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Nach Angriff auf Chefarzt: Holzfäller Rico G. muss in Psychiatrie : Urteil im Güstrower Axt-Prozess gefällt

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erstellt am 11.Jan.2011 | 12:22 Uhr

Rostock/Güstrow | In dem Sicherungsverfahren gegen den 33-jährigen Holzfäller Rico G. aus Blankenförde trat das Landgericht Rostock gestern vom Vorwurf der versuchten Tötung zurück. Es befand auf Sachbeschädigung und Bedrohung und verfügte die Unterbringung des Beschuldigten in einem geschlossenen psychiatrischen Krankenhaus. Die Verteidigung geht in Revision. Sie hatte eine offene Unterbringung gefordert.

Der Vorsitzende Richter fügte Puzzle an Puzzle der Krankengeschichte des 33-Jährigen zusammen. Schon 2004 litt Rico G. unter starken Stimmungsschwankungen. Im Februar 2005 verschwand er für einige Tage und erzählte nach seiner Rückkehr wundersamste Erlebnisse vom Drehen eines Filmes in Berlin und Hubschrauberflügen. Anschließend verbrachte er mehrere Wochen stationär in der psychiatrischen Klinik in Neubrandenburg. 2007 wurde Rico G. auffällig, als er einen Vorschlaghammer in eine Gaststätte warf, weil die Wirtsleute angeblich mit Drogen handelten. Eine erneute Behandlung in Neubrandenburg endete mit dem Entzug seiner Jagdbescheinigung und seiner Waffe. Um beides wieder zu erlangen, vermittelte sein Jagdfreund Prof. W. eine Begutachtung durch den Chefarzt der Psychiatrischen Abteilung des KMG-Klinikums Güstrow. Nach einer längeren Behandlung verließ Rico G. das Krankenhaus und begab sich Anfang 2010 zu Fuß ins Krankenhaus nach Neubrandenburg. Dort wurde eine schizophrene Psychose festgestellt.

Am Vormittag des 3. Mai 2010 begleitete er seine Lebensgefährtin zu einer Befragung ins Polizeirevier. Dort trat er bereits aggressiv auf. Danach fuhr er in die Klinik nach Neubrandenburg und bedrohte seinen behandelnden Arzt mit Fäusten. Er verlangte die Herausgabe der Wohnadresse des Güstrower Chefarztes Dr. S. Auf dem Weg nach Güstrow hielt er kurz in Blankenförde und legte eine Spaltaxt in seinen Wagen. Mit der bewaffnet, spazierte er in die Klinik. Zwei Mal fragte er nach dem Weg zum Chefzimmer, ohne aufgehalten zu werden. Die Tür ließ sich nicht öffnen. "Komm raus", schrie Rico G., dann schlug er die Tür ein. Als ihm ein Arzt "Was machen Sie da?!" zurief, ließ der Beschuldigte die Axt sinken und setzte sich ruhig in den Warteraum. Dr. S. hatte sich in Todesangst ins Nebenzimmer gerettet.

"Der Tötungsvorsatz ist nicht nachweisbar", sagte der Vorsitzende Richter. Die Aussage des Chefarztes, wonach Rico G. während der Visite zu ihm gesagt haben soll, "Wenn ich einen Revolver gehabt hätte, hätte ich Sie erschossen", habe sich nicht bestätigt. Zwei Zeuginnen, die bei der Visite zugegen waren, hatten die Aussage zurückgewiesen. Eine Unterbringung von G. in einem psychiatrischen Krankenhaus sei nötig, da von ihm weitere Gewalttaten zu erwarten sind, hieß es gestern in der Urteilsbegründung. Bis jetzt hätten die Ärzte keinen Zugang zu ihm gefunden. Rico G. wehrt sich gegen die Diagnose Schizophrenie. "Sie müssen sich endlich öffnen", sagte Peter Goebels, der Vorsitzende Richter, zum Schluss. Dann würde begründete Aussicht auf Genesung bestehen.

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