VS-Skandal: Arbeit vor Ort in Gefahr?

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16. November 2009, 11:02 Uhr

Bützow/Güstrow | Der Finanzskandal der Volkssolidarität (VS) könnte auch Auswirkungen auf die Arbeit der Kreisverbände Mecklenburg-Mitte und Bad Doberan/Rostock-Land haben. "Im schlimmsten Fall ist mit Schadensersatzansprüchen zu rechnen", sagt Insolvenzverwalter Herbert Hülsbergen. Zu prüfen sei, in wie weit die beiden Kreisverbände, die Mitgesellschafter der pleite gegangenen Immobilienfonds sind, "ihre Aufsichtspflicht verletzten".

Die Neue Verbraucherzen-trale fordert solche Untersuchungen. "Frage ist, welchen Anteil hatten die Kreisverbände am Finanzskandal", sagt Jürgen Fischer von der Verbraucherberatung. Notfalls müssten die Verbände sich an einer "Wiedergutmachung" beteiligen. "Gegenwärtig erleben wir, dass sich die Kreisverbände abschotten, so tun, als ob sie nichts damit zu tun hätten", so Fischer. Tatsächlich aber hätten die geprellten Anleger, meist ältere Menschen, auf den Namen der Volkssolidarität vertraut. "Die Fonds wurden den Anlegern in Räumen der Kreisverbände angeboten, von deren Mitarbeitern", sagt Jürgen Fischer. Letztlich entscheiden Gläubiger und Geprellte, ob möglicherweise auch die Kreisverbände für eine Haftung herangezogen werden.

Die Neue Verbraucherzen trale werde eine Klage nur dann empfehlen, "wenn bei den Verbänden auch was zu holen ist", sagt Jürgen Fischer. Man warte auch die noch laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ab und die Recherchen des Insolvenzverwalters.

Die Rostocker Staatsanwaltschaft fand bislang "keine Anhaltspunkte gegen Verantwortliche der Kreisverbände für eine strafrechtlich relevante Beteiligung an Straftaten", sagte Oberstaatsanwalt Peter Lückemann.

Der Verband der Volkssolidarität verwies bislang darauf, für die Machenschaften nicht verantwortlich zu sein. Der Güstrower Dr. Hartmut Hoffmann, Vorsitzender des Landesverbandes der Volkssolidarität, ist für eine "strikte Aufklärung", spricht sich aber gegen eine pauschale Vorverurteilung aus. Es sei zu prüfen, in wie weit die beiden Kreisverbände in den Skandal verwickelt waren. Hoffmann kündigt erste Untersuchungsergebnisse in diesen Tagen an.

Betroffen vom Skandal ist auch die Geschäftsstelle in Bützow. Die Gebäude an der Bleiche stehen zum Verkauf. "Es gibt Interessenten, aber noch keine konkreten Kaufangebote", sagt Insolvenzverwalter Hülsbergen.

Unterdessen laufe die Arbeit an der Basis wie gewohnt weiter, heißt es aus dem Kreisverband Mecklenburg-Mitte. "Wir spüren keine Auswirkungen, das Vertrauen in unsere eigentliche soziale Arbeit ist groß. Selbst die Listensammlung war wieder ein Erfolg", sagt Wolfgang Zeisler, Leiter der VS-Geschäftsstelle in Bützow. An der Basis brodelt es: "Wir sind sauer und traurig, dass unsere Arbeit so in Verruf gerät", sagt Rosemarie Zöl-lick, Ortsgruppenvorsitzende der VS in Jürgenshagen. Auch sie beobachtet, "dass die Menschen vor Ort unsere Arbeit schätzen".

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