zur Navigation springen
Lokales

20. August 2017 | 06:17 Uhr

Von der Last des Kronprinzen der SPD

vom

Lübtheen | Er wird ja ganz gern gefragt, zu allen politischen Sachen, zu den kleinen Angelegenheiten, zur Ernte, zur Atompolitik - denn vorbereitet ist er immer. Vor allem kann er jederzeit mit Zahlen aufwarten, vielen Zahlen. Wieviele Millionen Fördermittel sind unter seiner Verantwortung in die Region geflossen, was hat der Landkreis bekommen, wie lief das mit der Flurneuordnung? Es sprudelt nur so aus ihm heraus, dazu immer wieder das Bekenntnis zur Heimat, seiner wichtigen Zeit in Lübtheen, sein Leben im schönsten Bundesland der Welt und im schönsten und süßesten Landkreis Deutschlands. Till Backhaus (51) ist im Wahlkampf, einstimmig gewählt von seinen Genossen. So war es erwartet worden, genauso wird erwartet, dass er seinen Wahlkreis wieder gewinnt. Es geht um den Bananen-Wahlkreis, so genannt wegen der Form der Gebiete auf der Landkarte. Hier ist der kleine Mann mit der markanten Stimme so etwas wie der Regionalfürst, der Politiker, an dem keiner vorbeikommt. Das wissen auch die anderen Parteien, nicht umsonst wird der CDU-Kreischefin Maika Friemann nachgesagt, dass sie im Landtagswahlkampf Backhaus lieber aus dem Weg gehen will und anderswo antritt, obwohl ihre Heimat Dömitz zu besagtem Bananenkreis gehört.

Till Backhaus ficht das nicht an, er will gewinnen und ist an dem Wahlabend in Lübtheen nicht ganz so locker, wie er es eigentlich sein müsste. Man nimmt ihm ab, dass er alles tun werde, um den Sieg einzufahren. Doch der dienstälteste Minister des Kabinetts ist erfahren genug, um zu wissen, dass noch nichts gewonnen ist. Und er ist über seine vielen Besuche und Kontakte bestens verdrahtet, um zu wissen, wie die Stimmung ist.

Und da macht die Landesregierung im Landkreis derzeit keine gute Figur. Sämtliche Kommunalpolitiker sind mehr als sauer, dass sie bei den Finanzen im Regen stehen gelassen werden. Das Land mache keine Schulden, zahle sogar einiges zurück und die Kleinen im Land müssten zusehen wo sie bleiben. Auch die Gebietsreform erregt die Gemüter und das nicht nur wegen der Kreisstadtfrage. Die bewegt gerade im Hagenower Bereich längst nicht alle, der Streit mit Ludwigslust vor Jahren ist unvergessen. Viel wichtiger ist die Frage, was die ganze Aktion bringt und wo bitte der Spareffekt ist. Der Neuhauser Backhaus weicht dem nicht aus, doch hier antwortet er defensiv. Formal stellt er sich hinter die Gebietsreform, doch überzeugend wirkt er auf diesem Gebiet nicht. Zumal sein Freund Rolf, gemeint ist der Landrat, der auch noch SPD-Kreisvorsitzender ist, zu den erbittertsten Gegnern dieser Reform gehört.

Deutlich kräftiger wird seine Stimme bei dem Thema Atomkraft und dem, was da seiner Meinung in Berlin völlig falsch läuft. Gorleben liege nun wirklich nur um die Ecke, da könne man nicht so tun als ginge einen die ganze Diskussion nichts an.

Spätestens bei den Themen Elbdeichen, ländliche Entwicklung, da ist er in seinem Element. Und so packt er die 100 Millionen, die in den vergangenen Jahren in die wichtige Sanierung der Elbdeiche geflossen sind, genauso auf sein Konto wie die Fördermittel, die in den ländlichen Raum geflossen sind. Beides ist nicht ganz von der Hand zu weisen, Backhaus hat sich in all seinen Jahren als Minister immer wieder ganz besonders um seinen Kreis gekümmert. So z. B. in Lassahn beim faktischen Neubau des Sportlerheimes. Als der Stadt Zarrentin die Sache aus den Fugen geriet, fand Backhaus schnell einen Fördertopf, um das Problem zu lösen. Und wurde dafür vor Ort gefeiert. Es gibt einige Lassahns im Landkreis.

Problemlöser, Vermittler, Entscheider, diese Rolle hat er gelernt in den vielen Jahren seiner Regierungsarbeit. Doch die ist mit der Draufgabe des Umweltministeriums größer geworden. In der Folge hatte der Mann, der in Schwechow seine Berufsausbildung mit Abitur absolvierte, zwangsläufig weniger Zeit für seinen Kreis. Das kann ihm nun im Wahlkampf auf die Füße fallen. Pluspunkte sammelt er ganz sicher mit seinem Bekenntnis zur Herkunft, zur Ausbildung in der DDR und zu seiner wichtigen Zeit in der Lübtheener LPG. Das nimmt ihm auch jeder ab, auch wenn es in fast keiner Rede fehlen darf. "Die Leute wollen von uns wissen, wo es in Zukunft langgeht, die Richtung", ruft er seinen Genossen zu, um sich zugleich für eine leistungsstarke, leistungswillige und rechtssichere Verwaltung auszusprechen, die man nun einmal brauche. Und er will die tausenden Pendler erreichen, die in den nahen Westen fahren. Sie würden hier benötigt, in ihrem Kreis mit der gesündesten Wirtschaft und der geringsten Arbeitslosenquote im Land. Beides stimmt genauso wie die überragende Rolle der Ernährungsindustrie. Auf die hat auch Backhaus sehr früh gesetzt und recht behalten. Nur wird ihm das, wie auch die Dynamik im Land, die Fortschritte, der Schuldenabbau viel zu wenig gewürdigt, auch von der Presse. Nun wird er davon künden im Landtagswahlkampf, der beginnt und den er persönlich gewinnen will und wohl auch muss.

zur Startseite

von
erstellt am 17.Sep.2010 | 07:26 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen