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Lokales

22. Oktober 2017 | 12:09 Uhr

Waisengärten: Wie viel Natur bleibt?

vom

svz.de von
erstellt am 13.Sep.2010 | 07:09 Uhr

Schwerin | Die Aufforderung des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) an die Schweriner Stadtvertreter, dem Masterplan für die Bebauung der Waisenhausgärten ihre Zustimmung aus Umweltschutzgründen zu versagen und stattdessen Mustergärten auf dem Gelände zu errichten (SVZ berichtete), bringt Reaktionen von verschiedenen Seiten hervor: Der Entwicklungsträger EGS/LGE betont in einem Schreiben an Stadtvertreter und Stadtverwaltung u.a., dass Biotope, Uferkanten und markante Grünflächen erhalten bleiben sollen und ein Umweltbericht angefertigt wird. Derweil positionieren sich die Bündnisgrünen erneut gegen die Bebauung der Waisenhausgärten. "Der BUND argumentiert richtig", so Fraktionsvorsitzender Manfred Strauß. "Die Waisenhausgärten als letzte grüne Großfläche im innerstädtischen Bereich sollten nicht zwangsläufig einer Wohnbebauung weichen. Wir brauchen eine an der Gesamtbevölkerung ausgerichtete Planung, die sich nicht nur an bauorientierten Vermarktungsinteressen ausrichtet."

BUND und Bündnisgrüne würden einer Bebauung des ehemaligen Polizeigeländes an der Amtstraße zustimmen, möchten sie auf den Waisenhausgärten aber nicht fortgesetzt sehen. "Die Entwicklung der Waisenhausgärten kann aus städtebaulicher Sicht nicht losgelöst von den Überlegungen für die ehemalige Polizeifläche betrachtet werden", kontert die EGS/LGE. In einem Quartier seien Abstimmungen nötig. Dass auf innerstädtischen Flächen möglichst viel gebaut würde, komme außerdem der Umwelt zugute: Reduzierung von Flächenverbrauch, Eindämmung des Individualverkehrs, Stärkung und Ausnutzung vorhandener Infrastruktur wie Kita, Schule, Sozial- und Kultureinrichtungen und weniger Zersiedelung der ländlichen Räume führt die LGE an.

Dass der Bedarf für rund 300 neue Wohneinheiten in der Schweriner City angesichts der bestehenden Baugebiete überhaupt gegeben ist, bezweifelt der BUND indes. Die LGE hält die Wohnungsmarktprognose 2020 der Landeshauptstadt und eigene Erfahrungen dagegen. "Die Nachfrage nach differenzierten Wohnungsangeboten in Schwerin ist vorhanden und könnte perspektivisch stärker werden". Urbane Quartiere mit einer vielfältigen Bewohnerstruktur seien für die Zukunft der Stadt sogar eine wesentliche Grundlage. "Für uns gehört dazu auch die Möglichkeit, einen stärkeren Zuzug neuer Bewohner in die Landeshauptstadt zu erreichen, um die Auswirkungen des demografischen Wandels abzufedern", so die LGE in ihrem Schreiben.

Auch die angeblich schwierigen Baugrundverhältnisse, die der BUND anmahnt, schrecken die Entwickler nicht. Erste Ergebnisse des Baugrundgutachtens, die auf mögliche Bodenverunreinigungen hinweisen, seien in den Planungen bereits berücksichtigt worden.

Die Bauleitplanung für das Gebiet der Waisenhausgärten liegt in der Hand der Stadt und damit auch der Kommunalpolitiker, betont die LGE. "Wir begrüßen die Initiative des BUND, da wir die Überlegungen und informellen Planungen zur Entwicklung der Waisenhausgärten mit einer intensiven Diskussion mit den Akteuren und Betroffenen verbinden. Wir laden auch künftig zum kritischen Dialog ein."

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