Waldumbau vor Weihnachten

Schwere Handarbeit an der Ramme für den Dobbertiner Andreas Metz und Wolfgang Kelb aus Dabel: Zum Schutz vor Wildverbiss wird die Aufforstung vorübergehend eingezäunt.
Schwere Handarbeit an der Ramme für den Dobbertiner Andreas Metz und Wolfgang Kelb aus Dabel: Zum Schutz vor Wildverbiss wird die Aufforstung vorübergehend eingezäunt.

Bevor Frost die Bodenbearbeitung erschweren kann, bringen heimische Forstwirte möglichst vor Weihnachten Setzlinge für die Zukunft des Waldes aus. Das Forstamt Sandhof macht dabei aus einer augenblicklichen Not eine Tugend.

svz.de von
17. November 2008, 06:01 Uhr

Woosten | "Wo normalerweise gut ein Drittel unserer Kräfte eingesetzt ist, gehen wir diesmal mit Mann und Maus in die Aufforstung", hatte Forstamtsleiter Frank Zerbe jüngst angekündigt. Das bedeutet für dieses Jahr, etwa 70 000 junge Eichen auf 15 Hektar und 30 000 zweijährige Buchen auf sechs Hektar zu pflanzen. Und tatsächlich findet man in diesen Novembertagen kaum einen der 20 Mitarbeiter beim Holzeinschlag wie in anderen Jahren. Sie haben die Motorsäge gegen den Spaten eingetauscht.

Unweit des Dörfchens Woosten jedenfalls ist eine ganze "Brigade" dabei, junge Laubgehölze zu pflanzen. Die Verjüngung des Bestandes nach selektivem Holzeinschlag sei das eine, systematischer Waldumbau das andere Ziel dieser Maßnahme, erklärt Frank Zerbe und nennt gleich ein halbes Dutzend einleuchtender Argumente.

So ist die verbreitete Kiefern-Monokultur bekanntlich ziemlich anfällig für Stressfaktoren aus der Umwelt (Trockenzeiten, Stürme und Forstschädlinge), wie sie in jüngerer Zeit immer deutlicher in Erscheinung traten. Ein stabiler Laubholz-Unterbau - bevorzugt mit der heimischen Buche und der Traubeneiche - habe beispielsweise die Brandgefahr um die Hälfte reduziert. Denn belaubte Bäume hielten länger eine höhere Luftfeuchtigkeit als Nadelbäume. Außerdem begünstigt der "Schirm" aus hohen Kiefern den geraden und damit qualitativ hochwertigen Aufwuchs der Laubbäume.

Wenn im Herbst die Blätter zu Boden gefallen sind, erhöhe sich zudem der Zufluss von Niederschlägen zum Grundwasser. Außerdem mache das gefallene Laub den Waldboden nicht im entferntesten so sauer, wie die Streu von Nadeln, Rinde und Zapfen, welche nachweislich die Auswaschung von Metallen wie Eisen oder Mangan beschleunigen.

Zaun soll Jungpflanzen vor Wildverbiss schützenNeben der nachhaltigen Verbesserung von Kleinklima und Lebenssituation im Ökosystem Wald versprechen sich die Sandhofer Forstfachleute durch die Stärkung in dieser Region natürlich beheimateter Baumarten eine bessere Anpassungsfähigkeit im fortschreitenden Klimawandel. "Selbst die Ulme gibt es bei uns noch", freut sich Frank Zerbe. Trotzdem sich der Anteil der Kiefernbestände in seinem Zuständigkeitsbereich von heute 75 Prozent in 90 Jahren planmäßig auf unter ein Drittel reduzieren werde, bleibe die "Kiefer aus der Schwinzer Heide" als Holzmarke bewährter Qualität erhalten, betont der Chef über 7000 Hektar Landeswald.

Seine Mitarbeiter sind inzwischen auf schwierigem Gelände im Wooster Holz mit der augenblicklichen Waldumbaukampagne gut voran gekommen. Zwischen hohen Kiefern, die nach der jüngsten Holzernte stehen gelassen wurden, sind im beräumten Waldboden Furchen zu erkennen. Beim Nähertreten zeigen diese Reihen Laubholz-Setzlinge in einem Abstand von knapp einem Meter. Akkurate Handarbeit hier, wo am Hang der Trecker mit der Pflanzmaschine nicht zum Zuge kommt. Ein Forstwirt öffnet mit dem Spaten ein dreieckiges Pflanzloch. Da hinein schwingt sein Kollege das kaum Knie hohe Bäumchen mit der Wurzel und tritt die Erde ringsum sorgfältig fest.

Die aufgeforstete Fläche von 1,3 Hektar bekommt vorübergehend einen Zaun zum Schutz vor Wildverbiss an den Jungpflanzen. Eine "zweischneidige" Maßnahme, weiß der Forstamtsleiter, denn die Einzäunung hier erhöht den Wilddruck an anderer Stelle. Doch die Investition von 5000 Euro je Hektar sei einfach zu schade, um vom Wild verbissen zu werden. Nach spätestens fünf Jahren wird dieser Zaun aus Alu-Pfählen, stabilen Eichenpfosten und weitmaschigem Drahtnetz ohnehin hier abgebaut und an anderer Stelle erneut verwendet.

Am Fuße des Abhangs neben einem frisch gepflügten Acker deutet Zerbe auf einen zehn Meter breiten Streifen, der auf den zweiten Blick in der Tat etwas anders aussieht als die übrige Pflanzung. Hier wächst "an der offenen Flanke" künftig ein Waldrand aus Büschen wie Hartriegel und "Bäumen 2. Ordnung" wie dem Feldahorn, der maximal zehn bis 15 Meter hoch wird, um diese Lage besser vor Windangriffen zu schützen.

Forstamt erhält Bestnote für WaldumbauWie gesund eine Waldumbaufläche nach acht Jahren aussehen kann, ist übrigens gleich in der Nachbarschaft zu sehen. Das Forstamt Sandhof bekam dafür bei der jüngsten Inspektion eine glatte "1" , die Bestnote. Ein schöner Ansporn für die gegenwärtige Kampagne. Insgesamt 450 Hektar Wald hat das Forstamt Sandhof seit 1990 bereits umgebaut. Übrigens werden als Anreiz zum Waldumbau derzeit Fördermittel in Höhe von fast 70 Prozent der Kosten ausgereicht. Als Ansprechpartner zur Beratung der interessierten Waldbesitzer ist das jeweilige Forstamt zuständig.

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