Verspielt, exotisch und genügsam

<fettakgl>Nachwuchs</fettakgl> in der Wasserbüffel-Herde: Die beiden Kuhkälber werden ab dem Frühjahr im Niedermoor 'Großer Wisch' das Gras kurz halten.<foto>Annett habermann</foto>
Nachwuchs in der Wasserbüffel-Herde: Die beiden Kuhkälber werden ab dem Frühjahr im Niedermoor "Großer Wisch" das Gras kurz halten.Annett habermann

svz.de von
04. Dezember 2009, 09:51 Uhr

Wendisch Waren | Wie lockt man einen Wasserbüffel an den Weidezaun? Mit der Zunge schnalzend wie ein Pferd, mit Gras wie eine Kuh oder pfeifend wie einen Hund? Ein Patentrezept, an die beiden exotischen Tierbabys heranzukommen, scheint es nicht zu geben. Sie verbringen den Winter auf einer Weide in Wendisch Waren - inmitten ihrer kleinen Herde, die bisher aus drei Büffelkühen und einem Bullen namens Caspar bestand.

Das erste Kuhkalb wurde im September geboren, das Kleinste ist erst wenige Tage alt. Anfang der Woche wurde Anja Kusch beim Nachzählen auf der Weide stutzig. Die Landwirtin vom Thomas-Hof in Wendisch Waren kümmert sich um die kleine Herde und gibt gern ihre Erfahrungen weiter. Im Sommer hatte der Förderverein Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide drei Wasserbüffel gekauft. Die warme Jahreszeit verbrachten sie im "Großen Wisch", einem Moor im Naturschutzgebiet Großer und Kleiner Serrahn. Sie bauen sich Suhlen und fressen das Gras nicht so kurz ab wie Schafe oder Rinder. So schaffen sie gute Bedingungen für seltene Tier- und Pflanzenarten. "Durch ihre Lebensweise entsteht eine stark strukturierte Landschaft und Kleinstlebensräume, in denen sich zum Beispiel die seltene Rotbauchunke ansiedelt", sagt Ralf Koch, Geschäftsführer des Fördervereins.

Natürlich lieben Wasserbüffel Wasser. Manchmal verschwinden die Tiere bis zum Hals im Moorwasser. Ihre breiten Klauen ermöglichen es ihnen, wieder herauszukommen. "Sie können sogar tauchen", sagt Anja Kusch. Zweimal wöchentlich haben Landwirtin und Naturparkmitarbeiter nach den Tieren geschaut. Seit Ende Oktober stehen sie jetzt auf der Winterweide, damit das Gelände sich erholen kann, ganz im Sinne der naturschutzgerechte Grünlandnutzung, eine Form der extensiven Bewirtschaftung.

Touristischer Nebeneffekt: Ein Wanderweg führt direkt an der Weide entlang. Viele Wanderer haben die Tiere im Sommer beobachtet. Wenn die Wasserbüffel im Frühjahr ins Moor zurückkehren, soll auch ein Beobachtungsturm stehen. Eine Tafel informiert über ihre Lebensweise. Wasserbüffel sind vor allem in Asien verbreitet.

An das Klima in Europa sind Wasserbüffel gewöhnt, sagt Ralf Koch. "Sie profitieren von der Klimaerwärmung." Mittlerweile ist das Einsatzgebiet der Schwergewichte das Verbreitungsgebiet des Weines. In Zeiten, in denen immer wieder vom globalen Reden und lokalen Handeln die Rede ist, setzen die Wasserbüffel im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide ein Zeichen für den Klimaschutz. Durch ihre Vorliebe für Sauergräser und junge Triebe bleibt das Moor ein Moor, statt zu verbuschen. Wenn Moore nicht mehr mit Wasser gesättigt sind, wird das Kohlendioxid im Torf freigesetzt. Und davon gibt es bekanntlich schon genug - ein kleiner Beitrag zum Klimaschutz, an dem nun auch die beiden Büffelbabys teilhaben. Für die Namenswahl sind die Schüler der Goldberger Grundschule zuständig. Bis dahin werden die kleinen Büffel mit schnalzenden Rufen an den Weidezaun gelockt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen