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Treckertreffen in Perleberg : Vielstimmiges, tuckerndes Konzert

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Einfach nur einen alten Traktor restaurieren - das ist Heiko Buneß aus Berge zu normal. Seine Passion heißt Traktorpulling. Bei dieser Sportart geht es darum, einen Gewichtewagen mit Traktoren möglichst weit zu ziehen.

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erstellt am 17.Apr.2011 | 08:39 Uhr

Perleberg | Einfach nur einen alten Traktor restaurieren - das ist Heiko Buneß aus Berge zu normal. Seine Passion heißt Traktorpulling. Bei dieser Motorsportart, die man auch Trecker Treck nennt, geht es darum, einen Gewichte wagen mit Traktoren möglichst weit zu ziehen. Die stärkste Maschine und der geschickteste Fahrer machen das Rennen. "Wir dürften hier das einzige Traktorpulling-Team unter den Ausstellern und vermutlich auch das derzeit einzige in der Prignitz sein", sagt Buneß. Zahlreiche Pokale holte er schon auf Wettbewerben. Sein Kraftpaket, ein umgebauter ZT 300, mit vormals 90 und jetzt 147 PS, reihte sich am Sonnabend beim sechsten Perleberger Traktortreffen ein zwischen Traktoren zahlreicher Baujahrzehnte und Gewichtsklassen.

Das Treffen profiliert sich weiter als Publikumsmagnet, die Besucher strömten zu Tausenden, bewunderten die Gefährte, schwelgten in Erinnerungen und fachsimpelten. Veranstalter Nick Schröder versucht, die wachsende Treckergemeinde und die Magnetwirkung zu erklären: "Zunächst einmal ist es eine Veranstaltung für jede Generation, und es gibt alles zu sehen: große und kleine, alte und moderne Trecker. Vor allem aber Technik, die man versteht und die man im übertragenen Sinne anfassen kann."

Damit spricht er Wilfried Wilck aus Hagenow aus dem Herzen. Der Mecklenburger war vorgestern einer von 180 Ausstellern, infizierte sich mit dem Trecker-Virus 1996, wie er selbst sagt, bei einer Ausstellung in Markkleeberg. "Da stand genau so ein Traktor, wie dieser Stock, auf dem ich hier sitze." Fünf historische Zugmaschinen nennt er inzwischen sein Eigen, davon vier im zusammengebauten Zustand. Als Hagenower weiß er eine Menge über den Konstrukteur Robert Stock zu erzählen, der 1858 in Hagenow geboren wurde. Einen Namen machte er sich unter anderem mit dem Bau von Motorpflügen. Seine Fabrik in Berlin gab es auch noch lange nach seinem Tod - er verstarb 1912. Wilck gehört der Truppe "Die Unverbesserlichen" an, einer lockeren Vereinigung von Traktor freunden aus Mecklenburg-Vorpommern. Ihre orangefarbenen T-Shirts leuchteten überall auf dem Gelände. Und ihre Traktoren stimmten ein das Konzert der tuckernden Maschinen. Wer am Sonnabend genau hinhörte, erkannte die kleinen, aber feinen Unterschiede im Traktorenklang. Lauschte man einem modernen Gefährt hinterher, hörte man hingegen nur ein leises Surren. Qualmwolken aus dem Auspuff und laute Geräusche wurden den Treckern über die Jahrzehnte "abgewöhnt".

Heiko Buneß beschritt mit seinem aufgemotzten ZT den umgekehrten Weg. Einen Höllenlärm macht er, wenn der Berger so richtig aufdreht. Das Traktor-Pulling führt ihn und sein Team übrigens im August bis nach Philadelphia - zum größten deutschen Treckertreffen. "Nein, das ist nicht in den USA. Wir fahren nur in den Landkreis Oder-Spree - dort, in der Nähe von Berlin, gibt es auch ein Philadelphia", schmunzeln Heiko Buneß und sein Frau Ilona.

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