Waschbären ziehen durch die Prignitz

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26. Juli 2010, 08:34 Uhr

Prignitz | Gibt es eine Waschbärenplage in der Prignitz? Ja, sagen Einwohner in Bälow - Nein, hält der Landkreis entgegen. Allerdings gibt die Behörde zu, und das belegen auch die Zahlen, dass die Waschbären-Population im Kreis in den vergangenen zehn Jahren angestiegen ist.

"Die Waschbären sind rund um uns herum", antwortet Herbert Zander, als der "Prignitzer" dem Hinweis aus Bälow nachgeht. Und sie seien auch mittendrin. "Sie saßen auf dem Kastanienbaum mitten auf dem Hof unserer Pension. Eine Mutter und ihre drei Jungen", fügt Charlotte Bebion-Zander hinzu. Dass dieses Quartett auf dem Hof nicht mehr Schaden anrichtete, lag am Hund der Familie, der die Waschbären mit seinem Gebell auf dem Baum hielt. Für Charlotte Bebion-Zander ist die Situation insgesamt unbefriedigend. "Wir haben doch in unserer Pension auch Gäste, die sich gestört fühlen", erklärt sie.

Mittlerweile hat die Waschbärenfamilie den Hof verlassen. Entweder sie oder ihre Artgenossen treiben aber weiter im Dorf ihr Unwesen. "Sie haben bei der Nachbarin den Mülleimer umgekippt und außerdem einige Kirschbäume abgeerntet", berichtet Charlotte Bebion-Zander. Sie hat sich schon an das Amt Bad Wilsnack/Weisen gewandt. "Dort habe man das zur Kenntnis genommen", erzählt sie von der Reaktion auf ihr Anliegen. Und der Jäger, der die dortige Jagd gepachtet hat, ist von außerhalb, nicht immer vor Ort. Aber: Innerhalb von Ortschaften dürfte er auch gar nicht auf Waschbären schießen. Wie auch immer, für die Bebion-Zanders ist das kein Zustand. "Wir können ja kein Fenster oder keine Tür mehr offen lassen. Und nachts, da poltert es immer", schildert die Pensionswirtin noch einmal ihr Problem. Was ihrer Meinung nach auch damit zusammenhängt, dass in der Gegend um Bälow an den Wegen entlang kaum noch gemäht wird: "Es verwildert und verwahrlost", legt sie nach. "Dabei sind wir auch für die Natur", möchte sie allen Vorurteilen vorbeugen.

"Eine Waschbärenplage kann ich so nicht bestätigen", sagt der beim Landkreis im Amt für Sicherheit und Ordnung für Jagdangelegenheiten zuständige Sachbearbeiter Jörg Smolinski auf Anfrage. Aber die Zahl dieser Tiere im Kreis hat zugenommen. "Der Trend geht dahin, dass Marderhunde westwärts, Waschbären gen Osten ziehen. Im Zeitraum 1998/99 wurde in der Prignitz kein Waschbär erlegt, im Zeitraum 2008/09 waren es 768", nennt Smolinski Zahlen.

Grundsätzlich, so die Aussage des stellvertretenden Leiters des Amtes für Sicherheit und Ordnung, dürfen Waschbären geschossen werden. "Aber nach Paragraf 22, Abschnitt 4, Bundesjagdgesetz, nicht in Ortschaften", erklärt Jörg Smolinski. Eine Alternative ist das Aufstellen von Fallen.

Smolinski erwähnt auch Ursachen. "Es wäre zu hinterfragen, warum die Tiere kommen. Das tun sie, wenn sie dort Futterreste finden. Wenn man seine Tiere draußen füttert, dann nur so viel, dass möglichst nichts übrig bleibt.

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