Wasser vom Feld reißt einen tiefen Krater

Krater im Feld bei Riederfelde. Durch eine defekte Rohrleitung wurden bei der Schneeschmelze große Mengen an Sand weggespült. Daneben steht Eckhard Riemann.
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Krater im Feld bei Riederfelde. Durch eine defekte Rohrleitung wurden bei der Schneeschmelze große Mengen an Sand weggespült. Daneben steht Eckhard Riemann.

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14. April 2010, 07:04 Uhr

Lübz | Da kann sogar ein Trecker drin versinken! Eckhard Riemann, Geschäftsführer im Wasser- und Bodenverband Mildenitz-Lübzer Elde aus Dobbertin, zeigt ein tiefes Loch auf einem Acker in Riederfelde vor den Toren von Lübz. Durch Schäden im unterirdischen Rohrleitungssystem ist es in diesem Frühjahr entstanden. Unmengen an Erdreich nahm das Wasser mit bis zu einem Graben am Neuen Teich. Unter Riemanns Stiefeln türmt sich im Wasserlauf mehr als ein halber Meter Sand vom benachbarten Acker.

Hier ist der Einzugsgebiet des Kohlegrabens, der in Lübz in den Gerberbach und von dort in die Elde mündet. Im Oberlauf hat ein Landwirt Getreide angesät. Die Drainage unter dem Feld war komplett versandet, weiß Riemann. Der Bauer hat sein Rohrnetz saniert.

Dennoch entstand der jüngsten Schaden mitten auf dem Feld. An einem Schacht beginnt hier das 900 Kilometer lange Gewässernetz des Dobbertiner Verbandes. Er ist zuständig für alle kleineren Wasserläufe in der Region, die vermutlich schon da waren, bevor Menschen die Natur verändert haben - egal ob sie heute unterirdisch oder oberirdisch fließen. Wie weit sie wirklich vor 1000 Jahren reichten, sei kaum nachweisbar, so Riemann. Aber genau am Beginn dieses öffentlichen Netzes entstand in Riederfelde der Schaden.

"Die Rohrleitung wurde in den 70er-Jahren gebaut", berichtet der Geschäftsführer. Das Alter nagt. Die Betonteile verrotten mit der Zeit. Die einzelnen Rohren stecken nicht ineinander, ihre Stöße wurden mit Mörtel verschmiert oder mit Bitumen abgedichtet.

Bei der diesjährigen Schneeschmelze schoss das Nass durch das Rohr wie durch eine Druckwasserleitung und riss aus der Umgebung so viel Erde mit, dass der tiefe Krater entstand. Die Flächen, die hier entwässert werden, sind ohnehin schwierig. Auf ein paar Metern findet man die verschiedensten Schichten von Ton bis Schwemmsand, so der Fachmann. Der Krater von Riederfelde bleibt noch ein paar Monate. Um die Druckrohrleitung sofort zu reparieren, müsste eine aufwendige Grundwasserabsenkung vorgenommen werden. Der Zweckverband wartet auf die Zeit, wenn die Vorfluter in diesem Gebiet ohnehin trocken sind. So richten die Bauarbeiten auch keine weiteren Schäden auf dem Acker an.

Bei Lübz gibt es in diesem Frühjahr den größten Schaden am 200 Kilometer langen Rohrnetz des Zweckverbandes. In den vergangenen Jahren hatten die Mitarbeiter schon einmal ein ähnlich großes Loch auf einem Feld bei Wamckow zu beklagen. Auch im Karower Raum sorgten defekte Druckrohrleitung für Ärger. Bei der kompliziertesten Reparatur in seinen 15 Jahren als Chef des Zweckverbandes war zwischen Neuhof und Zahren eine über 100 Jahre alte Rohrleitung zusammengebrochen, die als Durchlass unter eine Straße führt, so Riemann. Von allen Seiten drückte das Wasser, so dass eine Baugrube einstürzte.

Die vermutlich älteste Rohrleitung im Verbandsgebiet gibt es in Sternberg. Sie wurde vor 150 Jahren zusammen mit der Erbkornmühle gebaut. Die Leitung, die am Wasserfall an der Mühle mündet, liegt etwa fünf bis sechs Meter tief und unter Felsen. "Ich hoffe, dass wir sie nicht reparieren müssen", so Riemann. Eine Kontrolle mit Kameras ergab, dass offenbar dieser älteste Kanal noch in Ordnung ist.

Sorgen macht dagegen eine wesentlich jüngere Leitung in Hohen Pritz, die erst seit 30 Jahren besteht. Sie führt auf einer 400 Meter langen Strecke durch einen Fichtenwald, der mit Weiden durchsetzt ist. Deren Wurzeln sind bis in die vier Meter tief liegenden Rohrleitungen gewachsen. Diese müssen jetzt mit großem Aufwand von innen frei geschnitten werden.

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