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Lokales

19. August 2017 | 01:52 Uhr

War Ihr Sex gut oder eher schlecht?

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Haben Sie oft Sex und wie beurteilen Sie die Qualität Ihres Sexlebens? Keine Frage aus einem Erotikforum im Internet oder einer Zeitschrift, sondern Bestandteil eines Fragebogens für Arbeitslose Prignitzer. Ein entsprechender Medienbericht löste Donnerstag im kreislichen Wirtschaftsausschuss eine Debatte aus.

Prignitz | Solche Fragen als Bestandteil des kreislichen Programms "Back to work" zur Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen werfe kein gutes Licht auf den Landkreis, sagte Bernd Polte (Linke). "Hier wurde nicht sauber gearbeitet", lautet sein Vorwurf.

Landkreis legte Programm auf Das Programm wird über das Regionalbudget des Landkreises und europäische Mittel gefördert. Ziel sei es, durch den Fragebogen zu erfassen, ob die Klienten in Maßnahmen vermittelbar seien oder nicht. Das vereinfache die Arbeit, denn wer gesundheitsbedingt nicht mehr vermittelbar sei, müsse nicht für jede Maßnahme erneut angeschrieben werden, erklärt Edelgard Schimko, zuständige Geschäftsbereichsleiterin für dieses Programm beim Landkreis.

Der Fragebogen an sich sei nicht der Kritikpunkt, untermauerten Abgeordnete, sondern einzelne Fragen, wie die nach dem Sexualleben oder nach vorhandenen psychischen Problemen. Gefragt wurden die Arbeitslosen ferner, ob sie sich eher als faul, gefällig oder fleißig einschätzen würden.

Profis führen Gesundheitsscheck durch Das Projekt läuft unter Regie der ARGE, beteiligt sind die KMG, die Ländliche Erwachsenenbildung, das BBZ und die Bildungsgesellschaft Pritzwalk. Die beiden erstgenannten Partner seien für den Gesundheitsscheck verantwortlich, haben ihrerseits die Firma European Business Centre (EBC) mit der Evaluation beauftragt.

"Somit führten Profis den Gesundheitsscheck durch", sagt Schimko. In Gesundheitseinrichtungen sei das gängige Praxis, deshalb stelle der Landkreis diesen Fragebogen fachlich nicht in Frage. "Außerdem waren das Ausfüllen des Bogens und die Antworten freiwillig, nicht alle haben sie beantwortet", so Schimko weiter. Sie weise den Medienbericht vom Donnerstag in mehreren Punkten als falsch zurück: "Es hat beispielsweise keinen Datenmissbrauch gegeben, die Bögen bleiben ausschließlich bei den Beteiligten und die wiederum sind zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Dennoch reagierte der Landkreis umgehend, nachdem sich ein Arbeitsloser schriftlich im Dezember 2008 über die Fragen beschwerte. Der Bogen wurde aus dem Verkehr gezogen, umgearbeitet, die ehemals pikanten Fragen seien jetzt nicht mehr enthalten. Zum Testbeginn im Mai 2008 habe sich der Landkreis die Fragen nicht vorlegen lassen. Dazu habe es auch keinen Grund gegeben, argumentiert Edelgard Schimko. Weder könne der Kreis noch müsse er sämtliche Details eines Programms überprüfen, wenn mehrere Partner beteiligt seien.

Fachlich hochwertige Ergebnisse liegen vor "Wir haben reagiert, um Arbeitslose nicht zu verschrecken. Unser Ziel bleibt, Menschen wieder arbeitsfähig zu machen, ihre Jobchancen zu erhöhen", sagt Edelgard Schimko. Weitere Konsequenzen seien in diesem Fall aus ihrer Sicht nicht notwendig. Sie sehe keinen Anlass, sich von der Firma EBC zu trennen und begründet dies mit einer "sehr guten Auswertung und Präsentation des Gesamtprojektes". Darauf solle aufgebaut werden. "Was uns bisher vorliegt, ist fachlich sehr hochwertig", urteilt die Mitarbeiterin der Verwaltung.

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erstellt am 04.Apr.2009 | 11:34 Uhr

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