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Lokales

19. November 2017 | 18:55 Uhr

Verroht, verletzt und fast verhungert

vom

svz.de von
erstellt am 19.Okt.2010 | 04:55 Uhr

Ludwigslust/Holthusen | Als das Schloss der Wohnungstür fachmännisch geknackt war, war kein Mensch vorzufinden. Aber das Gejaule eines Hundes, das konnten die Mitarbeiter des Veterinäramtes hören.

Eingeschlossen im Badezimmer saß der Hund. Der Labrador-Mix war rund neun Wochen alt. Neun Wochen, in denen es sein Herrchen nicht gut mit ihm meinte. Abgemagert und keine zehn Kilo schwer, stark verschmutzt und voller Parasiten. 40,3 Fieber, Blasenentzündung, dazu ständiges Erbrechen und Blut im Kot. "Noch zwei, drei Tage länger, dann wäre das Tier verhungert", ist sich Doris Schiemann, Inhaberin der Tierpension "Kleine Oase" in Holthusen sicher. Doch der Hund wurde noch rechtzeitig vom Veterinäramt in Sicherheit gebracht. "Eingezogen", heißt das im Fachjargon. Gerettet, so umschreibt es Schiemann und schaut in die "Akte Feivel", in der alle Blessuren, Auffälligkeiten, aber auch der langsame Genesungsprozess protokolliert wurden.

"Feivel", dieser Name wurde dem Tier in der "Kleinen Oase" gegeben, und dieser Name stand auf einer Kreidetafel links neben der Tür am Hundezimmer C4 auf dem Gehöft in Holthusen. In diesem Zimmer, halb gefliest, halb mit Holz verkleidet, konnte sich der Vierbeiner erholen. "Wir mussten das Tier ganz behutsam wieder aufpäppeln", sagt die gelernte Zootierpflegerin, die seit 2007 mit dem Veterinäramt zusammenarbeitet und schon rund 20 eingezogene Hunde oder Katzen betreute. Aufbaumittel, Antibiotika, Aufbaufutter - langsam aber stetig ging es "Feivel" besser. Rundumversorgung, Tag und Nacht alle drei Stunden 100 Gramm Nahrungszufuhr, damit sich der Magen an festes Essen gewöhnen konnte. Drei Kilo Gewichtszunahme in fünf Tagen - "Feivel" machte Fortschritte, so gute, dass Doris Schiemann der Amtstierärztin mitteilen konnte: "Feivel geht es gut, alles im grünen Bereich".

In einem großzügig geschnittenen Raum hocken Katzen auf Sofas und Katzenbäumen. Einige schnurren, andere dösen, eine sitzt auf einem Wandschrank und schaut neugierig umher. Auch dieses Tier ist vor geraumer Zeit eingezogen wurden. "Die Katze sollte in eine Mikrowelle gesteckt werden", hatte Doris Schiemann erfahren und schüttelt angewidert den Kopf. Sie weiß, was Menschen Tieren antun können. Sie hat Tiere gesehen, die mehr tot als lebendig waren. Sie weiß aber auch, was viele Menschen nicht tun: Die Tiere so zu halten, zu füttern und zu pflegen, wie es das Tierschutzgesetz vorsieht und der gesunde Menschenverstand verlangt.

Auf den Tag genau einen Monat war "Feivel" in der "Kleinen Oase". Seit Sonntag ist er in einem neuen Zuhause, in einer Familie mit zwei Kindern, deren Mutter sich auf den ersten Blick in "Feivel" verliebt hatte. "Das ist ein gesichertes, Hunde erfahrenes und liebevolles Zuhause", sagt Schiemann.

"Feivel" hat es jetzt gut. Viele andere Tiere hatten nicht so viel Glück. Als sie gefunden wurden, war ihr Zustand so schlecht, dass nur noch das Einschläfern half.

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