zur Navigation springen

Auf dem Reiterhof "Zum Blau" sind Exoten eingezogen : Wasserbüffel in der Griesen Gegend

vom

Michaela Gooth betreibt eine "privilegierte Landwirtschaft mit Reiterhof, Wasserbüffelzucht und Beherbergung". Die 33-Jährige ist eigentlich Hotelfachfrau und hat im Vier-Sterne-Bereich gearbeitet.

schlonsberge | "Richtung Neu Jabel, hinter dem Schafstall vor der Brücke links ab. Es sind drei Häuser, nicht zu verfehlen." Die freundliche Frau in Woosmer hat mit dem Rasenmähen innegehalten, um den Weg nach Schlonsberge zu beschreiben. Es geht aus dem Dorf heraus hinein in die sommerliche Natur der Griesen Gegend. Ein paar Windungen des Sandweges, und das Ziel ist erreicht. Eine lebensgroße Pferdesilhouette an der Hauswand und ein handgemachtes Schild zeigen es an: Hier liegt der Reiterhof "Zum Blau". Anmelden ist nicht nötig. Das besorgen zwei prächtige Berner Sennenhunde, die ihren bellenden Aufgaben mit großem Eifer nachkommen.

Hier betreibt Michaela Gooth eine "privilegierte Landwirtschaft mit Reiterhof, Wasserbüffelzucht und Beherbergung", so der offizielle Ausdruck. Die 33-Jährige ist eigentlich Hotelfachfrau und hat im Vier-Sterne-Bereich gearbeitet. "Aber ich wollte schon immer Bäuerin sein", gesteht sie, und die Arbeit mit Pferden hat es ihr sowieso angetan. Vor acht Jahren hat sie den Reiterhof mitten in Woosmer angefangen, ist dann vor vier Jahren damit nach Schlonsberge gezogen. Michaela Gooth ist dabei, ihre Träume in die Tat umzusetzen. Dazu gehören seit einem Jahr die Wasserbüffel. Ein exotisches Unterfangen. Die junge Frau weiß von einer Wasserbüffelzucht auf dem Darß. Ansonsten sind diese imposanten Tiere in MV noch nicht angekommen. Und Michaela Gooth wird Neuland beschreiten, in dem sie die nach ihrem Wissen erste ökologische Wasserbüffelzucht im Land aufbaut.

Büffel-Sommerparadies im Schatten der Bäume

Die beiden Hundedamen Lissy und Mia haben sich schnell beruhigt. Nun dürfen sie mit zur Wasserbüffelweide. Die Sonne gibt ihr Bestes an diesem Morgen. Wiesen so weit das Auge reicht. Eine Baumgruppe als Schattenspender. Über der Silhouette der Grasflächen zeichnen sich unter den Bäumen drei dunkle Flecken ab. Beim Näherkommen werden die Konturen schärfer und zu Zorro, Bella und Ida. So heißen die drei imposanten Exemplare der Gattung Bubalus arnee, wie die wissenschaftliche Bezeichnung der Wasserbüffel lautet. Sie suchen unter dem Schattendach der Bäume Schutz vor den sengenden Sonnenstrahlen. Die kleine Herde ist noch jung, der Bulle drei, die Kuh vier und Ida, das Kalb, erst ein Jahr alt. Mit diesen Tieren will Michaela Gooth eine Herde aufbauen. Wasserbüffel eignen sich sehr gut für die Fleischproduktion. 1800 Tiere sind es aber erst, die in Deutschland gehalten werden, weiß die Züchterin, die jetzt am Zaun steht und versucht, ihre Tiere anzulocken. Sie tun ihr den Gefallen und bekommen als Belohnung intensive Streicheleinheiten, die sie sich gern gefallen lassen. Bulle Zorro ist ein echter Genießer, der wohlig die Augen schließt. "Neulich ist er dabei fast mal umgefallen." Michaela Gooth, hochgewachsen, sportlich, braun gebrannt, lacht über das ganze Gesicht.

Gemütlichkeit kann zum fatalen Trugschluss werden

Die Tiere stehen am Zaun, als seien sie die Sanftheit in Person. Ein Trugschluss, wie die Besitzerin weiß. Sie ist die Bezugsperson der Tiere, und deshalb lassen sie sich die morgendliche Störung gern gefallen. Fremde sind nicht so gern gesehen. Glaubt der Bulle Gefahr im Verzug, rennt er hocherhobenen Hauptes gegen seinen vermeintlichen Feind an. Während bei den anderen Rindern die Hörner die gefährlichsten Waffen sind, benutzen Wasserbüffel zur Verteidigung meist ihre ausgeprägte Schädelplatte.

Auch noch in weiterer Beziehung unterscheiden sie sich von anderen Rindern. Sie lassen sich nicht besamen. Eine Kuh ist nur einen Tag lang "bullig", ein schwierig abzupassender Zeitpunkt. Zehn Monate und zehn Tage ist eine Kuh trächtig. Im Falle der kleinen Goothschen Herde kündigt sich bereits Wasserbüffelnachwuchs an. Es wird dann wohl der erste ökologisch gehaltene Fleischlieferant des Betriebes sein.

Bei aller Tierliebe, die aus der intensiven Beschäftigung mit den grauen Kolossen spricht, ist Michaela Gooth doch Pragmatikerin. Wasserbüffelfleisch hat sie natürlich schon probiert. "Es schmeckt einfach wunderbar, etwas wie Rind, etwas wie Wild, und dann ist da noch eine ganz eigene, aber angenehme Note dabei", schildert sie.

zur Startseite

von
erstellt am 29.Jun.2011 | 04:52 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen