Vom Flugverbot voll erwischt

Sowohl vom Schloss als auch von der Stadtkirche in Ludwigslust  waren die  Amerikaner    gestern enorm begeistert. Simone Herbst
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Sowohl vom Schloss als auch von der Stadtkirche in Ludwigslust waren die Amerikaner gestern enorm begeistert. Simone Herbst

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21. April 2010, 06:55 Uhr

Ludwigslust | "Mr. Pöschke, thank you for the day. This church, this castle, it was wonderful!" ("Herr Pöschke, Danke für den schönen Tag. Die Kirche, das Schloss, es war wundervoll!") Terry Fara strahlt. Und Christopher Pöschke tut es auch. Das spontane Lob in amerikanischem Englisch hört der Leiter der Rechtsaufsicht bei der Kreisverwaltung gern. Terry ist eine Lehrerin, die jene Gruppe von Austauschschülern aus dem amerikanischen Partnerkreis Gratiot County begleitet, die gerade zu Gast im Landkreis sind. Eigentlich waren. Denn, wäre da nicht Vulkan "Eyjafjallajökull" auf Island, der seit Donnerstag rumort und Asche gen Himmel spuckt, wären die 45 Schüler und Lehrer am Montag in Hamburg in den Flieger gestiegen und längst wieder zuhause.

Noch aber sind sie alle hier - sitzen seit drei Tagen fest. "Wir sind vom Flugverbot voll erwischt worden", sagt Pöschke, der Ähnliches in den zehn Jahren der Partnerschaft zwischen dem Landkreis Ludwigslust und Gratiot County, in denen mehr als 1500 amerikanischen Schüler den Landkreis besuchten und ähnlich viele deutsche Schüler nach Amerika reisten, noch nicht erlebt hat. "Bei den gegenseitigen Besuchen ist ja immer vieles spontan. Aber alles, was mit An- und Abreise zu tun hat, ist lange vorher klar und im Detail durchorganisiert", sagt er. Und er muss das wissen, denn für den Landkreis hält er die organisatorischen Fäden in der Hand.

Als nun unerwartet "Eyjafjallajökull" die Reiseplanung übernahm und vor den Heimflug ein Riesenfragezeichen setzte, machten die Organisatoren - beim Landkreis, bei den Schulen und in den Familien - das einzig Richtige, sie machten das Beste aus der Situation: Auf die Schnelle organisiert fuhren die Amerikaner am Montag nach Wismar, machten gestern Sightseeing in Ludwigslust und Redefin und auch in den nächsten Tagen wird noch manch As aus dem Ärmel gezogen. So wie bei Trent Mikek schon geschehen. Den hatte seine Boizenburger Gastfamilie am Sonnabend mit nach Hamburg zum Spiel des HSV gegen Mainz mitgenommen. "It was very, very cool" ("Es war ganz ganz toll", schwärmt der 17-Jährige von der super Stimmung im Stadion, von den Menschenmassen und den Emotionen beim Spiel. Dass es verloren ging, war freilich Nebensache. "Von mir aus hätten wir noch ein paar Tage länger hier festsitzen können", sagt auch Alicia, die ebenfalls bei einer Schülerfamilie in Boizenburg untergebracht war. "Wir haben hier so viel Spaß, wir unternehmen vieles als Gruppe, mit den deutschen Schülern und auch mit den Gastfamilien. Es ist einfach toll, wie sehr man sich hier um uns kümmert."

Wie Alicia und Trent denken viele der Gäste. Aber doch nicht alle. Manchen zieht es heim. Wegen des mexikanischen Essens, das es hier nun mal nicht gab, wegen Heimweh oder weil ganz wichtige Termine drückten. Wie bei Lehrerin Pam Steere, deren zweitälteste Tochter Mollie am kommenden Sonnabend Abschluss an der "St. Louis Highschool" feiert. "I want home, I must home", ("Ich will nach Hause, ich muss nach Hause") sagt sie.

Und so, wie es momentan aussieht, wird sie die Feier ihrer Tochter wohl nicht verpassen. Als das bereits gelockerte Flugverbot am Dienstagabend für deutsche Flughäfen aufgehoben wurden, hatte sich die amerikanische Seite sofort um Flugtickets für ihre fest sitzenden Schüler bemüht. Nicht als Gruppe, sondern verteilt auf fünf Flüge - allesamt ab Hamburg, über Amsterdam nach Detroit - "werden unsere amerikanischen Freunde in den nächsten drei Tagen nach Amerika zurück fliegen", sagt Pöschke, angesichts der doch ziemlich schwierigen Situation froh, das Problem so schnell gelöst zu haben. Das allerdings war gestern Vormittag. Schon am Nachmittag teilte das involvierte Reiseunternehmen mit, dass es mit den neun Tickets für den ersten Flug, der heute früh, 7 Uhr, ab Hamburg starten sollte, Probleme gebe. "Wir sind da dran", sagt der Jurist, dankbar, dass alle beteiligten Gastfamilien und Schulen diesen Austausch toll unterstützt und auch den zusätzlichen Aufwand mitgetragen haben . Und er ist optimistisch: "Ich gehe wirklich fest davon aus, dass bis Ende der Woche alle unsere Gäste wieder bei ihren Familien sein werden."

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