Volkszählung 2011: Wie viele sind wir wirklich?

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02. März 2010, 08:15 Uhr

Bützow/Güstrow | Statistiker machen in unserer Region und in ganz Deutschland Jagd auf Karteileichen. 2011 findet nach 30 Jahren erstmals wieder eine Volkszählung statt. Experten rechnen damit, dass es weniger Deutsche gibt als bislang angenommen. Das könnte viele Kommunen Geld kosten. Fachleute erwarten, dass die offizielle Zahl von 82,2 Millionen Menschen in Deutschland um etwa 1,3 Millionen nach unten korrigiert werden muss. Das wären fast so viele Bürger wie Mecklenburg-Vorpommern Einwohner hat, zurzeit rund 1,6 Millionen.

Das Statistische Landesamt bereitet gegenwärtig den so genannten Zensus 2011 für ganz Mecklenburg-Vorpommern vor. "Neue Zahlen sind dringend notwendig", sagt Dezernent Reinhard Jonas. Die Fehlerquote in den statistischen Datenbanken sei inzwischen hoch. Die Daten beruhen auf Fortschreibungen der letzten Volkszählungen, die in der DDR 1981, in der Bundesrepublik 1987 stattfanden. "Inzwischen hatten wir die Wende, da ging es drunter und drüber. Das Meldeverhalten der Bürger ist nicht mehr so exakt", sagt Reinhard Jonas. Auch Fehler bei der Erfassung in den Meldeämtern schließen die Statistiker nicht aus, so dass die Daten heute nicht mehr aktuell seien. Schon jetzt unterscheiden sich die Zahlen des statistischen Landesamtes von denen der Meldebehörden vor Ort zum Teil erheblich.

Beide pflegen unterschiedliche Datensätze, vermutlich beide mit Fehlern. Das Amt Bützow-Land zum Beispiel führte im vergangenen Jahr 80 Einwohner weniger in seiner Kartei als das Statistische Landesamt. "Wir können uns diese Unterschiede auch nicht erklären", sagt Bützows Stadtrat Egon Kleinow. Aber auch nach der Volkszählung bleibe es laut statistischem Landesamt in den Melderegistern der Kommunen bei falschen Zahlen. "Denn wir dürfen unsere Datensätze und die Ergebnisse der Volkszählung nicht an die Kommunen weitergeben", sagt Reinhard Jonas und begründet dies mit dem Datenschutz. Statistisches Landesamt und Kommunen führen auch weiterhin unterschiedliche Listen. Die Statistiker bedienen sich aber der Zahlen in den Meldeämtern, vor allem der Zu- und Abgänge. Mit diesen Zahlen bereinigen sie regelmäßig ihre eigenen Datensätze.

Amtlich sind ausschließlich die Zahlen des Statistischen Landesamtes, die auch für die Berechnung des Finanzausgleiches herangezogen werden. Je mehr Menschen eine Stadt oder Gemeinde aufzubieten hat, desto mehr Geld erhält sie.

Auch für Mecklenburg-Vorpommern rechnen die Mitarbeiter des Statistischen Landesamtes nach der Generalinventur 2011 mit nach unten korrigierten Einwohnerzahlen, insbesondere in größeren Städten, weniger im ländlichen Raum. "Dort, wo es viele Menschen und große Wanderungsbewegungen gibt, insbesondere in Studentenstädten", sagt Urte Helms.

Der Zensus 2011 ist erstmals keine Volkszählung mehr im klassischen Sinne. "Es wird nicht mehr von Haus zu Haus gelaufen wie beim letzten Mal", sagt Reinhard Jonas. Die Statistiker bedienen sich stattdessen vorhandener Verwaltungsregister, u.a. der Melde- und Arbeitsämter. Bei einem kleinen Teil von Einwohnern - neun Prozent - werden weitere persönliche Daten zu Bildung, Erwerbstätigkeit etc. erfasst. "Dazu wird in jedem Landkreis mindestens eine Erhebungsstelle gebildet. Wir suchen noch Menschen, die als Erhebungsbeauftragte tätig werden", sagt Jonas. Im Landkreis Güstrow müssen diese Befragungen immerhin bei rund 9000 Menschen durchgeführt werden. Die Erhebungsbeauftragten kommen ins Haus. Wer für diese Stichproben ausgewählt wird, sei zur Auskunft per Gesetz verpflichtet.

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