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Lokales

14. Dezember 2017 | 11:22 Uhr

Warum Sarah nach Hamburg pendelt

vom

svz.de von
erstellt am 10.Jun.2011 | 05:37 Uhr

Perleberg/Hamburg | Junge Brandenburger zurück ins Land holen, das hat sich die Landespolitik als eines ihrer Ziele auf die Fahnen geschrieben. "Da wird mehr geredet, als dass etwas passiert", meint dazu Sarah Seemann. Die 23-Jährige aus Karstädt, die nach dem Abitur am Gymnasium Perleberg bei der Lufthansa-Werft in Hamburg Kauffrau für Bürokommunikation lernte, ihre Ausbildung aufgrund guter Leistungen vorfristig abschloss und vom Unternehmen übernommen wurde, weiß, wovon sie spricht.

Auch sie möchte gern zurück in die Prignitz, schrieb etliche Bewerbungen und schickte sie an mögliche Arbeitgeber der Region - ohne Erfolg. "Es gab nicht einmal die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch." An ihrer Qualifikation könne es nicht liegen, meint sie, denn sie habe über die Berufsausbildung hinaus zahlreiche Weiterbildungsseminare besucht.

Sarah vermutet, dass Töchterchen Louna, ein Jahr und drei Monate alt, mit ein Grund für das Nicht-Reagieren sein könnte, "denn junge Frauen mit Kind könnten ja durch Krankheit des Nachwuchses öfter mal fehlen. Ich habe Louna in den Bewerbungsunterlagen bewusst mit angegeben, denn ich bin stolz, dass ich eine Tochter habe", betont die junge Mutti. Nein, zu Hause sitzen wollte die junge Frau, die mit dem Vater ihres Kindes in Perleberg zusammenlebt, nach dem Babyjahr nicht. Bei ihrem Arbeitgeber in Hamburg fand sie wieder eine Anstellung. Doch ist diese Arbeit mit viel persönlichem Aufwand verbunden. "Aus der 35-Stunden- wird eine 55-bis 60-Stunden-Woche. Ich pendle täglich nach Hamburg - mit dem Auto von Perleberg nach Wittenberge, von dort mit dem IC nach Hamburg zum Hauptbahnhof und weiter mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Betrieb, das Gleiche wieder zurück", erzählt Sarah. Dieser Aufwand schlägt monatlich mit 410 Euro plus Spritkosten zu Buche. Da der Verdienst jedoch nicht schlecht sei, bleibe unterm Strich einiges übrig, was den Aufwand etwas wettmache.

Doch Geld sei nicht alles, wenn das Familienleben darunter leidet, führt Sarah den Gedanken weiter. "Ich möchte daher gern wieder zurück", betont die 23-Jährige. Sie werde sich weiter nach einer Arbeitsmöglichkeit in der Region umsehen. Was die junge Mutti unbedingt erwähnt wissen möchte: "Ohne die Unterstützung meines Freundes, der Omas und Uromas und überhaupt beider Familien wäre es nicht möglich, dass ich nach dem Babyjahr wieder zur Arbeit nach Hamburg fahren kann", macht Sarah deutlich und ist für diese Unterstützung mehr als dankbar. "Sonst wäre ich arbeitslos." So wird Töchterchen Louna täglich in die Krippe gebracht und abgeholt, da Sarah selbst bereits um 5.45 Uhr aus dem Haus geht und erst gegen 18 Uhr, manchmal auch später, wiederkommt.

Sarah Seemann ist kein Einzelfall in der Prignitz. Es gibt mehrere junge Frauen, die täglich nach Hamburg oder in andere Städte außerhalb Brandenburgs zur Arbeit fahren, weil sie in der Region keine Anstellung finden bzw. weit unter "Westlohn" bezahlt würden.


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