Vandalen vergreifen sich an Kunst

Ein schwerer Rückschlag für das Parchimer Buga-Begleitprojekt "Corso der Skulpturen": Die erst vor vier Tagen auf dem Bahnhofsvorplatz aufgestellten Kunstwerke "3 Königshäsinnen" und "Die Meute" vom Bildhauer Thomas Radeloff wurden in der Nacht zum Montag von Vandalen zerstört.

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16. März 2009, 07:36 Uhr

Parchim | Als die Parchimer Rentnerin Ida F.* gestern früh mit ihrem Fahrrad auf dem Weg zum Einkauf den Platz vor dem Bahnhof erreicht, stockt ihr der Atem. Die rund vier Meter hohen Stahlfiguren "3 Königshäsinnen" wurden mit brachialer Gewalt flachgelegt und fünf Betonskulpturen der Gruppe "Die Meute" aus dem Boden gerissen und teilweise zerschlagen. "Wer macht so etwas? Ich bin entsetzt", so die 75-Jährige, die in der Nachbarschaft wohnt und sich gefreut hat, dass der Platz mit den Kunstwerken aufgewertet wurde.

Kurz nach Sonnenaufgang hat Detlef Feldten gestern vom Stellwerk des Parchimer Bahnhofs die Polizei und anschließend unsere Redaktion informiert. Fredi Kösterke, Mitarbeiter der ABS Parchim hatte kurz zuvor den Hinweis eines Kollegen erhalten. "Spontan habe ich gedacht, blöde Jungs. Aber es ist wohl der tägliche Wahnsinn", meint Fredi Kösterke. Er will die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich Zeugen bei der Polizei melden und es nicht wieder heißt, "keiner hat etwas gesehen". "Bei einigen scheinen Hopfen und Malz verloren. Wir müssen uns fragen, warum es zu derartigen Wutausbrüchen in unserer Gesellschaft kommt", reagiert sein Chef Carsten Schwarz betroffen. Beide sind sich dennoch einig: " Von einzelnen Vandalen lassen wir uns nicht unterkriegen. Die Arbeit an den Buga-Projekten geht weiter."

Prof. Dr. Wolfgang Vogt, Mitinitiator des spektakulären Kunstprojektes, erreicht die Nachricht in Hamburg. Er bricht alle Termine ab und macht sich gestern Nachmittag vor Ort ein eigenes Bild. "Es ist eine unverständliche und widersinnige Tat, die von offensichtlich verwirrten Menschen ausgeht. Es handelt sich dabei nicht um einen Akt gegen ein Kunstwerk, sondern gegen die Stadt. Das ist nicht hinzunehmen", so der namhafte Friedensforscher, der den Vorfall aber auch als Chance sieht. "Die Parchimer sind gefordert, sich das nicht gefallen zulassen. Kultur ist ein klares Zeichen für Zivilisation und auch bei Gewalt gegen Sachen darf es keine Toleranz geben", so der Wissenschaftler.

Bei einem Gespräch mit Vertretern der Polizei und der Stadtverwaltung stand das weitere Vorgehen im Mittelpunkt. "Wir machen auf jeden Fall weiter. Die Bürger haben die bereits aufgestellten Kunstwerke gut angenommen. Die ernsthafte Beschädigung macht uns sehr betroffen", sagt Amtsleiter Holger Geick. Noch in dieser Woche wird Bildhauer Thomas Radeloff nach Parchim kommen, um den Schaden zu begutachten.

* Name geändert

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