Umweltbahnhof ohne Fahrräder?

<strong>Der Verleih von Fahrrädern</strong> gehört zum Geschäft von Roger Karasch - allerdings nur nebenbei.<fotos>Eckhard rosentreter</fotos>
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Der Verleih von Fahrrädern gehört zum Geschäft von Roger Karasch - allerdings nur nebenbei.Eckhard rosentreter

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07. Februar 2010, 07:01 Uhr

güstrow | Hinkt der Güstrower Eisenbahnhaltepunkt in einem Aspekt seinem Image als "Umweltbahnhof" hinterher? Während Touristen sich an anderen Stationen, etwa auf dem Weg nach Berlin, an Leih-Fahrrädern bedienen können, muss der Güstrow-Reisende nach dieser alternativen Form der Weiterfahrt suchen. Nicht jeder Ortsunkundige entdeckt auf den ersten Blick das gar nicht so weit entfernte "Fahrradhaus"; Werbung oder Hinweise findet man am Bahnhof nicht. Dabei wären doch einige der attraktivsten Güstrower Touristenziele gerade mit dem Fahrrad bequem, gesund und umweltfreundlich erreichbar: die Ernst-Barlach-Gedenkstätten, der Natur- und Umweltpark&#8230;

In Neustrelitz kein Problem: Schon auf dem Bahnsteig kann der Fahrgast auf den Sattel umsteigen, Stadt und nähere Umgebung auf dem Drahtesel erkunden. Neustrelitz ja, und Güstrow nicht? Die Ursache liegt in einem Ärgernis, das vor Jahren bereits für Unmut in der größten Kreisstadt des Landes sorgte: Güstrow wurde von der ICE-Verbindung Berlin - Rostock links liegen gelassen. Mit diesem Status steht und fällt auch die Platzierung von so genannten Call-Bikes, also zu deutsch Leihfahrrädern, durch die Deutsche Bahn. Das System "Call a Bike" werde kontinuierlich ausgebaut, bestätigt Bahn-Fuhrpark-Sprecherin Regina Marusczyk - auf ICE-Bahnhöfen. Mit größeren Städten gebe es darüber hinaus Kooperationen, das "läuft wie geschmiert". "Man merkt schon, dass das Fahrrad als umweltfreundliches Verkehrsmittel, für die Anschlussmobilität gefragt ist", sagt die Bahnsprecherin. Allerdings: Für ein solches Angebot müsse es auch eine Nachfrage geben, es müsse sich für alle Beteiligten lohnen.

Bahnreisende kämen zu ihm jedoch "ganz selten", weiß "Fahrradhaus"-Inhaber Roger Karasch. Räder verleihe er natürlich, doch eher "nebenbei". Nicht mal täglich werde im Sommer ein Rad erfragt, im Winter - auch der milderen Variante - sei dieses Nebengeschäft "ganz tot". Tagestouristen brächten ihre Räder nämlich meistens selbst mit. Und wer zu ihm kommt, etwa Hotelgäste, habe sehr konkrete Vorstellungen von "seinem" Stahlross auf Zeit: Gängezahl, Packtaschen, Kindersitz&#8230;

Seine Erfahrungen hatte auch der Natur-Tourismusunternehmer Sven-Erik Muskulus mit dem Fahrradverleih direkt im Güstrower Bahnhofsgebäude gemacht. Persönlich sei er vor Ort gewesen, habe einige Räder permanent bereit gehalten. Jedoch: "Das lohnte sich nicht, es gab viel zu wenig Nachfrage." Das ist acht Jahre her. Wollte man das wieder aufleben lassen, dann müsste man das auf anderer Basis machen, meint Muskulus, mit gemeinsamer Werbung mit der Bahn beispielsweise. Wenn solch ein Angebot nicht überregional bekannt sei, könne man auch nicht erwarten, dass der Güstrow-Tourist schon mit der Absicht einer Fahrradleihe anreist.

Also doch ein Ansatz für "Call Bikes" der Bahn, die ja die Möglichkeit der bundesweiten Werbung hätte? "Da müsste die Stadt an uns herantreten, dann würden wir das prüfen", sagt die Fuhrparksprecherin. Danach sieht es beim bekannt fahrradfreundlichen Bürgermeister, Arne Schuldt, nicht aus. "Die Bahn würde das sicher nicht kostenlos machen", mutmaßt Schuldt, der die private Wirtschaft vor Ort als den geeigneteren Partner ansieht. "Außerdem haben wir ja auch eine attraktive Bus-Stadtlinie", meint der Bürgermeister, die wolle er nicht ersetzt wissen. Immerhin sei die Stadt in Überlegungen gemeinsam mit Fahrradhändler Karasch. Unter anderem prüfe man, ob die verschließbaren Fahrradboxen am Wall - dort leider nicht genutzt - einen günstigeren Platz fänden.

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