Vier Jahre Haft für Andy B.

von
28. August 2010, 03:24 Uhr

Rostock | Die 3. Große Strafkammer des Landgerichtes Rostock verurteilte gestern den 25-jährigen Güstrower Sicherheitsmitarbeiter Andy B. wegen sexueller Nötigung in Tateinheit mit Körperverletzung zu einer Haftstrafe von vier Jahren und vier Monaten. Er muss zudem ein Schmerzensgeld von 7000 Euro sowie die Kosten des Verfahrens zahlen. Das Gericht hatte keine Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten, obwohl der sich mit einem totalen "Blackout" herausredete.

Die mehrtägige Beweisführung ergab, dass Andy B. am Abend des 26. Februar gemeinsam mit seinem Kollegen Candy W., der bereits wegen versuchten Totschlags vorbestraft ist, eine Disko aufsuchte, nachdem sie schon zuvor einiges "vorgeglüht" hatten. Danach ging es in den Studentenkeller. Auf dem Nachhauseweg gegen 5.40 Uhr traf Andy B. an der Bistede auf eine 44-jährige Altenpflegerin, die auf dem Weg zur Arbeit war. Er riss ihr die Kleider vom Leib und versetzte ihr wuchtige Faustschläge ins Gesicht und an die Brust. Er nahm sie in den Schwitzkasten und schleppte sie die Treppe zur Schule hinunter. Sie kämpfte verzweifelt. Eine Chance hatte sie nicht, denn er war ihr körperlich weit überlegen und hatte zudem eine Kampfsportausbildung. "Sei still, sonst bringe ich dich um", zischte er. Die Hilfeschreie hörte die 70-jährige Rentnerin Renate W., die auf der Stelle die Polizei informierte. In weniger als zehn Minuten war sie vor Ort. Der Angeklagte konnte zunächst fliehen, wurde dann aber gestellt. Die Altenpflegerin wurde völlig verstört und unbekleidet von der Polizei gefunden.

Die wissenschaftlichen Ermittlungsergebnisse bestätigten die Täterschaft des Angeklagten. Er hatte zahlreiche Kratzer an Brust und Hals und unter den Fingernägeln des Opfers wurden seine DNA-Spuren gefunden. Zudem befand sich das Blut des Opfers an Hose und T-Shirt des Angeklagten. Obwohl Andy B. stark getrunken hatte und von einem Blutalkoholspiegel zur Tatzeit von 2,34 Promille ausgegangen werden muss, war seine Einsichtsfähigkeit weder vermindert noch ganz aufgehoben, hieß es in der Urteilsbegründung, denn kein Zeuge hatte Ausfallerscheinungen bemerkt. Auch die Erinnerungslosigkeit wies das Gericht zurück. Das sei eine reine Schutzbehauptung. "Es gibt nicht einen einzigen Ansatzpunkt für eine Milderung der Strafe", sagte der Vorsitzende Richter. "Andy B. hat eine schwere Sexualstraftat begangen, er bedrohte die Frau mit dem Tod und ersparte ihr durch sein Leugnen nicht ihre Zeugenaussage vor Gericht."

Schwer wogen auch die Vorstrafen des Angeklagten. Der Richter sprach von einer Fehleinschätzung des Amtsgerichts Güstrow, das 2006 ein Verfahren wegen sexueller Nötigung gegen Andy B. einstellte. Gegen das Urteil könne er Revision einlegen, erklärte der Richter zum Schluss. "Aber ich garantiere ihnen, die werden sie verlieren. Und wenn sie die Tat weiterhin leugnen, sitzen sie ihre Strafe bis zum letzten Tag ab."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen