Von Zerstörung und Wiederaufbau

Hat die Texte zum Buch geschrieben: CDU-Bürgerschaftsabgeordnete, Gemeindemitglied und Achivarin der Christus-Kirche Ulrike JahnelMaria Pistor
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Hat die Texte zum Buch geschrieben: CDU-Bürgerschaftsabgeordnete, Gemeindemitglied und Achivarin der Christus-Kirche Ulrike JahnelMaria Pistor

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17. Dezember 2010, 07:36 Uhr

Stadtmitte | Die katholische Gemeinde in Rostock hat eine wechselvolle Geschichte durchleben müssen. Davon berichtet jetzt das Buch "Christuskirche - Katholische Gemeinde in Rostock im Wandel der Zeit". Die Publikation wurde vom Heinrich-Theissing-Institut Schwerin und der katholischen Christusgemeinde herausgegeben. Sie spiegelt die Historie dieser Gemeinde und Kirche wieder und erzählt durch die vielen Bilder auch Stadtgeschichte.

Maßgeblich am Entstehen ist Ulrike Jahnel beteiligt. Von ihr stammen die Texte. Die Südstädterin lebt seit 1951 in Rostock und führt seit Jahren ehrenamtlich die Chronik der Christusgemeinde, sie hat Chronistin Marga Schätzle abgelöst. "Wir verfügen über ein umfangreiches Archiv mit wertvollem Material", sagt Jahnel, die bei der Bildredaktion von Rainer Walke und bei Recherchen von Petra Hinrichsen und Bodo Keipke unterstützt worden ist. Seit 1872 durften die Katholiken wieder eine eigene Gemeinde in Rostock sein. "Mehr als 30 Jahre hatten sie keine eigene Kirche, sondern mussten ihre Gottesdienste in Gastwirtschaften wie beispielsweise der Tonhalle feiern", erzählt Jahnel. Im Gemeindearchiv sind auch noch alle Pläne und Handwerksrechnungen vom Bau der Christuskirche am Schröderplatz erhalten.

Um das Geld für einen Kirchbau zusammen zu bekommen, verkaufte Pastor Wilhelm Leffers 1906 Grundstücke rund um den Schröderplatz. Im gleichen Jahr stimmten Rat und Bürgervertretung dem Kirchbau zu. Entgegen den Wünschen des Bischofs entschied sich Leffers für den Geheimen Hofbaurat Gotthilf Ludwig Möckel, einer der bekanntesten Gotikern Deutschlands. Der erste Spatenstich erfolgte am 18. Februar 1908, Grundsteinlegung am 18. Juni. Geweiht wurde die Kirche am 24. Oktober 1909.

Als im Juni 1932 eine nationalsozialistische Landesregierung an die Macht kam, sorgte dies für starke Einschnitte in der katholischen Seelsorge. Es gab einen Prozess gegen Prälat Leffers, die katholische Schule musste 1937 geschlossen werden. Bei den Bombenangriffen 1944 wurde die Christuskriche stark beschädigt, es gab acht Tote.

Die Christuskirche wurde nach dem Krieg als eines der ersten Gotteshäuser wieder aufgebaut. Die Freude war kurz. 1968 begannen Planungen für ein gigantisches Stadtzentrum. "Auch hier geriet die Christuskirche ins Visier des diktatorischen Staates", sagt Jahnel. 1968 wurde der Abriss beschlossen. "Die im Zentrum sichtbare Kirche war atheistischen Machthabern ein Dorn im Auge", sagt Jahnel. Am 12. August 1971 wurde die Christuskirche gesprengt.

Parallel zur absurden Zerstörung der historischen Kirche entstand ein Ersatzbau. Auf Druck der Berliner Ordinarienkonferenz hatten Verantwortliche 1969 den Bau im Häktweg genehmigt, der mit einem Hyparschalendach von Erich Müther versehen wurde. Am 12. Juni 1971 wurde er geweiht.

Das nun erschienene Buch gibt es in der Christusgemeinde und der Evangelischen Buchhandlung.

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