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Lokales

24. September 2017 | 10:33 Uhr

Vereinssport in Crivitz wird teurer

vom

svz.de von
erstellt am 23.Jun.2010 | 07:08 Uhr

Crivitz | Morgen wird die sanierte Sport- und Mehrzweckhalle in der Crivitzer Neustadt offiziell übergeben - nun tatsächlich. Geplant war dies bereits nach den Winterferien, doch die Arbeiten wurden nicht wie vorgesehen fertig. Die Regionale Schule nutzte die Halle schon für den Sportunterricht, teilweise auch die Sportvereine. Nun sind die Restarbeiten abgeschlossen, so dass zur Übergabe alles komplett fertig ist. Nicht nur für den Sportunterricht, auch für den Freizeitsport ist diese Einrichtung immens wichtig. Sparten des Sportvereins Crivitz trainieren hier, aber auch die Sportgemeinschaft Crivitz mit ihren Fußballern ist besonders im Winter häufig Gast.

Die Freude über die umfassend sanierte Halle ist bei den Vereinen getrübt. Der Grund: Die Stadt geht daran, die Entgelt- und Benutzungssatzung für ihre Sportstätten zu überarbeiten. Anders gesagt, sie will die Gebühren erhöhen. Ausgenommen davon ist der Kinder- und Jugendfreizeitsport, dieser bleibt kostenfrei.

Bislang zahlten die Sportvereine pro Stunde einheitlich fünf Euro. Künftig soll es eine Staffelung geben, diese soll zwischen 8 und 24 Euro liegen, so sieht es der Entwurf vor. Für die Nutzung der sanierten Sporthalle in der Neustadt und des Platzes am Geschwister-Scholl-Platz sollen es 24 Euro sein. Wird die Halle nur zu einem oder zu zwei Dritteln genutzt - das ist neuerdings technisch möglich - reduziert sich der Preis dementsprechend (8 bzw. 16 Euro pro Stunde). Beansprucht ein Verein diese Sportstätte den ganzen Tag, kann statt der Stunden- eine Tagespauschale von 100 Euro vereinbart werden. Für die Turnhalle an der Grundschule und die Mehrzweckhalle am Geschwister-Scholl-Platz würden je acht Euro pro Stunde verlangt werden. Beide großen Vereine kennen den vorliegenden Entwurf, wurden sie doch im Vorfeld in die Diskussion einbezogen. Sie signalisierten bereits Unverständnis.

Höhere Mitgliedsbeiträge bei Erwachsenen drohen

René Stamer ist Vorsitzender des Sportvereins. Dieser zählt nahezu 400 Mitglieder in sieben Sparten - Handball, Volleyball, Fußball (Alte Herren), Gymnastik, Tischtennis, Badminton und Fitness. Er meint: Sollte es bei den angekündigten 24 Euro pro Stunde bleiben, bedeutet das für uns eine drastische Erhöhung. Die Gebühren würden immerhin auf das fast Fünffache steigen. Bislang habe der SV eine Jahresmiete von zirka 5000 Euro an die Stadt für die Nutzung der Sporthalle gezahlt. Die Summe könnte dann auf gut 20 000 Euro klettern. Von der Drei-Felder-Lösung können die Sportler auf Grund der spezifischen Merkmale ihrer Sportarten wie Hand- und Volleyball nicht profitieren, meint Stamer. Demzufolge ist auch eine Reduzierung der Kosten für den SV nicht möglich. Zusätzlich werde für den Wettkampfbetrieb noch ein Jahresentgelt von zirka 2500 Euro gefordert. "Somit geben wir dann etwa 80 Prozent der Jahreseinnahmen des Vereins nur für die Miete aus." Und Stamer rechnet weiter vor: Die laufenden Ausgaben sowie Abführungen, Wettkampf- und Schiedsrichterkosten betragen rund 40 Prozent der Jahreseinnahmen. Weitere 20 Prozent gehen für Veranstaltungen für jedermann und Mitgliederbetreuung drauf. Unterm Strich sei somit künftig ein Jahresminus von 40 Prozent zu erwarten.

Bislang sei der Mitgliedsbeitrag im Sportverein Crivitz eher moderat gewesen, sagt der Vereinsvorsitzende. Er beträgt zehn Euro für Erwachsene, fünf für Kinder. Sollte die Satzung mit den neuen Gebühren so beschlossen werden, müsse man zwangsläufig über eine Erhöhung dieser Beiträge reden. Es ist jedoch die Frage, ob alle Mitglieder in der Lage sind, diese auch künftig zu entrichten. "Ich habe Sorge, ob sich dann noch jeder, der es möchte, den Freizeitsport in der Halle leisten kann", sagt Stamer.

Vorschlag Pooling-System: einheitlicher Höchstsatz

Der SV macht seinerseits einen Vorschlag: Der Höchstbetrag soll für die Vereine 7,50 Euro pro Stunde betragen. Es könnte ein so genanntes Pooling-System für alle Sportanlagen der Stadt eingeführt. Dann könnte durch einen einheitlich zu entrichtenden Betrag der Zuschuss für die Stadt minimiert werden. Und noch etwas sei überlegens wert: Für örtliche nicht ansässige Vereine könnte ein höheres Entgelt berechnet werden.

Stefan Hubrich, Vorsitzender der 200 Mitglieder starken Sportgemeinschaft Crivitz, hat ähnliche Bedenken gegen die aus seiner Sicht dann drastische Erhöhung der Nutzungsgebühr. Man müsse prüfen, ob höhere Mitgliedsbeiträge durchsetzbar sind. Oder man müsse nach Alternativen schauen. Dies könnten andere Sportstätten etwa die in Demen oder Zapel sein.

Stadtvertretung entscheidet am Montag über Satzung

Eine Erhöhung der Gebühren ist aus Sicht des Bürgermeisters Ulrich Güßmann unumgänglich. Die Stadt muss sparen. Sie hat in diesem Jahr rund 500 000 Euro auf der Einnahmenseite weniger, weil sie allein 385 000 Euro weniger Schlüsselzuweisungen erhält. Die Stadt habe sich in anderen Orten, umgeschaut, wie hoch dort die Nutzungsgebühren sind. 24 Euro pro Stunde, so sagt der Bürgermeister, liege zudem weit unter den errechneten, den tatsächlichen Kosten. Rechnet man die Kosten auf die Anzahl der Personen herunter, ergibt sich dieses Bild: Wenn eine Sportgruppe mit 25 Erwachsenen die sanierte Halle eine Stunde nutze, entfalle pro Person im Durchschnitt ein Euro. Wichtig ist der Stadt, dass Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr keinen einzigen Cent für ihren Sport entrichten müssen. Güßmann: Wir wollen die Vereine weiterhin unterstützen, aber es muss bezahlbar bleiben."

Am Montag, auf der nächsten Sitzung der Stadtvertretung, soll über die Satzung entschieden werden. Wird ein Beschluss gefasst, tritt die Satzung so schnell wie möglich in Kraft.

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