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Lokales

23. November 2017 | 19:41 Uhr

Umweltzone, Umleitung, Lkw-Verbot

vom

svz.de von
erstellt am 17.Nov.2011 | 11:38 Uhr

Umweltzone einrichten, Abbieger umlenken oder insgesamt weniger Autos über die Straße Am Strande rollen lassen? Ein neuer Bericht schlägt jetzt eine Reihe von Veränderungen vor, mit denen die Schadstoffbelastung auf Rostocks meistbefahrener Straße gesenkt werden könnte. Nicht alle sind jedoch aus Sicht der Stadtverwaltung umsetzbar. "Wir prüfen derzeit noch eine ganze Reihe von Einzelmaßnahmen", sagt Rostocks Bau- und Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne).

Dass die Stadt dringend etwas unternehmen muss, liegt auf der Hand. Denn an der Luftgüte-Messstation Am Strande wird der Grenzwert für Stickstoffdioxid von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter seit Jahren überschritten. Ein Notifizierungsverfahren bei der EU ist deshalb schon im August angeschoben worden. Sanktionen drohen, wenn die Stickstoffwerte nicht bald sinken. Und auch beim Feinstaub wird es langsam brenzlig: Schon an 28 Tagen in diesem Jahr lag der Mittelwert über dem Grenzwert von 50 Mikrogramm je Kubikmeter. Erlaubt ist das aber nur an 35 Tagen im ganzen Jahr. "Wichtigstes Ziel ist es, erst einmal einen Fristaufschub bei der EU bis 2015 zu erreichen", so Matthäus. Das kann gelingen, wenn die Stadt nachweist, dass sich in Sachen Luftgüte-Verbesserung etwas tut - beispielsweise mit dem geplanten Verkehrsmanagementsystem. Der neue Bericht schlägt darüber hinaus weitere Maßnahmen vor, die die kritischen Werte langfristig senken könnten. Erstellt wurde das Papier vom spezialisierten Ingenieurbüro Lohmeyer im Auftrag des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG).

Weniger Autos

Weil die Schadstoffbelastung eng mit dem Verkehrsaufkommen zusammenhängt, haben die Experten verschiedene Szenarios mit deutlich weniger Autos durchgerechnet. Ergebnis: Erst ab einer Senkung um 15 000 Fahrzeuge pro Tag würde der Stickstoffdioxid-Wert auf durchschnittlich 39 Mikrogramm sinken - und damit knapp unter dem Grenzwert liegen. "Dieses Szenario ist allerdings sehr unrealistisch", sagt Matthäus. An der Kreuzung Am Strande/Grubenstraße werden derzeit am Tag mehr als 40 000 Fahrzeuge gezählt, wobei der Schwerverkehrsanteil bei etwa 3,5 Prozent liegt.

Tunnel attraktiver machen

Eine Möglichkeit, den Durchgangsverkehr Am Strande zu reduzieren, wäre es, Autos umzulenken - beispielsweise über die Warnowquerung. Die Fahrer könnten mit finanziellen Anreizen gelockt werden. "Leider hat die Stadt keine Handhabe, die Preise flexibel zu gestalten", so Matthäus. Gemeinsam mit dem Land will sich die Hansestadt jetzt an den Bund wenden und um eine Neuregelung bei der Maut bitten.

Besseres Verkehrsmanagemen
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Ein flexibles Verkehrsmanagementsystem wird derzeit vom Umweltamt und dem Tief- und Hafenbauamt geplant. Die Idee: Bluetoothgeräte messen die Zahl der vorbeifahrenden Autos. Wird der Verkehr zu dicht, gibt es Warnungen über das Internet. Autofahrer können sich dann für eine weniger verstopfte Route entscheiden - und so für weniger Abgase an der kritischen Kreuzung sorgen. Klappt die Umleitung nicht freiwillig, könnte die Stadt mit so genannten Pförtnerampeln nachhelfen. Das System wird finanziell vom Land unterstützt.

Umweltzone in der City

Der Lohmeyer-Bericht schlägt unter anderem die Einführung einer Umweltzone im Innenstadtbereich vor. In solch einem Gebiet dürfen nur Autos mit einer bestimmten Plakette, die je nach Schadstoffausstoß vergeben wird, fahren. Das Ziel: Dadurch könnte die Anschaffung von schadstoffarmen Autos beschleunigt werden. Alte Abgasschleudern würden schneller ausrangiert. Fraglich ist allerdings, ob sich die Einführung einer Umweltzone für Rostock wegen einer einzigen kritischen Straße lohnen würde. "Das ist sicher nicht zielführend", sagt Umweltsenator Matthäus. Denn neben der bloßen Ausweisung einer Zone müsse die Stadt auch deren Einhaltung überwachen und außerdem ausreichend Parkplätze für Autos ohne gültige Plakette bereitstellen. Im Rathaus will man nun erst einmal die bisherigen Erfahrungen in anderen Kommunen vergleichen.

Eine Spur Abschaffen

Ein anderer Ansatz ist die Abschaffung einer Linksabbiegerspur, die in Höhe der Grubenstraße zum Speicherkomplex im Stadthafen führt. Das würde dafür sorgen, dass der Verkehr Am Strande besser fließt, insgesamt weniger Abgase ausgestoßen werden. "Die größten Minderungspotenziale werden durch den Verzicht auf die Linksabbiegerspur berechnet", heißt es in dem Bericht der Ingenieure. Der Effekt würde unter anderem auch deshalb zustande kommen, weil so die gesamte Straße um vier Meter in Richtung Warnow rücken könnte - und damit weg von der Messstation. Aus Sicht des Umweltsenators würde das Problem damit teilweise nur verschoben, aber nicht endgültig gelöst.

LKW-Verbot

Eine Verbesserung der Luftqualität könnte auch ein Durchfahrtverbot für Lkw bringen. Genaue Hochrechnungen gibt es in dem Lohmeyer-Bericht dazu allerdings nicht. Stadtamt und Umweltamt sollen jetzt prüfen, ob es für ein solches Verbot eine Rechtsgrundlage gibt.

Ob eine oder mehrere der diskutierten Maßnahmen bald schon umgesetzt werden, wird die Stadt in den kommenden Monaten entscheiden müssen. Das Landesamt für Umweltschutz geht davon aus, dass ein ganzes Bündel von Veränderungen nötig sein wird. "Einzelne Maßnahmen werden nicht ausreichen", sagt Dr. Meinolf Drüeke, Leiter der Abteilung Immissionsschutz und Abfallwirtschaft. Matthäus ist zuversichtlich, dass zunächst zumindest die Fristverlängerung bei der EU gelingt. Er verweist auf andere deutsche Großstädte: "Die haben viel größere Probleme als wir. In Rostock halten wir nur an einer Messstelle die Werte nicht ein", sagt er. Zudem habe die Stadt jetzt vieles angeschoben, um des Schadstoff-Problems Herr zu werden.

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