Verlegung der Geburtshilfe: Aufschrei in Ludwigslust

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22. April 2010, 09:46 Uhr

ludwigslust | Seit der Ankündigung des Evangelischen Krankenhauses Stift Bethlehem Ludwigslust, seine geburtshilfliche Abteilung zum 30. Juni dieses Jahres schließen zu wollen, schlagen die Wellen der Empörung hoch. Die Stadtvertretung hat am Mittwochabend einmütig eine Resolution verabschiedet, in der die Rücknahme der Entscheidung verlangt wird. Peinliche Panne dabei: Der ursprüngliche Entwurf sah sogar den Kreisstadt-Status Ludwigslusts dadurch gefährdet, weil es keine andere Kreisstadt in Deutschland ohne Geburtshilfe gäbe. Stiftspropst Jürgen Stobbe kann hingegen gleich mehrere allein in MV aufzählen.

Die Ankündigung berührt die Ludwigsluster Seele dennoch im Innersten. 1851 hatte Helene von Bülow in der Stadt ein Diakonissenmutterhaus gegründet und sich zuerst kranken und verwaisten Kindern gewidmet. Stadtvertreterin Regina Prey (Bündnis 90/Die Grünen/Ländlicher Raum) zeichnet ein düsteres Bild: "Mit der Abschaffung der Kinderstation vor ein paar Jahren ist die jetzige Entwicklung schon eingeläutet worden. Ich befürchte, das Stift wird es in ein paar Jahren nicht mehr geben."

Stiftspropst Jürgen Stobbe will diesen Anwurf nicht stehen lassen. "Wir sind im Gegenteil dabei, die Zukunft des Krankenhauses zu sichern. Und handeln dabei auch im Vermächtnis Helene von Bülows. Die hat sich der Menschen angenommen, die damals keine Lobby hatten, und das tun wir heute auch!"

Während die Geburtshilfe im Rahmen der Krankenhausholding in das Krankenhaus Hagenow verlegt werden soll, konzentriert sich das Ludwigsluster Krankenhaus künftig noch stärker auf den internistischen Bereich, besonders die Akutversorgung von Herzinfarktpatienten. Stobbe verweist auf nüchterne Zahlen. An 158 Tagen fand 2009 keine Geburt im Stift Bethlehem statt. Die Geburtenzahlen sinken seit 2000 ständig. Im letzten Jahr wurden im Stift Bethlehem 297 Kinder geboren, im Hagenower Krankenhaus waren es 485. Das Durchschnittsalter der Menschen beträgt in Hagenow 42,8 Jahre (48,6 als Prognose 2025), in Ludwigslust 45,0 (51,4 als Prognose 2025). "Alle Untersuchungen und auch die Betreuung bleiben unverändert gewährleistet. Die Veränderung des Status quo betrifft ausschließlich den Ort der Geburt", unterstreicht der Stiftspropst. Letztlich habe den Ausschlag für die Entscheidung die Unmöglichkeit gegeben, angesichts der Zahlen den hohen Qualitätsstandard im Stift aufrechtzuerhalten.

Die Resolution der Stadtvertretung scheint angesichts dessen eine reine politische Bekundung. Entgegen anders lautender Vermutungen handele es sich bei der Verlagerung der Geburtshilfe nicht um eine einsame Entscheidung des Stiftspropstes, sondern eine mit dem Aufsichtsrat abgestimmte Maßnahme, die auch in der Krankenhausholding besprochen worden sei, wehrt sich Stobbe.

Auf SVZ-Nachfrage bestätigt Krankenhaus-Verwaltungschef Wilfried Mußfeldt zudem, dass sich bisher kein Ausschuss der Ludwigsluster Stadtvertretung im Stift Bethlehem über die aktuelle Lage informiert hat. Da sei kein Interesse erkennbar gewesen.

Dennoch - und das bestätigt auch der Stiftspropst - sei die Verlagerung eine schmerzliche Entscheidung gewesen. Im Raum stehen die Worte von Bürgermeisterin Petra Bilerbeck an das Stift: "Das Wohl der Menschen liegt uns allen am Herzen. Ich bitte Sie ernsthaft, nach Alternativen zu suchen!"

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