiel kleine Krebse. Fahren Surfer allerdings auf eine Entenfamilie zu, könnten Eltern und Nachwuchs getrennt werden. Und das, sagt Bernhard Fiedler vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt, könnten Feinde der Enten ausnutzen. "Es gibt Greifvögel, die gerne die kleinen Jungen fressen. Und ihnen fehlt in dem Moment dann natürlich der Schutz, wenn dieser Familienverband auf 10, 20 Meter auseinander gerissen ist, weil sie so plötzlich überrascht werden."

Gerade in der Brut- und Mauserzeit sind die Wasservögel auf Rücksicht angewiesen, brauchen viel Ruhe. Häufige Fluchtreaktionen durch Surfer bedeuten für die Tiere mehr Stress und damit einen höheren Energieverbrauch, weiß Bucht-Ranger Ulrich Eichel. "Auch die Gleitschirme, die in der Luft sind, sind für die Vögel erst einmal ein Schock. Das muss ein Riesentier sein, was auf die zukommt, denken sie und dann reagieren sie dementsprechend und kriegen Panik."

Verbieten kann und will Eichel den Kite- und Windsurfern ihren Sport nicht. Dennoch: Sollten seine Ermahnungen in Zukunft nicht helfen, wird das Konsequenzen haben. "Falls das nicht klappt, falls wir das nicht in den Griff kriegen und die Störungen größer werden, wenn irgendwie große Bestände zurückgehen, dann müssen Schutzmaßnahmen durchgeführt werden." Und das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt werde neue Schutzgebiete oder sogar Sperrzonen in der Wismarbucht ausweisen. Für die uneinsichtigen Wassersportler bedeutet das: Wer dann noch in dem ein bis zwei Meter flachen Wasser unterwegs ist und erwischt wird, muss mit empfindlichen Geldstrafen rechnen.

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