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Spezialtraining für Hagenows Grenadiere : Und immer mit scharfer Waffe durchs Gelände

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Platz ist genug auf der Schießbahn: Nach vorn sind es mindestens 15 Kilometer, in der Breite vier Kilometer. Und das alles für einen Zug von 36 Mann und vier Schützenpanzer. Dennoch wird Platz benötigt.

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erstellt am 05.Nov.2011 | 03:11 Uhr

Platz ist genug auf dieser Schießbahn in Niedersachsen: Nach vorn sind es mindestens 15 Kilometer, in der Breite gute vier Kilometer. Und das alles für einen Zug von gerade mal 36 Mann und vier Schützenpanzer "Marder". Und dennoch wird der Platz für diese Schießübung benötigt. Denn das, was da in gut drei Stunden Zug für Zug durchgespielt wird, wäre noch vor wenigen Jahren in der Bundeswehr undenkbar gewesen. "Wir können in dem aufgebauten Musterdorf auf 360 Grad, also rundum, schießen, in jede Richtung und mit allen Waffen, die wir haben", erklärt Kompaniechef Hauptmann Christoph Hemme zum Auftakt. Das ist kein Schießen mehr nach Schießbahnen, wo die Ziele schön der Reihe nach auftauchen und die Schützen liegen bleiben können. Nein, hier geht es um die möglichst realistische Darstellung eines Gefechtes. Keine Platzpatronen, alles passiert in der Bewegung und alles in scharfem Schuss. Der einzige Unterschied, zu dem was die Hagenower Grenadiere in wenigen Monaten in Afghanistan erwartet, die Gegenwehr des Gegners wird nur angenommen. Dennoch ist diese Art der Übung, wo die Männer voll bewaffnet, den Finger am Abzug durchs Gelände hetzen, wo sie jederzeit auftauchende Ziele bekämpfen müssen, wo Häuser, Fabriken und auch ein simulierter Marktplatz einzunehmen sind, diese Art des Übens ist neu. Und sie ist nicht ungefährlich. Nicht umsonst rennt hinter jedem Grenadier noch ein Sicherheitsbeauftragter her, um zu verhindern, dass doch auf die eigenen Leute geschossen wird.

Und so hetzen sie heran ans Musterdorf, erst im Schützenpanzer, später als Grenadiere im Laufschritt immer auf neue Ziele gefasst, immer auch die anderen im Blick. Das alles wirkt hochkonzentriert. "Die Männer wissen um die Gefahr, die stecken jetzt voller Adrenalin. Da passt jeder auf", weiß Oberstleutnant Andreas Kühne aus Erfahrung. Der Bataillonskommandeur lässt es sich nicht nehmen, die Übung selbst anzusehen. Schließlich muss er sich als Kommandeur in Kunduz auch auf seine Leute verlassen können. Die Hagenower werden für Monate in Afghanistan die Schutztruppe für den Bereich stellen und müssen somit in jedem Fall mit Gefechten rechnen. Etliche der Soldaten und Unterführer, die hier üben, haben das alles schon real erlebt. Einige haben ihre Kriegserfahrungen als "Feuerwehrtruppe" im Einsatz schon hinter sich. Und so wundert es den Betrachter plötzlich nicht mehr, mit welchem Eifer und auch mit welchem Ernst die Männer an die Übung gehen. Obwohl sie das alles mit Sicherheit schon viele Male geübt haben. Doch die Erfahrung lehrt, dass jede Übung wichtig ist. Die Männer müssen sich im fremden Land bedingungslos aufeinander verlassen können.

Und so wird auch die Verwundeteneinlage mit großem Ernst und so realistisch wie möglich geprobt. Erst wird der Verwundete in Deckung gebracht und später mit einer Trage zum simulierten Landeplatz des Hubschraubers transportiert. Den würden im Ernstfall die Amerikaner stellen. Vorteil: Die Amis mit ihren "Black Hawks" kommen auch bei Beschuss und holen die Verwundeten raus. Und die Hagenower müssen mit Vorfällen dieser Art rechnen, alles andere wäre Augenwischerei.

Vertrauen ins Material schaffen - das sei ein weiterer wichtiger Effekt von Übungen dieser Art, erzählen die Vorgesetzten. Dabei geht es um simple Dinge. Zu erleben, dass man mit der eigenen Waffe auch tatsächlich trifft, die Wirkung im Ziel zu sehen, den Schutz der gepanzerten Fahrzeuge und deren schwere Waffen zu erleben, das schafft Vertrauen, sich auf so ein Gefecht einzulassen.

Natürlich lässt sich nicht alles üben. Geschossen wird zwar scharf aber immer noch mit einer abgeschwächten Übungsmunition, das gilt auch für die Panzerbüchsen. Auch die schweren Waffen sind nicht mit Sprengmunition bestückt, dennoch ist der Effekt real.

Am Ende des Einsatzes gibt es nicht nur Lob für die engagierte Truppe, sondern vor allem Anerkennung für einen durchdachten Angriff, der mit großer Wucht durchgeführt wurde.

Darin besteht auch die Stärke der Grenadiere. Die Hagenower sind froh, dass sie "Sandlatscher" bleiben können und sie merken auch, dass ihre Fähigkeiten von der Führung anerkannt und geschätzt werden. Nicht umsonst bleibt das Bataillon bestehen und wird zum wiederholten Mal in den Einsatz geschickt. Der allerdings ist alles andere als leichter geworden.

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