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Lokales

24. September 2017 | 10:47 Uhr

Volkstheater: Gehälter sollen sinken

vom

svz.de von
erstellt am 14.Mär.2011 | 07:59 Uhr

Rostock | Das Volkstheater will aus den roten Zahlen. Um sich wirtschaftlich zu sanieren, will die Theater GmbH nun offenbar einen Haustarifvertrag aushandeln - mit dem erklärten Ziel, die Personalkosten zu senken. Das geht aus dem Wirtschaftsplan für 2010/2011 hervor, den die GmbH unter Leitung von Intendant Peter Leonard nun vorgelegt hat. Darin heißt es: "Gerade vor dem Hintergrund sich verschlechternder Finanzierungsbedingungen durch weiter drohende Zuschussreduzierungen sowohl des Landes als auch seitens der Stadt spielen die Personalkosten eine wesentliche Rolle." Denn das Volkstheater erwartet auch in laufenden Geschäftsjahr ein Minus von 371 000 Euro - und das trotz des monetären Rettungsschirms, den die Stadt dem Haus bereits Ende 2010 zugestanden hatte. Damals flossen etwa 1,2 Millionen Euro, um die Liquidität des Volkstheaters zu bewahren. "Wir spüren schon jetzt einen Besucherrückgang", so Leonard. Die Schließung des Großen Hauses werde sich auch weiter auf die Bilanz des Theaters auswirken: "Ich glaube kaum, dass wir das Ergebnis nach oben hin korrigieren werden können."

"Nur ein Mittel zur Überbrückung akuter Notlagen"

In Zukunft will und muss das Volkstheater aus eigener Kraft, wenn auch mit Zuschüssen von Land und Stadt, überleben. Dazu sieht der Wirtschaftsplan mehrere Strategien vor, die parallel zueinander gefahren werden sollen: Erstens sollen die Eigeneinnahmen aus den Ticketverkäufen gesteigert werden. Über die Anzahl der Besucher werden auch die Landeszuweisungen aus dem Finanzausgleichsgesetz (FAG) gesteuert. Mehr Zuschauer bedeutet mehr Geld. Außerdem will die Theater GmbH weitere Einnahmequellen auftun. So ist im Wirtschaftsplan des Hauses unter anderem von der Gewinnung von Sponsoren die Rede.

Darüber hinaus soll die Höhe der Personalkosten reduziert werden. Deshalb soll für die Spielzeit 2012/2013 ein Haustarifvertrag abgeschlossen werden. Eine Reduzierung der Löhne ist ab diesem Zeitraum geplant. Das Volkstheater hat rund 300 Mitarbeiter im künstlerischen, technischen und administrativen Bereich. Von einem möglichen Haustarif sollen laut Intendant Leonard alle Mitarbeiter betroffen sein. Derzeit sind diese zu verschiedenen Bedingungen angestellt. So gibt es Mitarbeiter mit Normalvertrag Bühne (NV Bühne), mit Tarifvertrag für Künstler in Kulturorchestern A (TVK A), Angestellte mit Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) sowie Sonderverträge für den Intendanten, den Geschäftsführer und den Generalmusikdirektor.

Noch wirkt die Sperre, die die Mitarbeiter des Volkstheaters nach der Überleitung in die GmbH vor Kündigungen schützt. Doch diese endet am 31. Juli 2012. Dann soll verhandelt werden. Martin Majewski von der Deutschen Orchestervereinigung verwundert es, dass ein Haustarifvertrag gerade jetzt zur Sprache kommt. An anderen Bühnen vor allem im Osten Deutschlands sei es schon häufiger vorgekommen, dass zeitweise Haustarife abgeschlossen werden. So geschehen unter anderem am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin. "Grundsätzlich kann das nur ein Mittel zur Überbrückung akuter Notlagen sein", sagt Majewski. Eine solche zeitweise Beschneidung der Löhne habe dann aber auch mit einem Kündigungsschutz einherzugehen.

"Bei gedeckelten Zuschüssen und steigenden Tarifen gibt es über kurz oder lang ein Rechenproblem, wenn man sein Angebot erhalten will", sagt Joachim Benclowitz, Geschäftsführer des Landesverbands Nord des Deutschen Bühnenvereins. Der Haustarifvertrag sei ein Mittel, um die Entwicklungen in der Fläche zu mindern. Voraussetzung ist dabei, dass Gewerkschaft mitgeht. Ein Haustarifvertrag steht in der Regel als Alternative zum Personalabbau im Raum. "Er löst aber nicht das strukturelle Problem", so der Jurist. Daher sei es notwendig, Perspektiven zu schaffen.

Der Wirtschaftsplan der Volkstheater GmbH, deren einzige Gesellschafterin die Hansestadt ist, wird nun der Bürgerschaft vorgelegt. Nach Beratungen im Finanz- und Hauptausschuss soll die Bürgerschaft voraussichtlich am 13. April ihre Zustimmung zur Bilanz - und damit zu den Verhandlungen über einen Haustarif im Volkstheater - geben. Von den etwa 18,3 Millionen Euro Ausgaben, die das Volkstheater in seiner Bilanz verzeichnet hat, entfallen etwa 14,6 Millionen auf die Personalkosten. Für ein Repertoiretheater wie das Rostocker ist das laut Deutschem Bühnenverin übrigens Standard.

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