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Lokales

23. Oktober 2017 | 00:49 Uhr

Viele Kleingärtner zapfen illegal Wasser

vom

svz.de von
erstellt am 12.Sep.2010 | 06:32 Uhr

Rostock | Michael Zettler vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung (IOW) in Warnemünde ist entsetzt. Auf seiner Tour entlang der Bresenitz hat der Biologe etliche Schläuche im Wasser gesichtet, die direkt auf angrenzende Grundstücke und in Kleingärten führen. Nahezu geräuschlos saugen die Pumpen die letzten Tropfen aus dem Bach.

Die Beobachtung des 44-Jährigen war in diesem Jahr kein Einzelfall. Während der Hitzetage im Sommer hätten Hauseigentümer und Kleingärtner zu Tausenden einfach Wasser aus Flüssen, kleinen Seen, Teichen und Bächen auf ihre Grundstücke oder Pachtflächen gepumpt, um Rasen und Pflanzen zu versorgen, klagen die Unteren und Oberen Wasserbehörden. Umweltminister Till Backhaus (SPD) sieht darin einen klaren Verstoß gegen geltendes Recht. Weil die Natur in vielen Fällen dauerhaft geschädigt wird, fordert er eine rigorose Bestrafung derartiger Vergehen: "Wer aus öffentlichen Gewässern ungenehmigt Wasser entnimmt, begeht Diebstahl." Seiner Aussage nach, hat der Wasserklau in diesem Jahr dramatisch zugenommen, ohne dass allerdings bislang spürbare Strafen ausgesprochen wurden.

"Wir können nicht überall sein", sagt Ilona Schullig von der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Bad Doberan. Wer eine unerlaubte Wasserentnahme feststellt, sollte sie anzeigen. In ihrem Verantwortungsbereich wurden in diesem Jahr bereits mehre kleine Flussläufe und Bäche nahezu vollständig leergepumpt. "Früher war es nur die Gießkanne, mit der Wasser geklaut wird, inzwischen wird mit Motorkraft richtig zugelangt", sagt sie.

Bauern dürfen Felder aus Warnow versorgen

Michael Zettler, der sich in der Arbeitsgruppe Malakologie ehrenamtlich um die Kleine Flussmuschel kümmert, verweist am Beispiel der bereits vom Aussterben bedrohten Art auf die Folgen. Im Nordosten habe die Muschel ihre letzten nennenswerten Rückzugsgebiete. "Hier ist das Wasser noch vergleichsweise sauber", sagt der Biologe. Durch das Abpumpen würden Bächen und Flüssen Sauerstoff und Frischwasser entzogen. Von den durch Menschenhand verursachten Störungen im Naturkreislauf, seien viele Tierarten und auch Pflanzen betroffen. Der Experte wirft den Behörden vor, nichts gegen den Wasserklau zu unternehmen.

Für den Chef des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg, Hans-Joachim Meier, stellt sich die Situation nicht ganz so dramatisch dar. Die Behörde in Rostock ist vor allem für die größeren Flüsse zuständig. Sowohl die Nebel, als auch die Warnow hätten ausreichend Wasser geführt. Es sei allerdings durchaus registriert worden, dass die Pegel durch natürliches Verdunsten und Wasserentnahme täglich gesunken seien. Mit Landwirten wurden Verträge abgeschlossen, die eine limitierte Wasserentnahme erlauben. Die frei gegebenen Mengen würden vorher von Experten genau berechnet.

Umweltminister Backhaus fordert indessen als Konsequenz der Hitzetage, Regenwasser künftig noch besser zu speichern.

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