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Lokales

21. November 2017 | 00:02 Uhr

Uni-Start in der "Rumpelkammer"

vom

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erstellt am 20.Okt.2010 | 12:05 Uhr

Bützow | Bützow - dieser kleine Ort eine Universitätsstadt? So die oft gestellte Frage, wenn Besucher die Ausstellung im "Krummen Haus" besichtigen. 250 Jahre ist es jetzt her, dass Friedrich der Fromme, Herzog von Mecklenburg-Schwerin, nach einem Streit mit der Stadt Rostock die Verfügung erließ, die Universität von Rostock nach Bützow zu verlegen. Friedrich, selbst studierter Theologe und Anhänger des Pietismus, einer Reformbewegung innerhalb des deutschen Protestantismus, kam mit der an der Rostocker Universität gelehrten Orthodoxie in Konflikt, da er die Universität im Sinne des Pietismus reformieren wollte, jedoch auf heftigen Widerstand der stockorthodoxen Rostocker Theologen stieß.

Bützow stach Güstrow und Parchim aus

Kurzerhand ließ er ein Konzept zur Gründung einer neuen Universität in einer seiner Städte erarbeiten. Zur Disposition standen neben Bützow auch Parchim und Güstrow. Für die Verhandlungen mit der Stadt Bützow wurde Magister Christian Albrecht Döderlein beauftragt, der sich jedoch von dem schlauen Bürgermeister Odewahn über die wirkliche Eignung der Stadt täuschen ließ. Ausschlaggebend für den Standort Bützow war dann wohl das leer stehende Schloss der am 30. Mai 1749 verstorbenen Herzoginwitwe Sophie Charlotte.

Nachdem die Standortfrage geklärt war, stand nun der Gründung der neuen Universität, welche ihrem Stifter zu Ehren Herzogliche Friedrichs-Universität zu Bützow oder auch Academia Fridericiana Bützoviensis genannt wurde, nichts mehr im Wege. Inzwischen wurden allerdings etliche Räume im Schloss durch das Pädagogium, eine nach Halleschem Vorbild gegründete, studienvorbereitende Lehranstalt, genutzt, sodass für die Universität kein ausreichender Platz in dem Gebäude mehr zur Verfügung stand. Der Herzog befahl daher, den Rathaussaal, "eine wahre alte Rumpelkammer" und einige Zimmer zu mieten.

Durch seinen Befehl vom 4. Oktober 1760 wurde der Universitätsbetrieb in Bützow eröffnet. Der Konsistorialrat und Professor für Theologie Christian Albrecht Döderlein wurde zum Rektor berufen und hielt am 20. Oktober 1760 in der Stadtkirche die Weiherede in Gegenwart der Dekane Mantzel, Detharding und Carpov sowie der Professoren Karsten, Aepinius und Schreber.

Die Universität gliederte sich in die vier Fakultäten Theologie, Jura, Medizin und Philosophie, an welchen für das Wintersemester 1760/61 95 Studenten immatrikuliert wurden. Etliche von ihnen waren bereits in Rostock immatrikuliert und kamen mit ihren Professoren nach Bützow. Alle erwarteten von der neuen Universität einen Aufschwung in der Lehre. Auch die versprochenen Lehrstätten sowie die von Bürgermeister Odewahn zugesagten Häuser und Wohnungen für Professoren und Studenten lockten sie in die kleine Ackerbürgerstadt.

Insgesamt 779 Studenten, davon 45 direkt aus Bützow, waren in der Zeit des Bestehens von 1760 bis 1789 an der Universität immatrikuliert und eine Reihe noch heute berühmter Professoren lehrte in Bützow. Unter ihnen so bekannte Namen wie Mantzel, Trendelenburg, Quistorp, Detharding, Schaarschmidt, Tychsen, Aepinius und Karsten.

Mit 250 000 Reichstalern Schulden das Ende besiegelt

Allerdings, von den großen Versprechungen und Erwartungen erfüllten sich nur wenige, sodass sich Unzufriedenheit unter den Professoren breitmachte. Akademische Einrichtungen waren insgesamt nur wenige vorhanden, und für Anschaffungen benötigte Gelder flossen wegen der Kriegszeit spärlich und gingen zudem für die überproportional hohen Gehälter einiger Professoren drauf. So klagten z. B. die Professoren Aepinius und Toze: "dass in Bützow wenige Professoren und Studenten sonderliche Bequemlichkeit hätten; dass hier kein öffentliches Auditorium wäre, sondern dass die Disputationen und Promotionen in der Kirche gehalten werden müssten; dass hier nicht Einwohner genug wären, die hinlängliche und bequeme Wohnungen für Studenten unterhielten; und dass man überhaupt sehr Ursache hätte, dass die Universität bald wieder von Bützow verlegt werden möchte."

So ergab es sich zwangsläufig, dass vier Jahre nach dem Tod von Herzog Friedrich die Universität mit einem Defizit von 250 000 Reichstalern am 27. April 1789 in Bützow geschlossen wurde.

Quelle: "Die Herzoglichen, Friedrichs-Universität und Paedagogium zu Bützow in Mecklenburg" von Günter Camenz


Vortrag zum Jubiläum

Begleitend zum 250-jährigen Gründungsjubiläum wird im Krummen Haus am 26. Oktober 2010 um 19.30 Uhr ein Vortrag unter der Thematik: „Die Universitäten Rostock und Bützow im Spannungsfeld der Konfessionen“ von Prof. Dr. Kersten Krüger gehalten. Dazu laden wir alle interessierten Bürger recht herzlich ein.

*Die Autorin ist Mitarbeiterin im Krummen Haus Bützow

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