Vandalismus gefährdet Vorzeigeprojekt

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13. August 2010, 09:28 Uhr

Muesser Holz | Blinder Vandalismus behindert die Bauarbeiten an der Schule am Mueßer Berg und an der benachbarten Kita. Frisch installierte Abwasserleitungen: herausgerissen und in die Ecke geschmissen. Neu eingesetzte Fensterscheiben: eingeschlagen. Wände in der Kita: beschmiert. "Das ist pure Zerstörungswut", sagt Kerstin Schmidt, Betriebsleiterin des Zentralen Gebäudemanagements (ZGM) der Stadt. "Kleinere Diebstähle und Vandalismus auf Baustellen gehören zu unserem täglich Brot, aber am Mueßer Berg hat das völlig neue Formen angenommen. Das ist beängstigend beeindruckend."

Doch die Schäden sind nicht nur ärgerlich und teuer, sie gefährden auch den Ablauf der Arbeiten, die bis Ende Juni 2011 abgeschlossen sein sollen. "Das schießt uns die Bauzeit kaputt", formuliert Schuldezernent Dieter Niesen. "Die einzelnen Gewerke werden total aus dem Takt gebracht, weil die Handwerker nach den Zerstörungen viele Teile erst wieder bestellen müssen und dadurch stark in Zeitverzug geraten." Dann könnten auch die Nachfolgearbeiten anderer Firmen erst später beginnen, die aber vorher genau eingetaktet wurden - eine fatale Kettenreaktion. "Wir bitten die Bürger in diesem Bereich deshalb jetzt um besondere Aufmerksamkeit", so Niesen. Wer etwas Verdächtiges bemerkt, sollte sich sofort bei der Polizei (Kriminaldauerdienst Telefon 20 70 22 22) oder beim ZGM (Telefon .........) melden. "Wir werden für die Baustelle wohl einen Wachschutz engagieren", sagt Kerstin Schmidt. "Dafür müssen leider jetzt schon Gelder ausgegeben werden, die sonst für die Ausstattung der Schule oder der Kita verwendet werden könnten."

Rund acht Millionen Euro fließen in die Sanierung der Schule am Mueßer Berg und den Neubau der bilingualen Kita gleich nebenan. Schuldezernent Dieter Niesen spricht von einem "absoluten Premiumprojekt", das mithelfen soll, im Problemstadtteil Mueßer Holz die Wende einzuleiten: Die Abwanderung stoppen, neue Mieter anziehen, eine bessere soziale Durchmischung der Einwohnerstruktur schaffen. Herrschte hier in den vergangenen Jahren vor allem die Abrissbirne, soll jetzt aufgebaut werden - in unmittelbarer Nähe des neu entstehenden Bildungscampus ist auf dem ehemaligen Buga-Parkplatz ein Neubaugebiet mit Eigenheimen geplant. Niesen: "Die Menschen müssen sich mit ihrem Stadtteil identifizieren und neues Selbstwertgefühl gewinnen. Mit der Schule und Kita wollen wir die Rahmenbedingungen verbessern und mehr Chancengleichheit schaffen."

Rund 270 Kinder besuchen heute die Schule am Mueßer Berg - mehr als 60 davon mit besonderem Förderbedarf. Ihr Schulgebäude wird barrierefrei mit ebenerdiger Pausenhalle, mit Fahrstuhl und großem Behinderten-WC. Die Unterrichtsräume werden auf die tatsächliche Größe der Klassen von heute zugeschnitten, es gibt unter anderem eine neue Schulküche, Lesesaal, Bibliothek, Multimediaraum sowie Horträume für insgesamt 88 Kinder. Bislang waren die Hortplätze für die Grundschule auf umliegenden Kitas verteilt.

Die neu entstehende Kindertagesstätte gleich nebenan ist ein in Schwerin einmaliges Projekt: Vier einstöckige Gebäude mit Raum-in-Raum-Konzept sind über Gänge miteinander verbunden, die großzügigen Außenbereiche widmen sich verschiedenen Themen: Sand, Wasser, Klettern. Ein Raum kann zum Mehrzwecksaal für Ortsteil-Veranstaltungen umfunktioniert werden. Der Clou: Ein Teil der Erzieher wird nur Englisch reden. Die 178 Kita-Kinder sollen so ganz nebenbei die Weltsprache erlernen.

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