Urlauber als dreiste Hoteldiebe

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26. Juli 2010, 07:11 Uhr

Schwerin/Rostock | Der Kugelschreiber mit Logo gilt als Werbeträger, den ein Hotelgast gerne mitnehmen kann. Bei Bademänteln, Handtüchern oder gar Fernsehern hört der Spaß allerdings auf. In Rostock ist es zuletzt zu immer dreisteren Diebstählen gekommen. "So etwas passiert fast schon regelmäßig", berichtete Axel Woile von der Rostocker Hotel-Allianz, in der 29 Häuser zusammengeschlossen sind.

Mitunter würden sogar hochwertige Flachbildschirm-Fernseher aus Zimmern und Lobbys gestohlen. "Neulich ist einer aufgeflogen, der wollte einen großen Flatscreen in einem An- und Verkaufsladen loswerden. Leider hatte er übersehen, dass auf der Rückseite des Geräts noch das Hotel-Logo klebte." Zu den spektakulären Fällen kämen noch die zahlreichen Handtücher, Laken und Bademäntel, die einige Gäste mitgehen lassen. Entgegen der Auffassung der Langfinger handele es sich dabei nicht um Bagatellfälle oder Kavaliersdelikte. "Wenn Sie ein Hotel mit 100 Zimmern haben und jeder zweite Gast kommt auf die Idee, so etwas zu machen, dann ist das schon eine ganz schöne finanzielle Belastung." Langfristig litten alle Besucher - auch und gerade die ehrlichen. "Den Schaden müssen am Ende alle tragen", sagte Woile.

In der Regel haben es die Hotels in Mecklenburg-Vorpommern jedoch mit ehrlichen Gästen zu tun, wie eine Umfrage ergab. Im Maritim- Hotel Kaiserhof in Heringsdorf auf Usedom oder im Schweriner Intercity-Hotel ist der Diebstahl hochwertiger Artikel kein Thema.

"Dass Kugelschreiber beim Gast bleiben, wünsche ich mir sogar", sagte der Heringsdorfer Hotelchef Uwe Hanusch. Schließlich handele es sich um Werbeträger. Nicht alles, was ein Urlauber im Hotel einsteckt, ist auch Diebstahl und damit ein Fall für die Polizei. Entscheidend sei der Wille des Eigentümers, sagte der Greifswalder Rechtsanwalt Rainer Steffens. Bei einem Shampoo-Fläschchen erwarte das Hotel sicher nicht, dass es am Ende des Urlaubs noch dasteht. Gibt das Hotel - wie in diesem Fall - sein Recht am Gegenstand auf, dann handele es sich um eine herrenlose Sache, ist also kein Diebstahl. "Bei einem Bademantel kann ich mir schon schwerer vorstellen, dass ein Hotel das Recht am Eigentum aufgibt", sagte Steffens.

Der Umgang mit Dieben erfordert Diskretion und Fingerspitzengefühl. Hotels verzichten in der Regel auf einen Mahnbrief, wenn sie den Diebstahl nicht hundertprozentig nachweisen können - schließlich wolle man einen Gast, der möglicherweise unschuldig ist, nicht verprellen. Viele Häuser sind mehr oder weniger machtlos gegen das Treiben der Diebe. Zwar gebe es Vorsichtsmaßnahmen, sagte Woile von der Rostocker Hotel Allianz. So achte man zum Beispiel darauf, dass Fahrstühle nie direkt in die Tiefgarage fahren, sondern erst in der Lobby oder vor der Rezeption einen Zwischenhalt einlegen. "Aber wenn im Sommer der Betrieb brummt, kann man einen geschickten Dieb eben auch leicht übersehen."

Auch im Ferienresort Weiße Wiek im Ostseebad Boltenhagen mit rund 1000 Betten kennt man den Hotelklau durchaus. Im Iberotel des Resorts würden immer mal wieder Handtücher und Bademäntel zum Diebesgut, sagte die stellvertretende Direktorin des Dorfhotels, Gabriele Jelcho. Im Dorfhotel mit seinen voll ausgestatteten Küchen fehlten mal Löffel oder Aschenbecher. Am hellichten Tag habe einmal ein Dieb einen Stuhl auf dem Fahrrad abtransportiert, andere hätten einen Blumenkübel vorm Eingang aufs Auto geladen und seien damit davongebraust. Bei so etwas werde Anzeige erstattet. Im Fall des Kübels hätten die Diebe diesen später weggeworfen und man habe ihn wieder. Er sei aber nicht mehr zu benutzen.

Ein erfahrener Hoteldirektor, der namentlich nicht genannt werden möchte, berichtete von einem skurrilen Vorfall vor mehreren Jahren in einem Thüringer Nobelhotel. "Wir hatten neue, hochwertige goldfarbene Handtücher. Innerhalb von wenigen Wochen waren 300 Stück weg." Da half nur eins: Das Hotel musste die Top-Ware gegen Handtücher von minderer Qualität auswechseln.

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