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Vermieter steht in Severin mit Axt vor der Haustür

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erstellt am 08.Sep.2010 | 08:00 Uhr

Severin | Es ist Tatort-Zeit. Doch im beschaulichen Severin spielt sich diesmal der Alltagskrimi nicht auf dem Bildschirm im Wohnzimmer, sondern auf der Dorfstraße vor dem Haus Nummer 19 ab. Kurz nach 20 Uhr fahren Karin B. und ein junger Mann vor. Es ist der Sohn der 56-Jährigen, der zusammen mit der Mutter in der Kreisstadt seit fünf Jahren ein Maklerbüro betreibt. Die sichtlich erregte Frau hat einen Brief in der Hand, der Mann eine Axt, wie sie Waldarbeiter zum Spalten von Holz benötigen. Ihr unangemeldeter Besuch gilt Mario Wübken, der als alleinerziehender Vater mit seiner zehnjährigen Tochter hier seit gut einem Jahr in einem Haus, das Karin B. erst 2008 von der Gemeinde gekauft hat, zur Miete wohnt. Als Wübken die Haustür öffnet, gerät er in Panik. "Ich habe nur noch die Axt gesehen, meine Tochter hat vor Angst geweint." Karin B. zückt ihren Brief und fordert Wübken auf, den Erhalt zu bestätigen.

Darin teilt sie ihm mit, dass die Wohnung aufgrund von offenen Mietforderungen in Höhe von 2775 Euro mit sofortiger Wirkung "außerordentlich, fristlos gekündigt" wird. Bereits 24 Stunden später, am "6. 9. 2010 um 20.30 Uhr", sei die Wohnung zu übergeben. Karin B. macht schriftlich klar: "Sollten Sie diesen Termin nicht wahrnehmen, werde ich die Tür gewaltsam öffnen und die Beräumung vornehmen lassen". Wübken weigert sich und ruft die Polizei. Die trifft wenige Minuten später ein. "Die Beamten hatten Mühe, die Beteiligten zu beruhigen. Eine Axt wurde sicher gestellt und eine Anzeige wegen Bedrohung aufgenommen", bestätigt Polizeisprecher Klaus Wiechmann. Nachbarn wollen gehört haben, dass der junge Mann seine Axt als "Meinungsverstärker" tituliert hat. Nach einer Stunde kehrt Ruhe ein.

Auch mit einem zweiten Bewohner des in die Jahre gekommenen Mehrfamilienhauses, der seit Monaten eine Mietminderung aufgrund von Schimmelbefall geltend macht, liegt Karin B. im Dauerclinch und hat ihm zum 1. September gekündigt. "Ich kriege euch alle raus, hat sie uns gedroht", sagt Frank Ger don. Er hat sich längst einen Anwalt genommen und fühlt sich wie sein Nachbar drangsaliert.

Mario Wübken geht davon aus, dass seine Miete in Höhe von monatlich 462,50 Euro pünktlich überwiesen wurde. "Ich habe nie eine Mahnung erhalten und der Arge eine Abtretung unterschrieben", sagt der Hartz-IV-Empfänger. "Wir haben die Mietkosten zwar pünktlich überwiesen, aber stets an Herrn Wübken oder an seine Frau ausgezahlt", stellt Petra Weis von der Arge Parchim klar.

Vermieterin Karin B. , die in der Kreisstadt nicht nur ein Immobilienbüro betreibt, sondern schon vor zwei Jahren als Bürgermeisterkandidatin mit markigen Sprüchen für Schlagzeilen sorgte und derzeit für die Partei Die Linke in der Stadtvertretung sitzt, verteidigt ihr Vorgehen. "Mietrückstände bedrohen meine Existenz. Mit dem Brief wollte ich Druck machen", räumt sie ein. Eine Zwangsräumung der Wohnung werde es vorerst nicht geben. "Mir liegt durchaus daran, eine sozial verträg liche Lösung zu finden", betont sie.

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