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Lokales

21. September 2017 | 21:39 Uhr

Verwirrter aus MV verfolgt Kanzlerin

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svz.de von
erstellt am 26.Okt.2010 | 07:50 Uhr

Berlin/Hohenwalde | Es ist das Refugium der Kanzlerin: ein hell gestrichenes Wochenendhaus in dem 50-Seelen-Dorf Hohenwalde mitten in der uckermärkischen Natur. Wenn sie Zeit hat, sucht Angela Merkel (CDU) in dieser Einsamkeit Ruhe. Ex-Bundespräsident Horst Köhler speiste dort und stimmte seinerzeit über die Medien einen Lobgesang auf Merkels Kochkünste an. Seit einiger Zeit jedoch wird dieses Idyll in Nordbrandenburg getrübt. Ein geistig verwirrter Mann, der unbestätigten Angaben zufolge aus Mecklenburg-Vorpommern stammt, verfolgt die Kanzlerin und konnte trotz Sicherheitsvorkehrungen schon mehrmals auf das Datschen-Grundstück Merkels vordringen.

"Das Wort Stalker ist in diesem Zusammenhang nicht unangebracht", sagte ein Sprecher des Bundespresseamtes. Er bestätigte einen Bericht der "Bild"-Zeitung, in dem es um mehrere Vorfälle im Privatumfeld Merkels geht. Wie lange die Regierungschefin schon von dem etwa 45-Jährigen belästigt wird, blieb unklar. Jedenfalls schaffte es der Verfolger zweimal auf das Hohenwalder Grundstück und einmal bis vor Merkels Wohnhaus in Berlin-Mitte. Dort wurde er den Angaben zufolge von Polizisten abgewiesen.

An den beiden vergangenen Wochenenden hatte sich der Mann dann auf den Weg in die Uckermark gemacht, um dem Grundstück in der Nähe von Templin einen ungebetenen Besuch abzustatten - was ihm gelang, obwohl das Wochenendhaus rund um die Uhr von Polizisten bewacht wird. Schräg gegenüber des Gebäudes befindet sich deren Quartier. Einmal klingelte er laut "Bild"-Zeitung an der Haustür, als Merkel anwesend war. Ein anderes Mal habe sich nur ihr Ehemann in dem Haus aufgehalten.

Jetzt wurde der Verfolger, der einen verwirrten Eindruck gemacht habe, gestoppt und in ein Krankenhaus eingewiesen. Dort werde er in einer offenen psychiatrischen Abteilung mit Medikamenten behandelt, hieß es. Wie lange er dort untergebracht ist, blieb offen. Unklar war auch, wie der Mann trotz Bewachung so weit vordringen konnte. Laut Zeitung war er vermutlich wütend, dass Merkel seine Briefe nicht persönlich beantwortet habe. Aus Ermittlerkreisen hieß es, es handele sich bei dem Eindringling um einen freien Journalisten. Vom Bundespresseamt wurde nicht mitgeteilt, ob der Mann der Kanzlerin schon länger nachstellt.

Der Begriff Stalker kommt aus dem Englischen und bedeutet "anpirschen". Stalker verfolgen ihre Opfer, belästigen sie mit Anrufen oder E-Mails und spionieren ihnen nach. Seit 2007 steht in Deutschland Stalking als "unbefugtes Nachstellen" unter Strafe. Die Kriminalstatistik erfasste 2009 rund 28 500 Stalking-Fälle.

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