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Rechtsstreit zu Fonds der Volkssolidarität geht weiter : "Und dann war plötzlich alles weg"

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Rund drei Jahre nach der Insolvenz zweier Volkssolidarität-Fonds kämpft Bernd Walter noch um sein Geld. Und es kommt Bewegung in den Rechtsstreit: Die Staatsanwaltschaft hat Beschwerde gegen das Landgerichts eingelegt.

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erstellt am 04.Okt.2012 | 07:28 Uhr

Rostock | "Wenn ich von meinem Geld noch mal was zurückbekomme - das wäre ein Wunder!" Bernd Walter muss bei diesem Satz fast ein bisschen lachen. Dabei ist die Geschichte, die der 58-Jährige erzählt, nicht zum Lachen. Sein Geld, für das er so viele Jahre gearbeitet hat, ist weg. Geld, das eigentlich für die Zeit sein sollte, die jetzt langsam beginnt. Für das Alter und für die Kinder natürlich. Aber im Frühjahr 2009 muss Bernd Walter akzeptieren, dass mit der Insolvenz zweier Fondsgesellschaften der Volkssolidarität das ganze Ersparte plötzlich verloren ist. Eine Einsicht, die er mit etwa 1600 weiteren Betroffenen in ganz Deutschland teilen musste, die in die Volkssolidarität-Sozial-Immobilienfonds GmbH & Co KG sowie in die Volkssolidarität-Sozial-Immobiliengesellschaft mbH investiert hatten. Die Staatsanwaltschaft versucht derzeit, zwei mutmaßliche Verantwortliche wegen Betrugs und Insolvenzverschleppung vor Gericht zu bringen.

Wie hoch der Schaden ist, der durch die Pleite verursacht wurde, steht bislang nicht genau fest. Geschätzt wird er auf mehr als neun Millionen Euro. Bernd Walter möchte gar keine genaue Summe nennen. Sechsstellig sei sie, schließlich seien in seiner Familie gleich drei Generationen von den Folgen der Insolvenz betroffen.

"Meine Eltern haben 1997 erstmals Geld bei der Volkssolidarität angelegt. Nach dem Tod meines Vaters ein Jahr später haben wir die Verträge weiterlaufen lassen. Es hat ja alles immer gut geklappt, alles schien seriös zu laufen", erinnert sich der 58-Jährige. Er selbst begann 2007 zu investieren, ein Jahr später wurden auch noch Verträge für die eigenen Kinder abgeschlossen. "Dass jetzt alles weg ist, ist für mich existenzgefährdend", sagt der ehemalige Café-Besitzer.

Für den gebürtigen Kühlungsborner hatte die Insolvenz aber nicht nur finanzielle Auswirkungen. "Nachdem uns der Insolvenzverwalter Anfang 2009 informiert hatte, kamen sofort die schlaflosen Nächte", erzählt Walter. Zu den Schlaf- kamen bald auch Herzprobleme. Im Mai 2009 musste er deswegen zum ersten Mal ins Krankenhaus. Bis heute muss er regelmäßig in die Klinik.

Die Verantwortlichen für die Pleite-Fonds waren damals gleichzeitig Funktionäre zweier Kreisverbände der Volkssolidarität, welche heute auf Anfrage an den Bundesverband verweisen. Der wiederum beruft sich auf eine Stellungnahme des damaligen Bundesgeschäftsführers der Volkssolidarität, Bernd Niederland, von 2009. "Es schmerzt", dass treue und aktive Mitglieder durch die Insolvenz "in Mitleidenschaft gezogen werden", hieß es damals. Der Bundesverband sei jedoch nie an den Geschäften der Immobilienfonds beteiligt gewesen und hätten diese "weder angeregt, noch gefördert".

Walter hat sich trotz der psychischen und physischen Belastungen entschieden, zu kämpfen. 2010 hat er Klage gegen die Volkssolidarität eingereicht. Einen Weg, den bisher nur sehr wenige Geschädigte eingeschlagen haben. "Über einen Berliner Anwalt haben vier weitere geprellte Anleger eine Klage auf den Weg gebracht", berichtet Gottfried Hörnig. Der 65-Jährige ist Vorsitzender des Interessenverbandes der Geschädigten von Volkssolidarität Geldanlagen (IVG), in den auch Walter eingetreten ist. Insgesamt zählt der Verband um die 300 Mitglieder.

Hörnig sieht zwei Gründe dafür, dass nur so wenige Geschädigte klagen. "Zum einen ist eine Klage mit Gerichtskosten und Verfahrensgebühren teuer. Bei vielen Geschädigten ist das Geld dafür einfach nicht mehr da", erklärt Hörnig. Und viele Anleger wollen auch schlicht nicht mehr. "Die meisten Betroffenen sind schon über 70 Jahre alt, manche sind sogar schon über 90 Jahre. Diese Menschen wollen schlichtweg ihre Ruhe und verzichten lieber."

Aber, so betont Hörnig, jede Klage sei wichtig. Es sei die einzige Chance, etwas von seinem Geld wiederzusehen. "Und wenn schon keine Klage, dann sollte man wenigstens einen Antrag auf ein Schlichtungsverfahren einreichen", sagt der 65-Jährige weiter. Denn ab Ende des Jahres hätten die Anleger wegen der Verjährung sonst keinen Anspruch auf die Forderungen mehr. Für Walter geht es aber nicht allein um das Geld, sondern auch um Gerechtigkeit.

"Ich hoffe auf den Rechtsstaat und bin weiter zuversichtlich", sagt der 58-Jährige. Das Leben ginge ja weiter, zwar mit Einschränkungen, aber das sei jetzt nun mal nicht zu ändern. "Vielleicht gibt es ja am Ende eine positive Überraschung", meint Walter.

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