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Lokales

24. Oktober 2017 | 13:37 Uhr

Verwirrungen um Punkkonzert

vom

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erstellt am 18.Aug.2010 | 07:23 Uhr

Perleberg | Für einige Verwirrung sorgt das Punkkonzert, das für den 28. August in Perleberg angekündigt ist. Im Speicher findet es definitiv nicht statt, da "Open-Air-Veranstaltungen hier von der Stadt nicht genehmigt werden, es sei denn, sie liegen im öffentlichen Interesse wie zum Stadtfest oder Perleberg-Festival", so Bürgermeister Fred Fischer. Und dann die Kehrtwendung: Es findet doch statt, allerdings im Freizeitzentrum "Effi".

Drei Bands, politisch links orientiert, wie Veranstalter Sebastian Sturm betont, laden ein zu Punk. "Taktkiller" ist eine Perleberger Gruppe, die seit drei bis vier Jahren gemeinsam spielt, Sebastian gehört dazu. Seit über zehn Jahren machen die jungen Leute aber Musik. "Das Motta" sind Pritzwalker, und "Blutiger Osten" kommt aus Brandenburg an der Havel. Gerade letztere Truppe stößt auf geteilte Meinungen. Der Perleberger Peter Krips spricht beim Anblick des Plakats von einer Unkultur. "Wir brauchen keinen blutigen Osten. Ich verbinde mit dem Namen ein Wesensmerkmal. Was hat ein Totenkopf in einem Ostsymbol zu suchen?".

Eine große deutsche Tageszeitung stellte am Montag dieser Woche Verbindungen zwischen der Brandenburger Band und Beobachtungen durch den Verfassungsschutz her. Die Musiker finden sich zwar nicht im Verfassungsschutzbericht wieder. Dennoch erkundigte sich der "Prignitzer" bei Gordian Meyer-Plath vom Referat "Auswertung politischer Extremismus" des Potsdamer Innenministeriums, ob es Bedenken irgendwelcher Art gibt. Der Verfassungsschützer weist im Speziellen auf den Titel "Hasstirade" der Band "Blutiger Osten" hin: Der Text hetze gegen Militär und Polizei, gegen Toleranz und Demokratie. Eigentlich entnehme man dem Lied, dass die Musiker alles hassen, insbesondere Nazis. Die Propagierung von Toleranz- und Demokratiefeindlichkeit gerade vor eher jüngerem Publikum hält Meyer-Plath schon für problematisch. "Deshalb weisen wir auf solche Bands hin", sagt er.

Dass Punkmusiker klar Stellung beziehen und durchaus auch provozieren, bestreitet Sebastian Sturm nicht. Er em pfiehlt, sich das Konzert am 28. August einfach anzuschauen. "Wir beißen nicht", sagt der 32-Jährige. Das Publikum sei insbesondere bei größeren Konzerten, bei denen auch "Blutiger Osten" auftrete, stark gemischt, reiche altersmäßig von 16 bis Mitte 50. Die Punkmusikszene habe sich, so Sturm, in den letzten 20 Jahren in der Prignitz etabliert. In der Westprignitz seien um die zehn Bands aktiv, in der Ostprignitz etwa weniger. "Es ist bereits das fünfte oder sechste Konzert, das wir veranstalten. Probleme bezüglich der Ordnung und Sicherheit gab es nie", unterstreicht Sebastian Sturm, der, wenn er gerade keine Musik macht, als Krankenpfleger in der Perleberger Klinik arbeitet.

Auch Thomas Domres, Landtagsabgeordneter und Kreisvorsitzender der Linkspartei, sieht die Veranstaltung in keiner Weise grenzwertig, wenngleich er nicht jede Textzeile unterschreiben würde, die die Bands in ihren Repertoires haben. Perleberg will sich als Kulturstadt geben. "Kultur, das ist Vielfalt, und dazu gehört eben auch Punk. Die Szene will schon ein Stück weit provozieren, gilt als aufsässig, aber auch das ist Kultur."

Für Bürgermeister Fred Fischer ergäben sich keinerlei Anhaltspunkte, wegen derer er sich gezwungen sähe, ein solches Konzert nicht zuzulassen. Und Dieter Ewert, Leiter des "Effi", äußerte: "Ich unterstütze die Aktion. Über Musikrichtungen kann man diskutieren, aber warum sollte man diese ausgrenzen? Das ist auch Kultur. Die Punkkonzerte in seinen Räumlichkeiten seien stets friedlich und reibungslos abgelaufen. "Die Leute tanzen, feiern, haben eine gute Zeit."

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