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Lokales

20. Oktober 2017 | 17:57 Uhr

Volksseele kocht im Wariner Vorgarten

vom

svz.de von
erstellt am 02.Sep.2010 | 07:17 Uhr

Warin | Die Volksseele kocht in der Ernst-Lübbert-Straße in Warin. Die Anlieger erhalten derzeit nicht nur eine neue Straße, an der sie sich finanziell beteiligen. Zusätzlich sollen Anwohner auch noch für Grundstücke vor den Häusern zahlen. Bürger beklagten sich gestern Morgen am Rande einer Bauberatung in Warin gegenüber SVZ über einen kompromisslosen Kurs der Stadt.

Bevor Norbert Sudrau in den 1990er-Jahren sein Eigenheim errichtete, ging es an dem Bauplatz ab der Straße drei bis vier Meter steil bergab, berichtete er. Er ließ Unmengen von Boden aufschütten. Auf dieser mühsam entstandenen Parzelle vor seinem Haus ist jetzt ein schmucker Vorgarten. Jetzt soll er das Grundstück, wo sein Boden liegt, von der Stadt kaufen, ärgert sich der Wariner. Oder er muss den Zaun abbauen und alles im Vorgarten zurückbauen. Kaufen wird er nicht, das könne er nicht bezahlen, so der Wariner.

Während bei Sudrau die gerade neu ausgebaute Straße knapp am Vorgarten vorbei führt, mussten Nachbarn bereits Zäune und Hecken abnehmen. Das berichteten Jörg Epperlein und Dieter Beilfuß. 20,80 Euro pro Quadratmeter verlangt die Stadt für den Vorgarten, so Epperlein. Dazu kommen weitere Kosten sowohl für die Vermessung als auch für Gerichts- und Notarkosten. Die Bürger sollen sich kurzfristig entscheiden, werden zum Kaufen gedrängt, weil die Stadt Geld einnehmen will, sagt Epperlein. Doch kaufen wollen weder er noch sein Nachbar Beilfuß. Durch den Kurs der Stadt werde, wenn die Bauarbeiter abziehen, ein Chaos hinterlassen, sagt Jörg Epperlein.

Er und und sein Nachbar Dieter Beilfuß sehen zudem Unzulänglichkeiten bei der Planung der neuen Straße, die jetzt etwas höher liegt. Der Weg zu seinem Hof ist jetzt steiler, so Beilfuß. Er werde älter und es falle ihm immer schwerer, die Mülltonne nach oben zu ziehen. Die Konstruktion der Auffahrt sei so erfolgt, um zu verhindern, dass Autos aufliegen, wenn sie auf das Grundstück fahren, erfuhr SVZ von einem Fachmann. Aus dem Bauamt in Neukloster hieß es, die Planung sei hervorragend und wäre den Bürgern auch bei einer Anwohnerversammlung Ende Februar vorgestellt worden. Es habe keine Einsprüche gegeben.

Er wusste nicht, wie seine Ausfahrt aussieht, versicherte Beilfuß. Epperlein verwies darauf, dass man sich im Februar geeinigt habe, noch eine zweite Einwohnerversammlung durchzuführen. So stehe es auch im Protokoll. Diese Versammlung habe es aber vor Beginn der Bauarbeiten nicht gegeben. Aus dem Bauamt in Neukloster hieß es dazu, dass nur noch die Entscheidung offen war, ob das jetzt verwendete oder ein teueres Pflaster eingesetzt wird.

Als Verantwortliche für das ganze Dilemma in der Lübbert-Straße sieht Anwohner Jörg Epperlein die kompromisslose Haltung von Bürgermeister Michael Ankermann. Das Stadtoberhaupt verweist darauf, dass die Anlieger die Straße seit Jahren haben wollten. Und wenn die Stadt baut, müsse sie sich auch um die andere Sache kümmern.

Dadurch dass die Anlieger fremde städtische Grundstücke in Besitz genommen haben, hätten sie deutlich gemacht, dass sie diese Grundstücke haben wollen, so Ankermann. Es müsse aber niemand die Grundstücke kaufen. Wenn sie nicht erworben werden, bleiben sie in öffentlicher Hand, werden mit Mutterboden aufgefüllt und es wird Rasen gesät, sagt Ankermann.

Verschenken dürfe die Stadt die Grundstücke aber nicht. Sie muss sich an die Preise halten, die vom Gutachterausschuss kommen. "Wir können und dürfen nicht davon abweichen", so Ankermann. Geld sparen könnten die Anlieger aber möglicherweise dadurch, wenn sie sich selbst zusammenschließen und ein Vermessungsbüro beauftragen. Sie können mit dem Vermesser über den Preis sprechen. Die Stadt dürfe das nicht.

Eins ärgert die Anlieger aus der Ernst-Lübbert-Straße besonders. Auch wenn sie die Grundstücke vor ihrem Haus nicht kaufen, ihre Vorgärten platt machen und die Stadt Rasen ansät, müssen sie das Areal weiter pflegen. So ist es in der städtischen Straßenreinigungssatzung geregelt.

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