Verbindung unterbrochen

Die Tankstelle Beckmann in Reetz hat nur auf der Straße Empfang.
Die Tankstelle Beckmann in Reetz hat nur auf der Straße Empfang.

100 Prozent Versorgung in der Fläche versprechen Mobilfunkanbieter. Für viele Prignitzer, deren Gespräche täglich in Funklöchern zusammenbrechen, ist das blanker Hohn.

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22. Oktober 2009, 09:01 Uhr

Prignitz | Grenzenloses Telefonieren versprechen die Werbungen der großen Mobilfunkanbieter. Auch in unserem Bericht vom 24. September über Mobilfunkmasten und Netzdichte im Landkreis Prignitz gab beispielsweise der Anbieter Vodafone die Versorgung mit nahezu 100 Prozent an und erklärte, dass jetzt vorrangig an der Erhöhung der Datenkapazität gearbeitet werde.

Doch diese Aussage lassen Kunden nicht gelten, sprechen von Funklöchern, wie beispielsweise mitten im Dorf Reetz: "Wir haben fast nie Empfang", sagt Norbert Beckmann, Betreiber der Tankstelle im Ort. Wenn er eine Bestellung für den kleinen Shop ordern wolle, müsse seine Kollegin mitten auf der Straße stehen, um überhaupt telefonieren zu können. Doch selbst das sei häufig reine Glückssache, so Beckmann.

Auch Thomas Breitlauch aus Wüsten Vahrnow hat an der 100-Prozent-Versorgung seine Zweifel. "Allein auf der Strecke von Perleberg nach Gülitz gibt es mehrere Funklöcher, in denen noch nicht einmal Telefonieren möglich ist, von Datenverbindungen ganz zu schweigen. Zu Hause angekommen, muss ich mir eine günstige Stelle suchen, um wenigstens zwei Balken auf der Anzeige zu haben. Sehen so ,fast 100 Prozent aus?", fragt er sich.

"Natürlich sind die 100 Prozent ein theoretischer Wert, der sich aus der Sendeleistung der Anlagen und ihrer Dichte ergibt", sagt Dirk Ebrecht von Vodafone. "Allerdings können gewisse topographische Gegebenheiten wie Täler oder Hügel die Übertragung an manchen Stellen erschweren, so dass dann dort die ,weißen Flecken entstehen." In diesen Fällen sind die Mobilfunkanbieter laut Ebrecht auf Hinweise von Kunden angewiesen. "Wir prüfen dann umgehend, welche Möglichkeiten bestehen, den Ort ordentlich zu versorgen." So kann beispielsweise die Ausrichtung von Antennen verändert oder die Leistung der angeschlossenen Sender erhöht werden, erklärt Ebrecht. "Für zehn Kunden in einem abgeschiedenen Dorf allerdings einen eigenen Sendemast zu setzen, das ist wirtschaftlich nicht machbar", so der Konzernsprecher.

Offenbar gilt das auch für Reetz. "Ich weiß nicht, wie oft ich mich schon bei Vodafone beschwert habe, aber geändert hat sich nichts", sagt Tankstellenbetreiber Beckmann. "Als wir im Urlaub in Rumänien waren, hatten wir in entlegensten Gebieten, wo kein Mensch wohnt, vollen Empfang. Irgendwo hört das Verständnis dann auch auf."

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