Vom Rohbau bis zum Eistanker

Im Beisein von Repräsentanten des russischen Auftraggebers, Norilsk Nickel erfolgte am 1. Juli 2010 der Brennschnitt der erste Stahlplatte für den künftigen, eisbrechenden Tanker.
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Im Beisein von Repräsentanten des russischen Auftraggebers, Norilsk Nickel erfolgte am 1. Juli 2010 der Brennschnitt der erste Stahlplatte für den künftigen, eisbrechenden Tanker.

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16. Februar 2011, 07:48 Uhr

Wismar | Etwa 100 Meter lang ist bereits der Rohbau des künftigen Tankers für den arktischen Einsatz. Ab Ende März erfolgt der Innenausbau im Dock von Nordic Yards in Wismar.

Grelles, aufblitzendes Schweißerlicht, sprühende Funken beim Schleifen und hämmernde Geräusche bestimmen weiterhin das Geschehen in der riesigen Schiffbauhalle bei Nordic Yards in Wismar. Von den 170 Metern Gesamtlänge des künftigen eisbrechenden Tankers mit der Bezeichnung "Nordic AT 19" liegen bereits gut 100 Meter als Rohbauschiffskörper auf den Pallungen, den Lagerböcken aus Beton. Der Laie kann es allenfalls schätzen, doch Fertigungsleiter Erwin Schröder weiß es genau. So sind im Vorschiffsbereich noch 40 laufende Meter an Sektionsteilen zu verbauen, am Heck fehlen etwa 30 Meter bis zur Fertigstellung. "Wir sind gut im Zeitlimit, damit kann Ende März die letzte Großsektion am Heck verschweißt werden", zeigt sich der gestandene Schiffbaufachmann aus Wismar zuversichtlich. Schwerpunkt sei dann die Montage der so genannten Azipod-Sektion. Damit befindet sich der komplette Elektroantrieb mit Schiffsschraube unter dem Rumpf. Die Energie dazu liefern Generatoren aus dem Schiffsinneren. Der Vorteil: Der Kompaktantrieb ist um 360 Grad drehbar und macht das Schiff nicht nur sehr manövrierfähig; vor allem liegt der Propeller wegen der Fahrt durch das bis zu 1,5 Meter dicke Eis tief genug unter Wasser. Ein Querstrahlruder in der Bugsektion unterstützt zusätzlich die sehr guten Manövriereigenschaften. Das vorgefertigte Deckshaus mit Kommandobrücke und dem Wohnbereich der Besatzung steht bereit, um es vom bis zu 1000 Tonnen tragenden Bockkran aufsetzten zu lassen. "Reine Stahlbauarbeiten erfolgen bis Ende März, dann beginnt mit dem Innenausbau die übliche heiße Phase", erklärt Schröder weiter. Das bedeute auch, dass der Materiallagerplatz der Werft diesmal um etwa 8 000 Tonnen hochwertigen Schiffbau stahls beräumt wurde.

Etwa 300 Schiffbauer arbeiten derzeit an dem Objekt im Baudock. Der Auftakt für den Neubautyp "Nordic AT 19" mit einer Tragfähigkeit von fast 19 000 Tonnen und einem Ladetankvolumen von 20 650 Kubikmeter begann völlig unspektakulär im Sommer vorigen Jahres. So erfolgte am 1. Juli 2010 der Brennschnitt der ersten Stahlplatte. Genau fünf Monate später stand die erste Großsektion zur Kiellegung im Baudock. Dem pünktlichen Ablieferungstermin im September an den Auftraggeber, den russischen Bergbaukonzern Norilsk Nickel, sieht Schröder optimistisch entgegen. "Hält dieser Optimismus mit Blick auf das derzeit noch etwas dünne Auftragsbuch auch weiter an", so die Frage an den Fachmann. Dazu Schröder: "Wir sehen uns nach wie vor als eine besonders profilierte Werft, besitzen Spezialisten auf allen Gebieten, verfügen über hochqualifizierte Mitarbeiter und zukunftsorientierte Baumethodiken." Deshalb konzentriere sich das Unternehmen mit absoluter Priorität auf Vertrieb und Akquisition neuer Aufträge. Dabei handle es sich um Offshore-Einheiten und Transformerplattformen. In Verhandlung sind weiterhin eisbrechende Schiffe und Jack up Vessels. Es sind Spezialschiffe, die sich mit ausfahrbaren Füßen auf dem Meeresgrund abstützen. Sie unterstützen zum Beispiel den Bau von Windkraftanlagen auf See. Nach seinem Kenntnisstand werde derzeit intensiv an verschiedenen Aufträgen gearbeitet. Doch wer die Praxis kennt, so Schröder, wisse auch, dass zwischen der Projektierung und dem eigentlichen Baustart ein Mindestvorlauf an Zeit benötigt wird. Deshalb besteht auch weiterhin Bedarf an qualifizierten Fachleuten insbesondere im Bereich der Konstruktion. Außerdem erhält der schiffbauliche Nachwuchs wieder an beiden Werftstandorten eine Ausbildungschance. Gesucht werden künftige Konstruktionsmechaniker, (Ausbildungszeit 3 1/2 Jahre) Teilezurichter (2 Jahre) und Anlagenmechaniker (3 1/2 Jahre) an den Standorten Wismar und Warnemünde.

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