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Lokales

20. September 2017 | 02:29 Uhr

Von Pendel bis Zifferblatt alles neu

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svz.de von
erstellt am 18.Okt.2010 | 04:58 Uhr

Warlitz | Fast 70 Jahre gab sie keinen Ton mehr von sich, nun schlägt die Kirchturmuhr der Barockkirche in Warlitz wieder und zeigt den Einwohnern der Gemeinde die genaue Zeit an. Das Zifferblatt mit dem Stundenzeiger strahlt frisch vergoldet und gibt der Warlitzer Kirche in luftiger Höhe einen neuen Glanz.

In mühevoller Kleinarbeit haben sich die beiden Erfurter Restauratoren Thomas Sturm und Stephanie Stroh dieser anspruchsvollen Aufgabe angenommen. "Im Juni dieses Jahres haben wir die Uhr nach Erfurt geholt, alles eingelagert und dann das Werk restauriert. Alle Teile haben wir wieder verwendet, gereinigt, erneuert und in ihrer Funktionalität hergestellt, von den Peripheriegeräten über Glockenhammer, Gewichten bis hin zu Flaschenzügen", erläuterte Thomas Wurm, der als Restaurator vor allem in der Metallbranche tätig ist, während seine junge Kollegin den Schwerpunkt vor allem auf das Kunsthandwerk mit Farbfassungen und Malerei legt. So hat Stephanie Stroh die Vergoldung des Zifferblattes der Uhr übernommen.

Förderverein brachte Summe von 14 000 Euro zusammen

Die Kirche entstand im Jahre 1768/69 und daher stammt auch dieses technische Meisterwerk mechanischer Uhren. Dass nun nach fast sieben Jahrzehnten Zwangspause die Kirchturmuhr, die im Kriegsjahr 1943 letztmalig in Betrieb war, wieder schlägt, freut natürlich den Förderverein zum Erhalt der Barockkirche Warlitz e.V. ganz besonders. "Die Mittel zur Restaurierung der Kirchturmuhr stammen zum großen Teil aus dem Vermächtnis unserer Mitglieder", weiß Vereinsvorsizende Gisela Vogel zu berichten. Rund 14 000 Euro musste der Verein für die umfangreiche, mehrere Monate dauernde Restaurierung aufbringen.

"Von uns war sehr viel Herzblut und Engagement dabei, aber wir haben gerne dieses Auftrag übernommen", so Thomas Wurm, der darauf verwies, dass sehr viel Handarbeit zu erledigen war. So musste das Minutenrad der Uhr komplett erneuert werden, 120 Zähnchen sind neu aufgelötet und gefeilt worden. "Allein 14 Tage haben wir daran gearbeitet", sagte Thomas Wurm. Die Seilführung ist erneuert worden, alle zwei Tage muss die Uhr aufgezogen werden, früher musste man das jeden Tag erledigen. Die Kurbel war nur noch als Fragment vorhanden, auch dieses Teil ist neu angefertigt worden.

"Aber es hat unheimlich viel Spaß gemacht, die alte Substanz dieser Uhren fasziniert mich. Bemerkenswert, wie damals die alten Meister solche Kunstwerke schufen und auch alle Achtung vor den Schmieden, die alles von Hand erledigen mussten und zum Beispiel die Zahnräder aus einem Stück Eisen schlugen", schwärmt Thomas Wurm.

Er und seine Kollegin sind aber nicht zum ersten Mal hier in Warlitz, schon im Vorfeld dieses größeren Auftrages waren die beiden Restauratoren für den Förderverein aktiv und haben in der Barockkirche Warlitz ihre Spuren hinterlassen. "Wir haben bereits verschiedene Geräte für das Abendmahl restauriert, so Taufschale, Leuchter und Kelche. Und als wir vom Förderverein angesprochen wurden, ob wir nicht die Kirchturm wieder in Gang bringen können, haben wir zugesagt", so Thomas Wurm.

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