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Lokales

22. November 2017 | 05:01 Uhr

Verliebt in einen Strommast

vom

svz.de von
erstellt am 25.Apr.2013 | 10:27 Uhr

Einen reichlich ungünstigen Platz hat das Storchenpaar in Neuhof für sein Nest gewählt. Hoch oben auf einem Strommast bauen die beiden großen Vögel unermüdlich an ihrer Brutstätte. Und das nun schon zum dritten Mal, wie Ortsvorsteher Wolfgang Kuhert berichtet.

"Zweimal wurde das Nest vom Energieversorger Wemag ’runtergeholt", ärgert er sich. Beim ersten Mal akzeptierte er das noch, doch nun hätte er kein Verständnis mehr. "Ich finde es beschämend. Jetzt haben wir endlich Störche, und dann so etwas. Die stehen doch unter Naturschutz", meint Kuhert.

Vor zwei Jahren kamen die Vögel das erste Mal nach Neuhof. Damals bauten sie ihr Nest nicht fertig und waren bald verschwunden. Letztes Jahr dann die große Freude: Das Pärchen kehrte zurück und brütete zwei Jungen aus. Jedoch damals schon auf dem Strommast. Zu dieser Zeit wurden Isolierungen an den Leitungen angebracht, um einen Kurzschluss zu verhindern, informiert Sachbearbeiter Marcus Pankow von der Unteren Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung. "Es kommt immer wieder vor, dass Störche auf Strommasten einen Schlag bekommen und sterben", so Pankow.

Zum Schutz der Tierer ließ die Wemag laut Pressesprecher Jost Broichmann im März in 20 Metern Entfernung, mit sicherem Abstand zu Stromleitungen und Straßen, eine neue Nisthilfe errichten: "Der Vogelschutz geht bei uns vor", sagt Broichmann. Anschließend wurde das alte Nest vom Strommast abgetragen, ein Abweiser befestigt und die Isolierungen wieder entfernt.

Nur kümmerte das die Störche wenig. Nach ihrer Rückkehr aus dem Süden bezogen sie erneut ihren alten Platz.

Um die Vögel zum Umziehen zu bewegen, entfernte die Wemag mit Erlaubnis der Naturschutzbehörde letzten Freitag das neue Nest. Doch Adebar blieb hartnäckig und begann just mit dem Wiederaufbau seiner Brutstätte. Dass die Tiere doch noch auf die neue Stätte ausweichen würden, schien abwegig. "Um einen Kurzschluss zu verhindern, musste also die Isolierung erneut angebracht werden", erklärt Pankow den wiederholten Eingriff am vergangen Dienstag. Um an die Leitungen zu gelangen, wurde das Nest zum zweiten Mal abgetragen. Doch wie ist es anders zu erwarten: Nur wenig später suchten die Störche bereits nach neuen Ästen für ihren Horst.

"Wir haben der Wemag schriftlich mitgeteilt, wenn das Paar trotz der Abweiser auf dem Mast bleiben sollte, wird es in diesem Jahr nicht erneut gestört", sagt Pankow, der für den Moment keine andere Lösung sieht. Im kommenden Jahr solle dann nach neuen Möglichkeiten gesucht werden.

Trotz der Strapazen für die Tiere wäre eine Brut noch möglich, sagt Falk Schulz, ehrenamtlicher Nabu-Weißstorchbeauftragter in der Prignitz. "Bis etwa Mitte Mai haben die Tiere noch Zeit".

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