Vom weißen zum sterbenden Schwan?

Vom 'Weißen Schwan' zur verrußten Brandruine. Doris Ritzka
Vom "Weißen Schwan" zur verrußten Brandruine. Doris Ritzka

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27. April 2010, 07:42 Uhr

Perleberg | Was passiert nun mit Hoffmanns Hotel? Diese Frage stellte Klaus Herpich (Linke) im Hauptausschuss und diese Frage bewegt viele Perleberger. Auf einen kurzen Nenner gebracht: Dem historischen Kleinod droht der Abriss, ist vom Eigentümer Joachim Brunner zu erfahren. "Ich selbst würde jeden Strohhalm ergreifen", fügt er sofort an. Doch das Gutachten zweier unabhängiger Brandschutzsachverständiger sagt aus, dass es nicht mehr zu retten sei.

Ein Großbrand am 18. Januar wurde dem Gebäude Am Hohen Ende zum Verhängnis. Der Dachstuhl des Hinterhauses wurde komplett vernichtet, der darunter liegende Saal ist eine Brandruine. Das Feuer hatte sich zudem über die Dachhaut ins unter Denkmalschutz stehende Vorderhaus durchgefressen. 250 Jahre ist dieses alt und gilt als stadtbildprägendes Einzeldenkmal.

Dass der rückwärtige Anbau kaum noch zu retten ist, diese Ahnung hatte jeder schon nach dem Brand beim Anblick der Ruine. Doch die relativ unversehrte Fassade des Hotels nährte die Hoffnung, zumindest dieses Stück Kulturgut zu erhalten. "Der äußere Schein ist trügerisch", sagt Joachim Brunner. Der Lehm aus den Decken und Wänden ist herausgebröselt. "Der Lehm hat das Wasser aufgesaugt, der Frost hat dann alles gesprengt", versucht er die Situation im Innern zu schildern. Das Haus könne nur noch bis zum ersten Stock mit Helm und in Gummistiefeln betreten werden. Danach wird es gefährlich. "Alles kann auseinander brechen." Was das Feuer nicht vernichtete, das schafften Löschwasser und Wetter. Frost und bis zu 40 Zentimeter Schnee auf dem Dachboden haben ihre Spuren hinterlassen. "Alles mit einer Plane abzudecken, war nicht zu bewerkstelligen." Inzwischen hat Schimmel Gebälk und Gemäuer befallen. "Ich habe bei der Denkmalbehörde den Abriss beantragt."

1992 hatte Joachim Brunner begonnen, Hoffmanns Hotel schrittweise zu sanieren. Seit 1982 ist dieses Anwesen, das auch als "Weißer Schwan" bekannt ist, als Denkmal gelistet. Allerdings war es zu DDR-Zeiten unüblich, ein Wertgutachten zu erstellen. "Das Haus zählt aber mit seiner hohen Geschossigkeit zu den repräsentativ angelegten Fachwerkhäusern", lässt Ortrud Effenberger von der unteren Denkmalbehörde keinen Zweifel an der stadtbildprägenden Funktion des Hauses Am Hohen Ende 25. Das Mandaladach, die Fledermausgaube stehen für die Barockzeit. Guts- und Herrenhäuser wurden in diesem Stil erbaut. Der Seitenflügel des Hauses, der besonders durch das Feuer in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist wichtiger Bestandteil der Gasse.

An der Denkmalbehörde liegt es jetzt, über das Schicksal des historischen Kleinods zu entscheiden. "Wenn es rekonstruiert werden soll, muss ich klar sagen, das kann ich nicht. Denn für 100 000 Euro ist das nicht möglich", so der Eigentümer. Das Geld der Versicherung reiche bei weitem nicht für Abriss und Reko.

Über die Pressestelle des Landkreises war zu erfahren, dass an einer praktikablen Lösung gearbeitet werde. Voraussichtlich Anfang Mai solle es einen Vor-Ort-Termin geben.

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