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Lokales

22. November 2017 | 17:42 Uhr

Vollwert-Verpflegung an Kita Pflicht

vom

svz.de von
erstellt am 27.Okt.2010 | 07:10 Uhr

passow | Ab dem 1. Januar 2011 müssen Kindertageseinrichtungen den sie besuchenden Mädchen und Jungen bis zum Schuleintritt eine "vollwertige und gesunde Verpflegung anbieten", die aus Frühstück, Mittagessen und Vesper besteht. Das entsprechende Landesgesetz schreibt weiter vor, dass sich die Angebote "an den geltenden Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung" (DGE) orientieren sollen. Das Jugend-, Schulverwaltungs- und Kulturamt des Landkreises hat kürzlich auch das Amt Eldenburg Lübz darüber informiert und bittet darum, ihm bis zum 5. November eine Preiskalkulation über die Verpflegungskosten in seinem Bereich zukommen zu lassen. "Das ist schon deshalb eine schwierige Aufgabe, weil die Voraussetzungen in jeder Einrichtung völlig anders sind. In größeren Häusern wie etwa "Pfiffikus" in Lübz sind sie ungleich besser als in kleineren auf dem Dorf. Die Größeren haben zum Beispiel eine eigene Küche und ihnen stehen oft nahe gelegene Einkaufsmöglichkeiten zur Verfügung", sagt Thomas Rosenfeldt, Leiter des für genannten Bereich zuständigen Bürgeramtes. "Wenn ich in einer kleinen Gemeinde künftig zum Beispiel die technische Kraft einbinden muss, um den Einkauf von Lebensmitteln abzusichern, bedeutet dies höhere Personalkosten." Momentan arbeite man daran, in Absprache mit jeder Kita Ideen zu finden, wie man die neue Vorschrift am besten umsetzen könnte.

Die im Schreiben des Landkreises erwähnten Standards der DGE hat das Amt selbst angefordert, weil niemand sie mitgeteilt hat. Rosenfeldt habe sich vor allem vom Land mehr Hilfe erhofft und bemerkt kritisch: "Da werden Gesetze verschossen, jeder strickt sich etwas zusammen, aber die Hilfe zur Umsetzung fehlt. Nur mit Unterstützung erziele ich allerdings ein gleichartiges Handeln." Im Amt Eldenburg Lübz sind insgesamt zehn Einrichtungen - jeweils zur Hälfte in Gemeinde- beziehungsweise freier Trägerschaft - von dem neuen Gesetz betroffen. Bereits seit längerem umgesetzt ist die Vollverpflegung in Broock.

Auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung in Passow hatte Doris Eichholz, seit 36 Jahren Leiterin der örtlichen Kindertagesstätte, die Neuerung angeschnitten. Sie bestätigt die Argumente Rosenfeldts: "Wir hätten zum Beispiel Schwierigkeiten mit dem Einkauf und der Abrechnung. Sagen muss man allerdings auch, dass die Eltern unserer Kinder durchweg schon von sich aus viel für eine gesunde Ernährung tun. Die Versorgung mit Obst und Gemüse gehört für sie seit langem zur Tagesordnung." Das Mittagessen wird bereits nach Passow geliefert - eine auch in anderen Orten übliche Praxis. Unabhängig davon, dass die Eltern ihren Mädchen und Jungen momentan noch das Frühstück mitgeben, müsse eine Kita künftig Frühstück und Nachmittags-Vesper vorhalten. "Wir haben zum Beispiel überlegt, unseren Kleinbus zum Einkaufen zu benutzen, aber der Aufwand wäre zu hoch", sagt Doris Eichholz.

Bei einer Zusammenkunft mit dem Kreisjugendamt vor etwa zwei Wochen erfuhren die Passower, auf was sie sich einstellen müssen. Die Leiterin: "Zum neuen Schuljahr stand es auf einmal sehr schnell fest. Grundsätzlich verstehe ich den Beweggrund für das neue Gesetz, allen Kindern eine gesunde Verpflegung zu ermöglichen, weil sie gerade in größeren Städten nicht immer gegeben ist. Für uns wäre es nicht notwendig gewesen, weil hier das Zuhause stimmt. Unser Wunsch wäre gewesen, vor dem Erlass Unterschiede zu machen, bei jedem nachzufragen. Jetzt werden wir mit dem Amt darüber beraten, wie wir die Aufgabe lösen können." Ein Essen ausliefernder Service etwa sei nicht nur teuer, sondern fahre vielleicht bei 50 oder 60 Kindern, nicht jedoch bei 19 in Kita und Krippe wie momentan in Passow, wo den Hort weitere 33 Mädchen und Jungen besuchen. Bürgermeister Frank Busch bestätigte auf Nachfrage, dass auch er sich Gedanken zu dem Thema gemacht habe und zuversichtlich sei, was die praktische Umsetzung angehe.

Auf einer Anfang dieser Woche stattgefundenen Versammlung haben sich alle Eltern mit der neuen Linie einverstanden erklärt, so Doris Eichholz. Ihre Einrichtung war schon länger der Zeit voraus, ohne es zu wissen: Bereits 2009 hatte sie eine kleine Theke gekauft, auf der regelmäßig zusammen mit den Kindern zubereitetes Obst und Gemüse angeboten werden.

Gestern gab es eine freudige Überraschung für die Passower Kita: Olaf Lorenz, Mitarbeiter des SPD-Landtagsabgeordneten Rudolf Borchert, überbrachte die Einladung, das für Kinder ab fünf Jahren geeignete Stück "Ritter Kamenbert" im Parchimer Theater zu besuchen. Zehn Mädchen und Jungen werden dabei sein. Der Mitarbeiter zu den Gründen, warum Passow mit zu den Auserwählten gehört: "Wir waren im September auch hier zu Besuch und begeistert vom Engagement der Mitarbeiter. Es reicht oft bis an die Grenze des Machbaren."

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