Vater sagt für Sohn aus

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01. Juli 2010, 07:30 Uhr

Rostock | In der Strafsache gegen Robert Sebastian R.(28), der wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung vor Gericht steht, ist gestern der Vater des Angeklagten als Zeuge gehört worden. Er berichtete, dass sein Sohn schon mit 14 Jahren als Schüler des Gymnasiums in Rövershagen den ersten Drogenkontakt hatte und sich immer zu "schlimmen Typen" hingezogen fühlte.

Vom Angriff auf einen anderen Mann, der seinem Sohn zur Last gelegt wird, wisse er aber nichts, sagte der 66-Jährige bei der Verhandlung. Seinem Sohn wird vorgeworfen, am 10. Dezember vergangenen Jahres auf dem Boulevard in Lütten Klein mit einem Brotmesser und einer zerbrochenen Flasche auf seinen Bekannten Torsten T. (33) losgegangen zu sein. Laut Anklage erlitt der Attackierte dabei schwere Verletzungen an Kopf und Hals. Eine Schlagader soll nur knapp verfehlt worden sein. Auch das Gesicht des Opfers war nach Angaben der Ermittler schwer gezeichnet. Robert R. verteidigt sich mit dem Notwehrargument, nicht er hätte Torsten T. angegriffen, sondern der ihn.

Der Vater schilderte die Anstrengungen der Familie, ihn von den Drogen wegzubekommen. So wären sie extra nach Amsterdam in das Drogen-Viertel gefahren, damit er bewusst die Folgen des Rauschgiftgenusses sehe. Mit den besten Drogenexperten hätten sie Kontakt aufgenommen, die ihnen die Möglichkeiten der Überwindung der Sucht, aber auch die Grenzen aufgezeigt hätten. "Robert ist ein heller Kopf", sagte der Vater. "Er hat sogar an der Matheolympiade teilgenommen. Er hat schon erkannt, wohin sein Drogenkonsum führt." Aber alle Versuche, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, seien nicht von Dauer gewesen. Vor dem Lehrbeginn seines Sohnes in Wismar habe der Vater sogar seine Möglichkeiten als Schiffskapitän genutzt, seinen Sohn über ein Viertel Jahr mit an Bord zu nehmen, damit er nicht wieder mit seinen alten Freunden in Kontakt kommt. Alle Versuche der Familie blieben jedoch ohne Erfolg.

Der Vater machte auch Angaben über ein Telefonat, das der Sohn am Tatabend mit ihm führte. Darin bat er den Vater, Kathi N., die spätere Augenzeugin der Tat, anzurufen, um ihr eine Nachricht zukommen zu lassen. Durch den Einzelverbindungsnachweis konnte der Zeitpunkt des Gespräches genau festgestellt werden. Er widerspricht den Angaben des Angeklagten. Ebenso lag dem Gericht die Rechnung für den Kauf eines Medikamentes in der Schmarler Pinguin Apotheke vor, die auf den 10. Dezember 18.07 Uhr ausgestellt wurde, und somit auch im zeitlichen Widerspruch zu den Angaben des Angeklagten steht.

Alle Beweisanträge der Verteidigung wies das Gericht gestern als unbegründet zurück. Darunter Anträge auf Anhörung der Notrufe, die jedoch inzwischen gelöscht wurden, und auf erneute Untersuchung der Tatwaffen. Auch der Antrag auf eine Tatortrekonstruktion wurde abgelehnt. Der Prozess wird am 20. Juli fortgesetzt. Dann soll das Urteil gesprochen werden. Ursprünglich waren die Plädoyers schon für gestern vorgesehen. Doch der Vater erschien überraschend im Zeugenstand, um seinen Sohn gegen die Vorwürfe in Schutz zu nehmen. Robert Sebastian R. befindet sich in Untersuchungshaft.

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