Politisches Erdbeben: Stadt Rostock muss Finanzloch stopfen : Was kostet Nissens Abgang?

Auf wackligen Beinen: Bis im Volkstheater wieder Ruhe einkehrt, ist es noch ein langer Weg. Mit der Kündigung des Geschäftsführers sind die Probleme nicht gelöst. Georg Scharnweber
Auf wackligen Beinen: Bis im Volkstheater wieder Ruhe einkehrt, ist es noch ein langer Weg. Mit der Kündigung des Geschäftsführers sind die Probleme nicht gelöst. Georg Scharnweber

Nach dem Rausschmiss des kaufmännischen Geschäftsführers des Volkstheaters, Kay-Uwe Nissen, geht es nun um Schadensbegrenzung. Denn Nissens Vermächtnis bleibt: ein Defizit von 1,2 Millionen Euro bis zum Ende des Jahres.

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17. November 2010, 07:58 Uhr

Rostock | Personell sind die Würfel gefallen. Nach dem Rausschmiss des kaufmännischen Geschäftsführers des Volkstheaters, Kay-Uwe Nissen, geht es nun um Schadensbegrenzung. Denn Nissens Vermächtnis bleibt: ein Defizit von 1,2 Millionen Euro bis zum Ende des Jahres. Und das, wo doch die Kosten des laufenden Spielbetriebs weiter gestemmt werden müssen. Denn auch wenn das Volkstheater zurzeit eher durch seine Buchführung von sich Reden macht, Vorstellungen und Premieren finden weiter statt.

In Anbetracht der nun bekannt gewordenen miserablen Wirtschaftslage stellt sich die Frage, wie lange die städtische Bühne noch zahlungsfähig bleibt - und ob vielleicht sogar schon die Insolvenz droht.

Hier soll die Stadt einspringen. Das heißt: Über eine entsprechende Vorlage soll in der nächsten Sitzung der Bürgerschaft am 1. Dezember entschieden werden, das teilt Rathaussprecher Ulrich Kunze mit. Wenn die Bürgerschaft der Vorlage zustimmen sollte, wird es für das wirtschaftlich angeschlagene Spielhaus eine Finanzspritze geben, die es vorerst vor größerem Übel bewahren soll.

Die Führung des Volkstheaters wechselte in den vergangenen Jahrzehnten häufig. CDU-Fraktionsvorsitzender Prof. Dieter Neßelmann wünscht sich, dass nun bald Ruhe einkehrt. Das würde dem Haus gut tun, ist sich Neßelmann sicher. Die GmbH hält er trotz des Nissen-Desasters nachwievor für die richtige Lösung für das Volkstheater. "Aber man muss einen glasharten Sanierer von wirtschaftlicher Seite da reinbringen", so der CDU-Chef. Bei der Rostocker Versorgungs- und Verkehrs-Holding, die vorübergehend für das Controlling beim Theater bestimmt worden ist, sieht Neßelmann das nötige Knowhow gegeben. Eva-Maria Kröger, Fraktionsvorsitzende der Linken, sieht nach der Kündigung Nissens weiteren Diskussionsbedarf: "Das Theater insgesamt ist überholungsbedürftig." So gebe es auch inhaltliche Fragen zu überdenken. Es sei nötig abzuwägen, inwiefern zum einen der Bildungsauftrag der Spielstätte erfüllt, gleichzeitig aber auch die Besucherzahl erhöht werden kann. Nicht immer gehe beides konform. Das Finanzausgleichsgesetz des Landes orientiert sich bei der Verteilung von Zuschüssen aber allein an den harten Fakten - den Besucherzahlen.

Das Drama um den gefallenen Theater-Geschäftsführer könnte noch ein Nachspiel haben. Denn die fristlose Kündigung Nissens wurde von der Stadt durch einen "wichtigen Grund" erwirkt. Dieser muss allerdings hinreichend bewiesen werden. Sollte es Nissen gelingen, die gegen ihn ins Feld geführten Argumente zu widerlegen, könnte er gegen die Kündigung klagen. Wenn er hierbei Recht bekäme, könnte er eine Abfindung aushandeln. Als Richtwert wird hierbei von einer Entschädigung in Höhe von je einem halben Gehalt pro Beschäftigungsjahr gesprochen. Je nach Argumentation könnte die Summe aber auch höher ausfallen.

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