Und Pfingsten nach Essen

Ulrike Wehrmeister und Lehrer Volker SchubertChristiane Großmann
Ulrike Wehrmeister und Lehrer Volker SchubertChristiane Großmann

Ihren Zukunftsplan hat Ulrike Wehrmeister (17) längst geschmiedet: Vor elf Jahren begann die Parchimerin mit dem Blockflötespielen. Diesem Instrument möchte sie ihr ganzes Leben die Treue halten, als Musikpädagogin. Doch jetzt heißt es erst einmal wieder "Jugend musiziert". Ulrike Wehrmeister ist beim Bundeswettbewerb dabei - das dritte Mal in Folge.

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23. April 2009, 09:04 Uhr

Parchim | Ulrike Wehrmeister sprüht förmlich vor Energie. Das zeigt sich auch an ihrer Tagesplanung. Während sich andere nach einem anstrengenden Schultag und dem Hausaufgabenstress ausgelaugt fühlen, dreht Ulrike Wehrmeister noch einmal richtig auf: Dann greift sie zu ihrer Blockflöte. "Manchmal fange ich an und kann gar nicht wieder aufhören", gesteht die Gymnasiastin, für die das tägliche (selbst verordnete) Übungspensum am Abend ihre Art sei, abzuschalten und den Tag wiederum mit Arbeit ausklingen zu lassen.

Die Elftklässlerin aus Parchim ist ein sympathischer Werbeträger für die Kreismusikschule Parchim-Lübz. Steht sie doch dafür, wie man schon in jungen Jahren durch die musikalische Früherziehung auf kindgerechte Weise dauerhaftes Interesse an einem Instrument wecken kann. "Eigentlich wollte ich ja Klavier lernen", gesteht Ulrike. Doch da hatte ihre Mutter einen ganz pragmatischen Vorschlag: Lerne doch erst mal Blockflöte, die kann man später in eine Schublade stecken. Von wegen! Und Klavierunterricht nimmt Ulrike inzwischen auch - seit sechs Jahren.

Volker Schubert hat die musikalische Entwicklung seiner Schülerin vom ersten Tag an miterleben können: zunächst ihren "ganz normalen" Start mit dem Blockflötenunterricht in der ersten Klasse in einer Dreiergruppe. Auch im Einzelunterricht habe sie später recht gut gespielt, die erste Wettbewerbsteilnahme ließ nicht lange auf sich warten. Dann der Durchbruch vor drei Jahren: ein dritter Preis beim Bundeswettbewerb. Ulrike Wehrmeister hatte sich zur Spitzenschülerin entwickelt. Das bestätigte auch ihre zweite Teilnahme am Bundesausscheid im vergangenen Jahr im Trio mit Robert Kemsies und Pia Schubert. "Seitdem bringt sie selber sehr viel in den Unterricht ein. Ulrike nimmt jede Anregung auf und sucht eigenständig nach musikalischen sowie spieltechnischen Lösungen", stellt ihr Volker Schubert beste Noten aus. Eine ihrer ganz großen Stärken sieht der Musikpädagoge vor allem in Ulrikes Freude an der Musik als solche. Das können auch Zuhörer bestätigen, die bereits in den Genuss ihrer Vorträge gekommen sind.

In Wettbewerbssituationen Nerven stark wie Drahtseile"Es macht ihr einfach Spaß, ein Stück so richtig gut zum Klingen zu bringen, die schnellen Passagen flink zu greifen und die oft versteckten Melodien in einen sinnvollen Zusammenhang zu stellen", beobachtet der Lehrer, der ihr außerdem eine ungewöhnliche Ausdauer bescheinigt. Gemeint sei damit einerseits ihre Konzentrationsfähigkeit beim Üben, die es ihr ermögliche, sich auch in komplexe musikalische Zusammenhänge hineinzufinden. Darüber hinaus zeige Ulrike unheimlich viel Biss, wenn es darum geht, monatelang an einem schweren Stück dranzubleiben, bis es die nötige Leichtigkeit erhält.

Dann noch in einer Wettbewerbssituation Nerven wie Drahtseile zu bewahren, wie es ihr kürzlich beim Landeswettbewerb von "Jugend musiziert" gelang, ist eine weitere "Spezialität" von Ulrike. "Ich bin ein Auftrittsmensch", gesteht sie offen. Mit Herzflattern oder anderen Facetten des Lampenfiebers, die einen fast lähmen können, hat sie kurz vor dem Betreten der Bühne jedenfalls nicht zu kämpfen. "Ich spiele, wie ich drauf bin und schau, was draus wird", stapelt sie tief, sehr tief. Immerhin sind beim jüngsten Landeswettbewerb 25 traumhafte Punkte draus geworden plus zahlreiche persönlich anerkennende Worte der Juroren. Die "25" gibt es wirklich nur, wenn der musikalische Vortrag weit über das erwartete Maß hinaus reicht und das "Gesamtpaket" absolut überzeugend sowie mitreißend ausgeführt wurde.

Generalprobe am 22. Mai in Lübzer Stiftskirche Beim Bundesausscheid über Pfingsten in Essen wird Ulrike den höchstmöglichen Zeitrahmen von 20 Minuten auf die Sekunde genau ausschöpfen. Vorbereitet hat sie Stücke aus dem Früh- und Hochbarock, von einen Komponisten im modernen klassischen Stil sowie einen Vortrag im avantgardistischen Stil mit moderner Spieltechnik. Zur Generalprobe könnte für sie der 22. Mai werden: Um 20 Uhr stellt sie ihr Wettbewerbsprogramm in der Stiftskirche in Lübz vor. Begleitet wird sie dabei von Elena Zuchtmann (Cembalo) und Volker Schubert (Violoncello). Bereits am 9. Mai spielt sie es beim Frühlingskonzert des Händelchores (Beginn: 15 Uhr) im Atrium der Grundschule West in Parchim. Zum Bundeswettbewerb wird auch diesmal wieder ihre Familie mitreisen, die Ulrikes ehrgeizige Ziele in jeder Hinsicht mit trägt und ihr natürlich gerade zum 18. Geburtstag besonders nahe sein möchte. Da dürften Ulrikes Zukunftspläne für die Eltern Musik in den Ohren sein: Die Gymnasiastin möchte ihren Weg als Instrumentalpädagogin in Mecklenburg-Vorpommern machen. "Hier ist meine Heimat, hier bin ich aufgewachsen", bekennt sie. Ihr Lehrer Volker Schubert stärkt ihr den Rücken: "Ich glaube, dass sie es schafft und ich freue mich schon auf den Moment, in dem sie ihre ersten eigenen Schüler ausbilden wird."

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