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Lokales

20. Oktober 2017 | 14:51 Uhr

Verhandlung unter freiem Himmel

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erstellt am 04.Aug.2010 | 05:36 Uhr

Dobbertin | In Anzug und Kostüm gekleidet laufen MVs Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU), Richterin Annemaria Kreutz-Körber und Vertreter des Landkreises Parchim bei strahlendem Sonnenschein über eine Wiese am Hellberg nahe Dobbertin. Was wie ein kurioser Spaziergang aussehen mag, ist eine Gerichtsverhandlung der besondern Art: Verhandelt wird unter freiem Himmel statt im Gerichtssaal.

"Ich hatte schon befürchtet, ich müsste hier heute Gummistiefel verteilen", scherzt Annemaria Kreutz-Körber, Richterin beim Schweriner Verwaltungsgericht. Ganz so schlimm ist es dann doch nicht. Doch zur Sicherheit hat auch die Justizministerin lieber auf die Pumps verzichtet. "Wer weiß, wo es heute hingeht", sagt sie. Es geht auf ein Flurstück am Ostufer des Dobbertiner Sees. Genau hier möchte Elke Klatt ein Ferienhaus errichten lassen. Doch der Landkreis machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Während das Amt Goldberg-Mildenitz keinen Grund sah, der gegen dieses Bauvorhaben sprechen würde, entschied der Landkreis anders, erteilte Elke Klatt einen negativen Bauvorbescheid. Ein Widerspruch seitens Klatt wurde zurückgewiesen. Im September vergangenen Jahres klagte sie daher gegen den Landrat des Landkreises. Die Verhandlung inklusive Ortsbegehung am Dobbertiner See soll nun die endgültige Entscheidung bringen.

Jochen Krippenstapel, Leiter des Umweltamtes des Landkreises Parchim, und Hans-Georg Zwang vom Bauordnungsamt vertreten die Interessen des Kreises und lassen keinen Zweifel daran: Hier darf nicht gebaut werden. Elke Klatts Vorhaben - ein Ferienhaus mit 56 Quadratmetern Grundfläche - tangiere naturschutzrechtliche Belange und erweitere die Splittersiedling vor den Toren Dobbertins, so die Landkreisvertreter. Beide Aspekte will Richterin Kreutz-Körber nun vor Ort prüfen, sich einen Eindruck von der Grundstückslage und den örtlichen Begebenheiten verschaffen, um besser urteilen zu können. "Bei einem Ferienhaus bleibt es nicht. Es geht darum, eine Grenze zu setzen", verdeutlicht Krippenstapel. Er befürchtet Nachahmer, die das Naturidyll weiter zersiedeln. Gunnar Schley, Anwalt der Klägerin, hält dagegen: Einen Eingriff in den Naturschutz sieht er beim angestrebten Bauvorhaben nicht, will dem Landkreis gar entgegenkommen. "Wenn diese Befürchtung der einzige Hinderungsgrund ist, können wir uns mit öffentlich-rechtlicher Wirkung dazu verpflichten, hier nur das Ferienhaus zu bauen, nichts weiter", sagt er. "Ich sehe das nicht als Mittel, das Baurecht zu umgehen", erwidert Hans-Georg Zwang. Wird der Bau erlaubt, würde dies einem Aufgalopp für Forderungen weiterer Bauinteressenten gleich kommen und zudem die Siedlung erweitern und verfestigen. Auch Schleys Argument, dass sich in unmittelbarer Nachbarschaft bereits weit größere Gebäude befinden, ein kleines Ferienhaus daher nicht weiter ins Gewicht falle, lassen die Kreisvertreter nicht gelten.

Richterin Kreutz-Körber hört sich beide Parteien an, nimmt den Ort genau in Augenschein und dokumentiert das Wesentliche mittels Diktiergerät. Auch Justizministerin Uta-Maria Kuder verfolgt die Verhandlung aufmerksam. "Das ist doch mal ganz was anderes als im Gerichtssaal", sagt sie. Die Freiluft-Verhandlung ist für sie eine Premiere. Genau für solche Einblicke nutzt die CDU-Frau ihre derzeitige Sommertour durch das Land: "Mir ist es wichtig, die unterschiedlichen Berufsfelder der Justiz noch genauer kennen zu lernen", sagt Kuder. Für Richterin Annemaria Kreutz-Körber sind solche Außentermine hingegen Alltag. Verhandlung und Ortsbegehung in einem Abwasch - das beschleunige das Verfahren, sagt sie. "Und wir sind schließlich bemüht, Verfahren so schnell wie möglich abzuarbeiten", so Kreutz-Körber. Endgültig abgearbeitet werden soll jetzt auch der Fall Klatt. Heute erfahren alle Beteiligten die Entscheidung des Gerichtes.

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