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Lokales

18. November 2017 | 03:54 Uhr

Was geschieht am Golmer Berg?

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erstellt am 27.Okt.2010 | 07:10 Uhr

GroSS Buchholz / Perleberg | Das Landschaftsschutzgebiet (LSG) "Oser gebiet bei Perleberg einschließlich Golmer Berg" gibt es vom Ursprung her seit 1960. Die damals 180 unter Schutz gestellten Hektar wurden 1972 vom damaligen Rat des Bezirkes Schwerin auf 612 Hektar erweitert und nach der Wende so als geltendes Recht übernommen. Doch dieses LSG reicht bis in die Stadt Perleberg hinein, umfasst ganz Perleberg-Nord mit Acker-, Parchimer-, Lübzower- und Reetzer Straße. Das heißt, jeder Neubau bzw. jede wesentliche bauliche Änderung bedarf einer Ausnahmegenehmigung durch das Landesumweltamt.

Seit 2003 bemüht sich die Stadt um eine Änderung, sprich um eine Verkleinerung des LSG, 2007 beauftragte das Umweltministerium die Kreisverwaltung mit der Überarbeitung des LSG. Die untere Naturschutzbehörde gab 2008 ein Schutzwürdigkeitsgutachten für das gesamte LSG in Auftrag. Dessen Ergebnis führte zu einer Neuabgrenzung, die jetzt im Entwurf den Trägern öffentlicher Belange zur Stellungnahme vorliegt, danach auch von den Bürgern eingesehen werden kann.

Von den ehemals 612 Hektar sind nun 165,6 Hektar geblieben. Nicht mehr enthalten im LSG sind alle Wohnbau- und gewerblich genutzten Flächen, weniger wertvolle Kiefernforste und Ackerflächen östlich der Straße nach Groß Buchholz sowie auch die Abbaufläche des Golmer Berges, sprich die Kiesgrube, wie der "Prignitzer" von Bernd Lindow, zuständiger Sachbereichsleiter des Landkreises, erfuhr.

In Groß Buchholz stößt das Vorhaben derzeit nicht auf ungeteilten Zuspruch. Es geht die Sorge um, dass, sollte der jetzige Entwurf geltendes Recht werden, andere Flächen als LSG ausgewiesen würden - als Ersatzmaßnahme. Zudem, so Ortsvorsteher Reinhard Polzin, gebe es Bedenken hinsichtlich eventueller Nutzungsänderungen für die Kiesgrube, dass aus jener vielleicht mal eine Mülldeponie werden könnte. Dabei dürfte die Tatsache eine Rolle spielen, dass bei Probebohrungen im Frühjahr dieses Jahres in der Kiesgrube nicht unerhebliche Mengen von illegal vergrabenen Baumischabfällen entdeckt worden waren. Bis heute ermittelt die Staatsanwaltschaft Neuruppin in diesem Fall der Umweltkriminalität.

Perlebergs Stadtplanerin Sandra Saffran, die es nach eigenem Bekunden vorgezogen hätte, die Groß Buchholzer selbst zu informieren als über die Zeitung, verweist darauf, dass der Kiesabbau dem Bergbaurecht unterliege. Kies sei am Golmer Berg bereits zu DDR-Zeiten abgebaut worden trotz dessen Unter-Schutz-Stellung im LSG. Die heutigen Betreiber hätten das Bergbaurecht nach der Wende vom damaligen Kreisbaubetrieb erworben. Es gebe ein Raumordnungsverfahren und einen Rahmenbetriebsplan für die Groß Buchholz Kieswerk GmbH. Darin sei das Betreiben der Anlage bis 2014 festgelegt. Für die Zeit danach gebe es einen Renaturierungsplan als Bestandteil des Rahmenbetriebsplanes. Demnach soll dort, wo heute noch Kies abgebaut wird, ein See entstehen mit entsprechender Aufforstung ringsherum.

Das bestätigt auch Hans-Georg Thiem, Abteilungsleiter des brandenburgischen Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe. Sowohl eine Nutzungsänderung der Kiesgrube als auch eine Verfüllung bedürften einer entsprechenden Genehmigung, macht er deutlich. Und für eine solche lägen die Hürden sehr hoch. Thiem beruft sich dabei auf den "sehr restriktiven" Erlass zwischen Wirtschafts- und Umweltressort der Landesregierung von 2008, was die Nutzbarmachung in Form von Verfüllungen anbelangt. Und das sei völlig unabhängig davon, ob eine solche Kiesgrube im LSG liegt, oder nicht.

Erstaunt ist Thiem allerdings, dass ein LSG verkleinert wird. Das dürfte in Brandenburg wohl eher eine Ausnahme sein. Lindow verweist darauf, dass die laut Gutachten wirklich schutzwürdigen Gebiete auch weiter unter Schutz blieben. Das betreffe sowohl das Flora und Fauna Habitat-Gebiet (FFH) "Weinberge und Klüssenberge" als auch das Naturschutzgebiet Weinberg. Sie blieben ebenso Bestandteil des LSG wie die sich südlich anschließenden Flächen aufgrund ihrer kulturhistorischen Bedeutung wie Galgenberg und Perle, südlich begrenzt durch die neue Umgehungsstraße. Für den künftigen Schutz des Hagens und angrenzender wertvoller Biotope, die laut Entwurf aus dem LSG heraus fallen, werde die Perleberger Stadtverwaltung einen Grünordnungsplan als Satzung erarbeiten. Ersatz für die aus dem LSG herausgefallenen Flächen seien nicht vorgesehen, so Lindow.

Ein positives Signal für das Vorhaben gibt es vom zuständigen Revierförster Holger Schulz. Er sieht auch keine Nachteile für Waldgebiete, die laut Entwurf dann nicht mehr Bestandteil des LSG sind. "Es gibt ja das Waldgesetz, und daran muss man sich halten, auch wenn der Status LSG aufgehoben ist".

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