Wald voller Buchstaben entdeckt

svz.de von
07. Juli 2010, 09:29 Uhr

parchim | Für ihren Wandertag hatten sich zwölf Mädchen und Jungen der Parchimer Kita "Arche" dieser Tage den schattigen Wald am Sonnenberg ausgesucht, in dem sich der Legende nach vor langer, langer Zeit auch der Räuber Vieting wohl fühlte. Doch war es nicht das sagenhafte Original der Heimatgeschichte allein, auf dessen Spuren die Knirpse wandelten. Vielmehr gab unsere Zeitung mit ihrer Zettel-Aktion den Anstoß.

So prangte deren drolliges Symbol bereits auf einem Blatt Papier, das die Gruppe unter Leitung von Jenny Krachenfels und zweier Erzieherkolleginnen vom Haltepunkt des Sonnenschein-Busses an der Ziegendorfer Chaussee weglockte. "Schlagt euch ins Gebüsch, bis ihr an einen umgefallenen Baum kommt", stand auf dem Zettel und neugierig folgten alle dem Vorschlag in die Abenteuer versprechende Natur.

Der prompt gefundene Baumstamm erwies sich als prima "Schwebebalken" zum Balancieren, was Groß und Klein mit Vergnügen ausnutzten. Hier fand sich auch ein neuer Zettel mit Wegbeschreibung zu einem Platz, der bestens geeignet war für eine Rast nach dem fröhlichen Toben.

Auf einer mitgebrachten Plane machte es sich die Gruppe zunächst mit ihrem Frühstück bequem. Dann packte Jenny Krachenfels die Zeitung mit der täglichen "Zett-Seite" für Kinder aus, die viele der zwischen 6- und 3-Jährigen schon kennen. Im Gespräch miteinander wurde schnell klar, was es mit den Bildern, Zeichnungen und Texten auf sich hat: sie teilen etwas mit, geben Informationen.

Stolz bewiesen die Kinder, welche einzelnen Buchstaben sie schon kennen und welche daraus zusammengesetzten Wörter sie schon buchstabieren können. Warum diese Zeichen aber ausgerechnet "Buchstaben" heißen? Jenny Krachenfels "zauberte" aus ihrem Rucksack eine Schachtel mit eckig geschnitzten Stäbchen hervor. Auf jedem waren zumeist in geraden Kerben verschiedene Zeichen (Runen) eingeritzt, die aussahen, als könnte man sie genau aus diesen gleich langen Stäbchen auch zusammen legen.

Bei jenen Stäbchen handelt es sich um Hölzchen von einem Baum namens Buche, wie er auch hier ringsum im Wald am Sonnenberg überall wächst: Stab aus Buche = Buchstabe! So hatten es sich die Menschen schon vor Tausenden Jahren gedacht. Keine Frage, was für einen Spaß die Arche-Kinder dabei hatten, ihre neue und einleuchtende Erkenntnis gleich auszuprobieren, zumal der zuständige Revierförster ihnen gestattet hatte, unter Aufsicht der Erwachsenen ein paar junge Zweige von den im Wald wachsenden Buchen abzusägen.


Flugs verpassten die Knirpse ihren Buchenstäben mittels kindgerechter Schnitzmesser eigene Zeichen und tauschten sich über deren gedachte Bedeutung aus. "Windstärke 7" heiße seins, stellte beispielsweise Julian klar. "Ja, Verabredung über die verwendeten Zeichen ist so wichtig, dass daraus die Schriftsprache einer Gruppe entsteht", merkte die Erzieherin dazu an und zeigte den staunenden Kindern das Runenalphabet der Kelten im Vergleich zu den bei uns heutzutage üblichen Buchstaben. Ähnlichkeiten sind nicht von der Hand zu weisen.

Um aber den Aufenthalt an einem einzigen Fleck nicht endlos auszudehnen, hatten Jenny Krachenfels und ihre Kolleginnenfür diesen Waldausflug noch eine spannende Spurensuche vorbereitet. Den entscheidenden Hinweis darauf entzifferte der sechsjährige Lukas schon selbstständig. "Hier auf dem Räuberhügel ist ein Schatz versteckt, den ihr suchen könnt", stand auf dem gefundenen Zettel. Und die beiden Jüngsten, Amalie und Sabrina, entdeckten auch gleich die Spur aus Erbsen und Sägespänen, von der sie gerade in der Sage vom Räuber Vieting und der von ihm entführten Jungfrau gehört hatten.

So gab es für die kleinen Schatzsucher kein Halten mehr, bis sie unweit von "Vietingshöhle" tatsächlich eine "Schatzkiste" mit Spielzeug und Süßigkeiten fanden. Dieser spannende Ausflug in den Wald voller Buchstaben werden die Arche-Kinder bestimmt in guter Erinnerung behalten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen