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Lokales

13. Dezember 2017 | 06:35 Uhr

Was die Menschen bewegt

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erstellt am 02.Mai.2010 | 08:59 Uhr

Schwerin | Als neu formiertes Tanz theater-Ensemble - da kann man schon mal die Musen um einen inspirierenden Kuss bitten. Die "Lysistrate"-Truppe, eines der beiden Theater-Ensembles des Schweriner Goethe-Gymnasiums, hat mit "Eilt herbei zu küssen uns" ihre mittlerweile 26. Eigenproduktion auf die Bühne gebracht. Am Freitag war Premiere - und der Beifall groß. Neu formiert? Ja, sagt Silke Gerhardt, Lehrerin, Erfinderin und seit rund 18 Jahren auch Leiterin des Ensembles: "Durch den letzten Abiturjahrgang haben wir viele langjährige Mitglieder verloren." So konnten die Zuschauer am Freitagabend in der Aula des Goethe-Gymnasiums den Prolog des urauf geführten Stücks auch als ein Sinnbild für den Generationswechsel im Ensemble sehen.

"Eilt herbei zu küssen uns" ist zwar, wie fast alle Lysistrate-Inszenierungen, eine Übersetzung eines traditionsreichen Stoffes aus Literatur oder Geistesgeschichte in Tanz, Sprache und Musik - aber diesmal hat das Ensemble nach einem vorgegebenen Libretto gearbeitet. "Das war ich gar nicht mehr gewohnt", sagt Silke Gerhardt, denn seit Jahren sei es üblich gewesen, dass die Gymnasiastinnen - Tänzer waren bei "Lysistrate" immer gesuchte Raritäten - ihre Inszenierungen aus den selbst zusammengesuchten Vorlagen auch selbst zusammenmontierten. "Eilt herbei zu küssen uns", die rund einstündige Auseinandersetzung mit dem mythologischen Stoff von Mnemosyne, Göttin der Erinnerung, den von ihr mit Göttervater Zeus gezeugten neun Musen und deren Mission, den Menschen die künstlerische Inspiration zu bringen, fußt dagegen auf einem Libretto von Jacob Steinberg, das der Autor dezidiert dem "Lysistrate"-Ensemble zugeeignet hat.

In elf Bildern tanzen die 23 jungen Frauen und ein junger Mann die Geschichte von Zeus (Christian Kock), der mit Erinnerungsgöttin Mnemosyne (dreigeteilt: Rosanne Berkes, Luise Kirsten und Annemarie Wilcke) die neun Musen (Leona Herbst, Esra Schreier, Stefanie Lübcke, Marleen Werner, Marina Vowinkel, Theresa Hahn, Annika Bäumer, Magdalena Thun und Christin Fuchs) zeugt und in die Welt schickt. Mission Inspiration. "Eilt herbei zu küssen uns" gelingen dabei starke Bilder, vom mit Maschinenmusik untermalten Prolog über die Szene, in der die drei Mnemosynes die neun Musen gebären, bis zum Bild "Sprache", in der die Musen die Schriftstellerei auf Trab bringen. Sie schicken weiße Bälle auf den Weg zu den Schreibblockierten, liefern sozusagen den Anstoß. Das Stück endet mit einer Videoprojektion, die diverse Horrormeldungen aus der Kulturfinanzierung über die Leinwand laufen lässt - auch die, dass in Schwerin angesichts der leeren Kassen das Staatstheater zur Diskussion steht. Im Staatstheater wird "Lysistrate" übrigens demnächst ebenfalls auftreten: Claudia Bauer setzt in ihrer Inszenierung von Brechts "Die Heilige Johanna der Schlachthöfe" auch die Goethe-Gym nasiasten ein.

Bühnenbild und Kostüme sind bei "Eilt herbei zu küssen uns" auf das Nötigste reduziert. Wenn die Musen sich unter die Menschen und Künstler (Lara Cunrady, Caroline Domann, Clara Helene Gerhardt, Charlotte Kühl, Franziska Langheinrich, Alexandra Max, Nele Rickmann, Lena Sponholz, Henriette Thorun, Patricia Walte und Kathrin Wegner) mischen, lösen sich die Gruppenszenen in einzelne Unterszenen auf - was vom Zuschauer durchaus genaues Hinsehen verlangt. Grundsätzlich aber merkt man "Eilt herbei zu küssen uns" immer an, dass "Lysistrate" sich als Ensemble sieht, nicht als Hintergrund für einzelne Stars. Den Applaus nehmen die Tänzerinnen und der Tänzer folglich auch bei jedem Vorhang nur als Gruppe entgegen. Weitere Vorstellungen gibt es am 5. Mai (19.30 Uhr), 26. Mai (18.30 Uhr) und 25. Juni (19.30 Uhr). Karten unter Telefon 01 72-9 213153.

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