Was kann Schwerin sich noch leisten?

23-36221067.jpg

von
23. November 2010, 10:53 Uhr

Schwerin | Veraltete Kanalsysteme, kaputte Straßen, leerstehende Plattenbauten - in Schwerin gibt es Sanierungs- und Reparaturbedarf auf quasi unbegrenzte Zeit. Dass die Bundesregierung jetzt eines der wichtigsten Finanzinstrumente, nämlich die Städtebauförderung, auf zwei Drittel herunterfahren will, trifft die Landeshauptstadt hart. "Wir haben einen riesigen Investitionsbedarf in unsere Infrastruktur", sagt Baudezernent Dr. Wolfram Frie ders dorff. "Ich hatte sehr gehofft, dass die Kürzung nicht kommt."

Wurden 2010 bundesweit noch 535 Millionen Euro Städtebaufördermittel ausgeschüttet, soll es ab Januar 2011 nur noch 455 Millionen Euro geben. "Kann ich mir das noch leisten?, wird die zentrale Frage sein, die wir uns in den nächsten Jahren häufiger stellen müssen", erklärt Friedersdorff. Ein zentrales Problem stellten dabei die Straßen dar, von denen ein Großteil grundhaft - und damit kostenintensiv - ausgebaut werden müsste. Zurzeit sei gerade mal genug Geld für die notdürftige Ausbesserung der schlimmsten Löcher vorhanden, vor einem weiteren harten Winter graust es Autofahrer und Verwaltung gleichermaßen.

Insgesamt 143 Millionen Euro Städtebaufördermittel flossen seit 1991 nach Schwerin. Davon wurden unter anderem viele Gebäude instand gesetzt, aber auch zahlreiche Straßen, Schelfmarkt oder Pfaffenteichpromenade saniert. In den Plattenbausiedlungen wurde Rückbau ebenso wie Wohnumfeldverbesserung mitfinanziert.

Für die Jahre 2010 bis 2012 gibt es bereits einen konkreten Maßnahmekatalog - der basiert allerdings auf der Annahme, dass sich die durchschnittliche Bewilligung an Städtebaufördermitteln aus den Vorjahren nicht wesentlich verändert. Zu den Vorhaben für 2011 gehören die Umgestaltung des Marienplatzes (1,6 Millionen Euro), die Sanierung der Wittenburger Straße ( 1,5 Millionen Euro), die Erschließung der Hafenpromenade am Ziegelinnensee mit 2 Millionen Euro oder Sanierungsmaßnahmen am Berliner Platz mit immerhin einer halben Million Euro. Den gleichen Betrag soll es 2012 für den zentralen Platz in Neu Zippendorf noch einmal geben, ansonsten werden dann voraussichtlich die Sanierung der Lübecker Straße (1,2 Millionen Euro), die Folgearbeiten an der Wittenburger Straße (500 000 Euro) und die Sanierung der Apothekerstraße (800 000 Euro) zu Buche schlagen.

"Fürs nächste Jahr steht die Finanzierung unserer wichtigsten Großprojekte, wie der Umbau des Marienplatzes", betont der Dezernent. Sorgenfalten bekommt er aber, wenn er an die Zeit in drei bis fünf Jahren denkt. "Den Schlachtermarkt hatten wir auf dem Plan, die Erneuerung der Mecklenburgstraße und einiger Straßen in der Paulsstadt." Ob und wann diese saniert werden können, sei nach der Mittel-Kürzung fraglich.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen