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Lokales

22. August 2017 | 18:34 Uhr

Unvergessliche Musikstunde

vom

Schwerin | Morgen Abend wird das 6. Festival Verfemte Musik feierlich im Staatstheater eröffnet. Neben dem internationalen Interpretationswettbewerb sowie zahlreichen Konzerten und Ausstellungen bietet das Festival einzigartige Möglichkeiten der Begegnung mit Zeitzeugen des Holocaust. Zu ihnen gehört auch der amerikanische Komponist und Musikkritiker Walter Arlen, der vor den Nazis in die USA fliehen musste und in Los Angeles eine neue Heimat fand. Gestern kam er auf Einladung der Niels-Stensen-Schule zu den Schülern der Klasse 9a und bescherte ihnen den ungewöhnlichsten Musikunterricht, den sie je hatten.

"Es war echt spannend. Herr Arlen hat viel aus seinem Leben erzählt. Das war sehr emotional. Und wichtig ist es auch, mehr über die Zeit und den Holocaust zu erfahren, damit sowas nicht wieder passiert", fasste Jakob seine Eindrücke zusammen.

Eine ganz besondere Premiere war der Besuch aber auch für Arlen selbst: Der 90-Jährige, dessen Karriereweg auch nach Hollywood führte und sehr steinig war, stellte seine erste CD öffentlich vor. Durch das Projekt "Verfemte Musik" waren vor einigen Jahren zahlreiche unveröffentlichte Kompositionen des späteren Musikprofessors aus seiner Jugendzeit ans Licht geholt und die Noten erstmals gedruckt worden. Daraus wurde jetzt eine CD produziert, vor allem mit Kunstliedern, die Arlen gestern den Schülern präsentierte. "Das klang zunächst etwas ungewöhnlich für uns, normalerweise hören wir ja was anderes, aber es war sehr schön", versicherte Nele. "Man konnte sich richtig vorstellen, wie die Sängerin auf einer großen Bühne steht und das Lied vorträgt." Ähnlich empfand auch Lisa Marie die Musik: "Es wurde zwar alles auf Englisch gesungen, so dass man den Inhalt nicht verstehen konnte, aber es klang sehr tiefgründig und schön", sagte die Schülerin.

Auch Musiklehrer Jan Szymanski war sehr zufrieden mit dieser Art von Unterricht: "Wir hatten vor zwei Jahren schon mal eine Zeitzeugin des Holocaust, die Sängerin Anna Hanusova-Flachova, hier bei uns in der Schule." Es sei sehr bewegend gewesen. So werde Geschichte, werde Musik sehr intensiv vermittelt. Festivalleiter Volker Ahmels, zugleich Direktor des Schweriner Konservatoriums, hatte zunächst die Schüler mit dem Projekt "Verfemte Musik" vertraut gemacht, dessen Ziel es sei, die seinerzeit sehr beliebte Musik der von den Nazis verfemten Komponisten wieder zum Allgemeingut werden zu lassen, zugleich Geschichte zu vermitteln und Brücken zu bauen zur Völkerverständigung. Deshalb seien die Zeitzeugen gespräche, die auch in den nächsten Tagen an vielen Schulen stattfinden, neben dem Musikwettbewerb und Konzerten untrennbarer Bestandteil des Festivals - ebenso wie Ausstellungen und andere Projekte.

Programmtipps:

21. September

  • 10 Uhr, Fridericianum: Theaterstück „Tansman – eine ungewöhnliche Reise“

  • 17.30 Uhr, Weinhaus Uhle: Vortrag „Brennpunkt Nahost“

22. September
  • 17 Uhr, Galerie MV Foto: Ausstellungseröffnung und Vortrag „Alexandre Tansman“

  • 20 Uhr, Konzertfoyer: Eröffnungskonzert

23. September
  • 9.30 Uhr, Konservatorium: öffentliche Wettbewerbsvorspiele Kammermusik

  • 10 Uhr, Schleswig-Holstein-Haus: öffentliche Wettbewerbsvorspiele Solo

  • 20 Uhr, Konzertfoyer: Gespräch mit Mireille Tansman, Musik mit Silesian String Quartet

24. September
  • 10 Uhr, Konservatorium: öffentliche Wettbewerbsvorspiele Kammermusik

  • 10 Uhr, Schleswig-Holstein-Haus: öffentliche Wettbewerbsvorspiele Solo

  • 20 Uhr, Stadtwerke: Jazz mit dem Coco Schumann Quartett

25. September
  • 19 Uhr, Konzertfoyer: „Voix Etouffees“

26. September
  • 11 Uhr, Konzertfoyer: Liedermatinee

  • 16 Uhr Konzertfoyer: Festival-Abschluss

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von
erstellt am 20.Sep.2010 | 08:37 Uhr

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